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Statistiken der EKiR: Zahl der Pfarrerinnen steigt, Zahl Studierender geht zurück. Und: Weniger Mitglieder in Gemeinden, aber mehr Menschen im Gottesdienst

Mit der nun fertig gestellten Jahresstatistik „Kirchliches Leben in den Gemeinden 2007“ hat der Statistische Dienst im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland Ende 2009 auch die Statistik des Pfarrdienstes zum 1. Oktober 2008 vorgelegt:

Nur wenig offene Pfarrstellen
In der Evangelischen Kirche im Rheinland gibt es demnach 1.985 Pfarrstellen, von denen 1.866 besetzt waren (Stand: 1.10.2008). Davon werden 99 „geteilte“ Pfarrstellen (fünf Prozent) jeweils von zwei Pfarrern oder Pfarrerinnen, darunter 78 Pfarr-Ehepaare, je zur Hälfte gemeinsam versorgt. Außerdem sind in der Gesamtzahl 307 Teilstellen enthalten, die überwiegend einen Umfang von 50 oder 75 Prozent haben. Gegenwärtig stehen 2.413 Theologen und Theologinnen im Dienstverhältnis zur Evangelischen Kirche im Rheinland, davon sind insgesamt 2.119 im unmittelbaren pfarramtlichen Dienst eingesetzt. Von ihnen sind 32,7 Prozent Frauen (im Vorjahr waren es 32,3 Prozent).

Frauenanteil im Pfarrdienst steigt
Der Anteil der Frauen verschiebt sich kontinuierlich zu ihren Gunsten: 1994 lag er erst bei 21 Prozent, 1989 bei 14 Prozent). Weitere Steigerungen des Frauenanteils im Pfarramt sind zu erwarten: Zurzeit sind im Probedienst 49 Prozent Frauen. Im Vikariat mit 58 Prozent und unter den Studierenden der Theologie mit ebenfalls 58 Prozent sind die Frauen in der Mehrheit. Unter den jüngeren Jahrgängen der Pfarrer und Pfarrerinnen (einschließlich Probe- und Sonderdienst) ist diese seit längerem zu beobachtende Entwicklung ebenfalls erkennbar: Der Frauenanteil der 40-Jährigen liegt bei 43,5 Prozent, der 35-Jährigen bei 40 Prozent und der 30-Jährigen bei 40 Prozent. Die Gemeindepfarrämter sind zu 27 Prozent mit Frauen besetzt (einschließlich in geteilten Stellen). Insgesamt 299 Frauen sind in Teilzeit beschäftigt (43 Prozent der 692 Pfarrerinnen).

Weniger Theologiestudenten und -studentinnen
Die Zahl der Theologiestudierenden ist weiter zurückgegangen. Am 1. Oktober 2008 waren 154 Studentinnen und Studenten in der Liste der Rheinischen Theologiestudierenden gemeldet, sieben weniger als ein Jahr zuvor.

Weniger Mitglieder in den Gemeinden, aber mehr Menschen in den Gottesdiensten
a) Gemeindemitglieder

Zur Evangelischen Kirche im Rheinland, deren Kirchengebiet sich zwischen Emmerich und Saarbrücken erstreckt, gehören 2.888.700 Gemeindemitglieder (Stichtag 1.1.2008). Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 23,4 Prozent. Der Anteil der Katholikinnen und Katholiken beträgt mit 5,66 Millionen 45,9 Prozent der Bevölkerung in diesem Gebiet.

b) Kircheneintritte
Eingetreten sind im Jahr 2007 insgesamt 7.211 Personen, das waren 8,5 Prozent mehr als vor zehn Jahren (6.644 Personen) bzw. 39 Prozent mehr als 1985 (5.184 Personen). Bei den Eintritten handelt es sich vor allem um Wiederaufnahmen von ehemaligen ausgetretenen Gemeindemitgliedern (3.094 = 43 Prozent sämtlicher Eintritte) und um 2.147 durch Taufe aufgenommene Jugendliche und Erwachsene, da sie zuvor keiner Kirche angehörten (30 Prozent). Aus der römisch-katholischen oder einer anderen christlichen Kirche traten insgesamt 1.970 Erwachsene und Kinder über (27 Prozent).

c) Kirchenaustritte
Mit 13.634 entsprach die Zahl der Kirchenaustritte 2007 der des vorangegangenen Jahres (13.630), nachdem in den Jahren 2004 bis 2006 erhebliche Rückgänge festgestellt worden waren. Damit wurden 2006 und 2007 die seit 1980 wenigsten Austritte in den Gemeinden gezählt. In den Jahren von 1990 bis 2003 traten durchschnittlich 25.000 Personen pro Jahr aus. Zu den Austritten zählen auch die Übertritte zur römisch-katholischen Kirche oder zu anderen Konfessionen. Bei den ausgetretenen Gemeindemitgliedern sind Männer (53 Prozent) etwas häufiger als Frauen (47 Prozent) vertreten.

Mitgliedschaftsentwicklung
Die gesamte Gemeindemitgliederzahl verminderte sich 2007 um 1,1 Prozent. Dieser Rückgang von fast 31.000 erklärt sich nur zum geringeren Teil durch Austritte, die nur noch um 6.423 höher waren als die Eintritte. Wesentlich größeren Anteil hat die allgemeine Bevölkerungsentwicklung in Deutschland. Der Rückgang wird in erster Linie durch die größere Zahl der Verstorbenen gegenüber den getauften Kindern (-19.900 im Jahr 2007) verursacht sowie durch die Relation von Ein- und Austritten (- 6.423 bzw. bzw. 1:2). Vor 2003 lag das Verhältnis zwischen 1:3 und 1:5. Weiterhin verließen im vergangenen Jahr 4.600 mehr Evangelische das Rheinland als hierher zogen, nachdem zuvor mehr Zuwanderungen als Fortzüge aus dem rheinischen Kirchengebiet zu verzeichnen waren.

