Armin Beuscher, Maria Zienow und viele Besuchende erinnern an Max Zienow



Stolperstein für Max Zienow in Köln-Lindenthal

Obwohl er als einer der Wenigen in finsterer Zeit seine Stimme erhob, ist er doch bis heute ein stiller Held geblieben. Mit einem Stolperstein wurde Max Zienow geehrt. Gunter Demnig und zwei Mitarbeiter der Stadtverwaltung ließen den Stein vor dem Haus Virchowstraße 3 in den Bürgersteig ein. Dort hatte Zienow bis zu seiner Verhaftung durch die Nazis am Nikolaustag 1943 gewohnt. Am 9. Oktober 1944 wurde er im Zuchthaus Brandenburg-Görden an der Havel umgebracht. Bei einem Geburtstagsbesuch vor einiger Zeit wurde Armin Beuscher, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Lindenthal, auf das Schicksal Zienows aufmerksam gemacht. „Da saßen einige ältere Menschen und unterhielten sich über den Zweiten Weltkrieg in Köln. Und da war plötzlich auch Max Zienow ein Thema“, erinnert sich der Pfarrer. Schnell habe sich herausgestellt, dass die Tochter Zienows noch lebt. Sie ist mittlerweile 98 Jahre alt und war bei der Stolperstein-Verlegung auch zugegen.

Einer, der seine Meinung sagte

Max Zienow wurde 1890 in der Gemeinde Saerbeck an der Ems im nördlichen Münsterland geboren. Nach dem Abitur in Münster schloss er dort ein Studium der Architektur ab. Nach dem Ersten Weltkrieg zog Zienow nach Köln. Dort lernte er seine Frau Maria kennen. Tochter Maria Augusta Elisabeth kam 1921 zur Welt. Die Familie wohnte in Sülz am Manderscheider Platz und in der Mommensenstraße. Zienow war als Architekt bei der Stadt Köln angestellt. Tochter Maria erinnert sich, dass ihr Vater mit der Ideologie der Nazis von Anfang an nichts anfangen konnte. Im Gegenteil: „Ich kann doch meine Meinung sagen“, sei sein Credo gewesen. „Wenn mein Vater etwas sagen musste, dann hat er es gesagt, auch wenn ihn andere gewarnt haben: Du musst vorsichtig sein, du weißt nicht, was die wirklich denken, wenn du ihnen etwas sagst”, erzählt Tochter Maria: „Die Warnungen machten ihm keine Angst, er sagte das, was ihm notwendig schien.“

Es reichte schon, einen ausländischen Sender zu hören

„Er war ein grundehrlicher, anständiger und mutiger Mensch, der in seinem Glauben gefestigt und einfach widerständig war“, stellt Pfarrer Beuscher fest. Diese Widerständigkeit wurde Zienow zum Verhängnis. Er wurde von einem Unbekannten wegen er Kritik am Nazi-Regime angezeigt und 1943 verhaftet. Es wurden keine belastenden Unterlagen oder anderes Material gefunden, das man gegen ihn hätte verwenden können. Einige Wochen wurde Zienow in der Haftanstalt Klingelpütz verhört. Dort waren die Inhaftierten zur Arbeit verpflichtet. Die Männer beseitigten in so genannten Außenkommandos Bomben und retteten Verschüttete. Nach der Zeit im Klingelpütz brachte man Zienow in das Zuchthaus in Siegburg. Von dort wurde er zum Volksgerichtshof nach Berlin gebracht, wo Zienow von dem berüchtigten Richter Dr. Roland Freisler zum Tod verurteilt wurde. „Sie sind zu schade für eine deutsche Kugel. Sie werden verurteilt durch den Strang“, soll Freisler während der Urteilsverkündung gesagt haben. Das Urteil wurde im Zuchthaus Brandenburg-Görden vollstreckt. Zienows Witwe zog mit ihrer Tochter nach dem Zweiten Weltkrieg nach Köln-Weiden. Deshalb wurde Zienows Urne auf dem dortigen Ostfriedhof beigesetzt. „27 Kölner sind in Brandenburg-Görden umgebracht worden“, berichtet Pfarrer Beuscher. „Es reichte schon, einen ausländischen Sender zu hören.“

 

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann