Startschuss zum Tausch - Wer bekommt die besten Klamotten?



Tauschen statt kaufen – Evangelische Jugend organisierte Kleidertauschparty

Kaufen wird in Zeiten zunehmenden Umweltbewusstseins immer mehr in Frage gestellt. Das gilt nicht nur für größere Anschaffungen wie für Autos oder Mobiltelefone, auch bei Kleidung gibt es durchaus Alternativen zum Neukauf. Der neueste Trend sind in diesem Sinne Kleidertauschpartys. In lockerer Runde wird sich getroffen, Kleidung, die nicht mehr gefällt oder nicht mehr passt, wird mitgebracht und im Gegenzug gibt es ein neues Outfit.

Premiere: Kleidertauschparty in der Gemeinde Ichthys in Widdersdorf

Sophie von der evangelischen Jugend kannte Kleidertauschpartys aus ihrem Bekanntenkreis. „Warum sollen wir das nicht mal hier in der Gemeinde machen?“, dachte sich die junge Frau und fand spontan einige Interessierte. Eine passende Location war schnell gefunden, das Gemeindehaus „Unter Gottes Gnaden“ eignete sich perfekt für eine solche Party. Eingeladen waren Jugendliche und junge Erwachsene ab 16 Jahren.

Kleidertausch – gegen den Konsumwahn

Kleidung ist ein schnelllebiges Gut geworden, was vor allem den immer kürzeren modischen Zyklen geschuldet ist. So fristet knapp die Hälfte der Klamotten im Kleiderschrank ein unnützes Dasein, bis sie irgendwann bestenfalls in der Altkleidersammlung landen. Dafür muss natürlich Ersatz her, in der Regel werden neue und möglichst preisgünstige Klamotten gekauft. Die Industrie fördert dieses Verhalten: Kleidung wird immer billiger, der Umsatz geht nach oben mit der Folge, dass die Ausbeutung der Menschen in den Kleiderfabriken der Billiglohnländer steigt. Fest steht: Umwelt und Menschen profitieren nicht wirklich von diesem Trend. Da kommt die Alternative ins Spiel: Ein Kleidertausch verhilft zu neuen Sachen, schadet aber weder Mensch noch Umwelt. Außerdem entfällt der stressige Einkauf in der Innenstadt und ungeliebte Fehlkäufe finden neue Besitzer.

Spannung am Premierenabend

Die Kleidertausch-Idee überzeugte die Jugendlichen der Ichthys-Gemeinde, schnell wurde das Gemeindehaus gebucht und mit der Vorbereitung begonnen. „Die meiste Arbeit haben wir in Werbung gesteckt“, so Nöel Braun vom Orga-Team. Dazu wurden ein paar Snacks und Getränke besorgt, die Musikanalage angeworfen und die Party konnte steigen. Um das Ganze nicht ausufern zu lassen, wurden klare Regeln festgelegt: „Pro Person dürfen zwei Kleidungsstücke mitgebracht werden, jeder darf auch zwei davon wieder mit nach Hause nehmen. Die Sachen müssen in einwandfreiem Zustand sein.“ In der ersten Stunde wurden Kleidungsstücke abgegeben, gesichtet und vorsortiert. So präsentierten sich die unterschiedlichsten Klamotten und Accessoires auf den Tischen und warteten auf neue Besitzer. Dann folgte der Startschuss zum Tausch und schnell waren die ersten Sachen auch schon vergeben. Ausführlich wurde untereinander diskutiert, anprobiert – genauso, wie im richtigen Klamottengeschäft.

Aller Anfang ist schwer

Obwohl reichlich die Werbetrommel gerührt wurde, war das Interesse an der Kleidertauschparty zunächst nur verhalten. Im Laufe des Abends trudelten allerdings genug Leute ein, um die Party steigen zu lassen. Niemand musste seine Sachen wieder mit nach Hause nehmen, was nicht wegging, wurde gespendet. „Eigentlich passte alles, wir haben groß getauscht und wir hatten einen tollen Abend“, zieht Nöel Braun ein erstes Fazit. Für die Umwelt war es auf alle Fälle ein Gewinn. Ob und wann die nächste Kleidertauschparty in Widdersdorf stattfindet, steht allerdings noch in den Sternen. Infos dazu findet man auf der Website der Gemeinde unter https://evkirche-ichthys.de/.

Text: Dr. Klemens Surmann
Foto(s): Dr. Klemens Surmann