Taufen
Im Jahr 2007 wurden in den Kirchengemeinden 19.928 Kinder (-1,2 Prozent) und 2.147 Erwachsene (2006: 2.207) getauft. Der Rückgang der Taufen folgt den ebenfalls kleiner werdenden Zahlen der Geburten. Von den getauften Kindern stammen 7.031 (35 Prozent) aus evangelischen und 6.459 (32 Prozent) aus evangelisch/römisch-katholischen Elternhäusern. Von den Kindern waren 7.966, also 40 Prozent, bei ihrer Taufe älter als ein Jahr (2005 betrug die Zahl 32 Prozent), von diesen Kindern wurden 1.203 erst im zeitlichen Zusammenhang mit dem Konfirmandenunterricht oder im Konfirmationsgottesdienst getauft.
Die Verschiebung des Taufalters vom ersten Lebensjahr des Kindes auf einen späteren Zeitpunkt ist eine bereits seit längerem zu beobachtende Tendenz. Im Jahre 1990 wurden von 100 nur 16 Kinder erst nach dem ersten Lebensjahr getauft.

Konfirmationen
Im Jahr 2007 wurden 28.320 Jungen und Mädchen konfirmiert oder im Konfirmationsgottesdienst getauft, das waren zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Diese Zahl entspricht etwa der Zahl der Taufen von Kindern im Jahr 1993 (30.988). Auch hier ist eine parallele Entwicklung zu beobachten, die auf eine gewisse Stabilität im Verhalten der evangelischen Bevölkerung zur Kirche hindeutet.

Trauungen
Gottesdienste anlässlich der Eheschließung feierten im vergangenen Jahr 5.351 Paare (2006: 5.461 Paare). Damit ging die Zahl der kirchlichen Trauungen weiter zurück (-2 Prozent). Mit 2.347 getrauten Paaren (44 Prozent) gehörten die meisten zur evangelischen Kirche, aber bei fast ebenso vielen Paaren gehörte ein Ehepartner oder eine Ehepartnerin zur römisch-katholischen Kirche (2.090 Paare, das bedeutet 39,1 Prozent).

Bestattungen
Insgesamt 33.914 Verstorbene wurden kirchlich bestattet, darunter 32.298 Evangelische – das sind 1,1 Prozent der Gemeindemitglieder. Das waren rund zwei Prozent weniger als im Vorjahr.

Gottesdienste
Die sonntäglichen Gemeindegottesdienste wurden im Jahresdurchschnitt von 90.600 Menschen besucht, das waren wie im Vorjahr 3,1 Prozent (2005: 2,9 Prozent). Die Zusammensetzung des Gottesdienstbesuchs wechselt jedoch von Sonntag zu Sonntag. Somit ist die Zahl der Gemeindemitglieder, die regelmäßig oder gelegentlich Gottesdienste besuchen, erheblich höher.
Aus den Zählungen der Kirchengemeinden geht weiter hervor, dass am Heiligen Abend der Kirchenbesuch wesentlich höher als an „normalen“ Sonntagen ist: An diesem Tag besuchten 813.400 Gemeindemitglieder (27,9 Prozent) die Familiengottesdienste, Christvespern und -metten. Der Kirchgang ist für viele Menschen traditionell fester Bestandteil des Heiligen Abends. Im Jahr 1975 wurde ein wesentlich geringerer Besuch (630.300 Menschen, das sind 17 Prozent) gezählt als heutzutage. Nach den Zählungen in den Gemeinden wurden die Gemeindegottesdienste am ersten Adventssonntag mit 114.800 Personen – das sind 3,9 Prozent – etwas stärker besucht als an normalen Sonntagen.
Generell liegen die Besucherzahlen in ländlichen Gebieten mit traditionellem Kirchgang und wenigen Kirchenaustritten mit 4,0 Prozent nennenswert höher als in den zahlreichen städtischen Gemeinden mit 2,9 Prozent.
Der Besuch der Kindergottesdienste ist mit 17.400 Kindern, das sind 7,7 Prozent – auf die Zahl der Kinder entsprechenden Alters bezogen – erheblich besser als der Besuch der Gottesdienste für „Erwachsene“. Von den rheinischen Kirchengemeinden wurden außerdem 1.396 Kinderkirchentage, Kinderbibeltage oder -wochen gemeldet, die von 48.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern insgesamt besucht wurden.

Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Das gemeindliche Leben mit seinen zahlreichen Angeboten wäre nicht denkbar ohne ehrenamtliche Tätigkeit der Gemeindemitglieder. Im Jahr 2007 waren rund mit 116.000 Menschen vier Prozent der Gemeindeglieder unentgeltlich tätig. Dies sind mehr als die haupt- und nebenamtlich Beschäftigten in der Evangelischen Kirche und ihren diakonischen Einrichtungen (87.400). Von 100 ehrenamtlich Tätigen sind 72 Frauen. Wichtige Bereiche dieser Tätigkeit sind die Arbeit im Presbyterium als Leitungsorgan der Kirchengemeinden (9.100), im Besuchsdienst (10.000) sowie im Kindergottesdienst (6.200), in der Leitung von Gemeindekreisen, in der Jugend- oder Seniorenbetreuung.

Text: EKiR
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