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Tanita Tikaram verzaubert mit Love-Songs die Kulturkirche

Tanita Tikaram gibt ein Konzert in der Kulturkirche! Die Karten sind schnell gekauft, vor Monaten schon. Die Spannung steigt im Vorfeld, angekurbelt durch die alten Schallplatten, die ich hervorkrame: „Twist in My Sobriety“ war 1988 der Hit, der die damals 19-jährige britische Singer-Songwriterin international bekannt machte. Auf ihrem ersten Album „Ancient Heart“, das sich über vier Millionen Mal verkaufte, klingt er frisch wie eh und je.

Doch Jahrzehnte sind vergangen, Tanita Tikaram ist inzwischen 46 Jahre alt. Aber sie ist musikalisch engagiert wie eh und je, hat sogar ein neues, ihr elftes Album produziert: „Closer to The People“. Damit geht sie auf Tournee – mit Auftakt in Köln-Nippes.

Gitarre, Cello und Schlagzeug
Der Gedanke, Tanita Tikaram sei im schnelllebigen Musik-Business womöglich längst vergessen worden und die Kirche bliebe halbleer, erweist sich als völlig unbegründet. Die Fans der in London lebenden Musikerin quetschen sich in die Kirchenbänke, stehen in den Gängen, drängen sich unter der Empore. Die junge Vorgruppe Serafyn aus der Schweiz, die Balladen mit melodischen Stimmen, Gitarre, Cello und leichtem Schlagzeug vorträgt, erhöht die Spannung der Anwesenden.

Unvergleichliche leicht schwermütige Stimme
Und dann kommt sie, Tanita Tikaram, im schwarzen Anzug und zieht die Menschen vor der Bühne mit ihrer unvergleichlichen, dunklen, leicht schwermütigen Stimme sogleich in Bann: „Glass Love Train“, ein Song, der weniger dramatisch als vielmehr beschwingt daherkommt, eröffnet das Konzert – genauso wie die Songpalette auf dem neuen Album. Das jedoch, so hat Pfarrer Thomas Diederichs kurz zuvor bei der Begrüßung bedauernd kundgetan, sei an diesem Abend leider noch nicht käuflich zu erwerben, da es erst eine Woche später erscheine.

„Twist in My Sobriety“
Natürlich präsentiert die Singer-Songwriterin auch einige jener altbekannten Titel, die tief in vielen Zuhörern verwurzelt sind: „Good Tradition“ beispielsweise und natürlich „Twist in My Sobriety“. So schlägt sie eine Brücke vom Heute zum Damals. Sind tatsächlich über 25 Jahre vergangen, in denen ich diese Musikerin nicht mehr auf dem Schirm hatte?

Die Balladen überwiegen
Sie sei ein Rockfan, bekennt Tikaram, die jedes ihrer Lieder mit ein paar Worten ansagt und dabei überwiegend bekennt, es sei nun wieder ein Love-Song, den sie singe. Tatsächlich gibt es Lieder mit schwungvollen, vom Rock angehauchten Passagen. Doch die Balladen überwiegen, in denen zarte Melodien durch das Gotteshaus wabern – leicht jazzig, leicht bluesig. Es gibt kein Schlagzeug. Nur Kontrabass und Keyboard begleiten die Sängerin, die selbst zur Gitarre greift oder am Piano sitzt. Hinzu kommt mal ein Saxofon, mal Querflöte oder Klarinette.

Sehr gute Akustik und Aufgeschlossenheit
Die Kulturkirche heißt eigentlich Lutherkirche und wird als evangelisches Gotteshaus ganz herkömmlich genutzt. Der neogotische Bau stammt von 1889 und viele schätzen seine freundliche Ausstrahlung, die durch die bunte Ausmalung unterstützt wird. Die sehr gute Akustik und die Aufgeschlossenheit der Kirchengemeinde führten dazu, dass die Lutherkirche sich seit 2002 – zunächst einmal im Monat – zur Kulturkirche gewandelt hat. Wegen ihrer Atmosphäre und der Nähe des Publikums zu den auftretenden Künstlern ist sie für viele Konzertfreunde längst zu einem Lieblingsveranstaltungsort geworden. Auch Lesungen, Comedy, Kabarett, Film und andere Kunstformen haben dort ihren Platz.

Zugabe der Zugabe
Das i-Tüpfelchen im Konzert war die Zugabe der Zugabe: der „Cathedral Song“ – „as we are in Cologne“ (da wir in Köln sind), wie Tikaram jenen Song ankündigte, den sie seit ihrem 19. Lebensjahr immer wieder für ihre Fans singt. Mit ihm im Ohr und dem Gefühl, in einen Jungbrunnen gehüpft und plötzlich über 20 Jahre jünger zu sein, lasse ich mich mit der Masse nach draußen treiben – vorbei am Verkaufsstand, an dem es das neue Album von Tanita Tikaram leider noch nicht gibt, da die Veröffentlichung der Wirklichkeit hinterherhinkt. Seltsamerweise werden auch keine anderen Produkte der Britin angeboten. Doch zumindest die Musikerinnen der Vorgruppe Serafyn verkaufen und signieren ihre CDs. Glücklich, wer da schnell zugegriffen hat!

Text: Ute Glaser
Foto(s): Ute Glaser