Seniorennetzwerk Höhenhaus: Lebensqualität steigt durch Mittagstisch

Seniorennetzwerk Höhenhaus: Lebensqualität steigt durch Mittagstisch

Was kommt dabei heraus, wenn jemand eine Diplom-Arbeit über „Essen und Trinken im Alter“ schreibt? Im günstigen Fall ein Engagement bei eben jener Altersgruppe. So geschehen bei einer Mitarbeiterin der Antoniter Siedlungsgesellschaft mbH im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region (ASG).



„Mittagstisch – eine starke Sache!“
Gundi Thol, Seniorenberaterin der ASG, hat vor zwei Jahren in Köln-Höhenhaus das Projekt „Mittagstisch – eine starke Sache!“ ins Leben gerufen. Zusammen mit Brunhilde Beth von der Arbeiterwohlfahrt, die von der Stadt Köln als Netzwerkkoordinatorin in Höhenhaus eingesetzt wurde, managt sie den offenen Mittagstisch von Senioren für Senioren des SeniorenNetzwerks Höhenhaus. Zwölf Ehrenamtliche (zehn Frauen und zwei Männer) konnten dafür bisher gewonnen werden. Diese Arbeit ist jetzt von der Bayer Care Foundation, der Sozialstiftung der Bayer AG, ausgezeichnet worden und wird von ihr praktisch unterstützt: Das Bayer-Ehrenamtsprogramm spendete 5.000 Euro für die nötige Anschaffung einer neuen Küche. Um die Stiftungsgelder beworben hatten sich natürlich die Ehrenamtler – unter der Federführung von Helmut Thol, Ehemann von Gundi Thol und einer der beiden ehrenamtlichen Männer des Mittagstischs. Weitere 5.000 Euro kommen noch von der Antoniter Siedlungsgesellschaft hinzu „um diese beispielhafte ehrenamtliche Leistung zu würdigen und zu sichern“, wie Guido Stephan, kaufmännischer Geschäftsführer der ASG, erklärt.

Lebensqualität für Senioren steigt
Jeweils 50 bis 70 Seniorinnen und Senioren nehmen das Mittags-Angebot regelmäßig wahr. Damit fördert das SeniorenNetzwerk Höhenhaus den sozialen Kontakt zwischen älteren und zum Teil alleinstehenden Menschen.“Durch das ehrenamtliche Engagement der Kochgruppe steigt die Lebensqualität für viele Senioren“, betonte Thimo Schmitt-Lord, Vorstand der Bayer-Stiftung, bei der Spendenübergabe am 28. März 2011 im Seniorenhaus der Antoniter Siedlungsgesellschaft. Dort ist das SeniorenNetzwerk Höhenhaus beheimatet. In das Bayer-Ehrenamtsprogramm aufgenommen wurde das Projekt „weil es in vorbildlicher Form für aktive Nachbarschaftshilfe steht“, so Schmitt-Lord.

Postbote ist fester Bestandteil
Seit der Gründung im Jahr 2009 übernehmen die Ehrenamtlichen die gesamte Organisation rund um die Mahlzeiten – vom Einkauf der Lebensmittel über deren Zubereitung bis zum Austeilen des Essens. Einmal im Monat gibt es den Mittagstisch, und zwar an jedem dritten Mittwoch. Am ersten Mittwoch des Monats gibt es in Höhenhaus Veedel-Frühstück. Die beiden offenen Angebote werden außer von den Senioren auch generationsübergreifend von Kindern und Enkelkindern genutzt. Darüber hinaus finden in den Räumen des SeniorenNetzwerks Johannesweg 5c unweit der ASG-Seniorenwohnanlage Handarbeits- und Computerkurse statt. Thol, die in der Anlage ihr Büro hat, übernimmt auch die „Motivationsarbeit“, wie sie sagt. Sie weiß um die Einsamkeit der alten Leute und wie schwer es ihnen fällt, aus eigenem Antrieb ihre Wohnung zu verlassen. „Sie stricken doch gerne Socken, kommen Sie doch mal vorbei“, lockt sie manch eine ältere Dame zum geselligen Beisammensein. Auch der Höhenhauser Postbote ist fester Bestandteil des Mittagstischs. „Der sieht, wenn einer einsam ist, und gibt den Leuten Prospekte und sagt ‚geht mal dahin'“.

Projektsicherung durch die ASG
Die Antoniter Siedlungsgesellschaft stellt Jahr für Jahr 15.000 Euro für die Seniorenarbeit in ihren Häusern der Bezirke Höhenhaus, Ostheim, Gremberg, Höhenberg, Dellbrück (dort gibt es ebenfalls einen Mittagstisch), Ehrenfeld und Widdersdorf zur Verfügung. „So kann ich die Ehrenamtlichen auch mal zum Essen einladen“, sagt die Sozialarbeiterin. Aber vor allem steht der Betrag für Weihnachtsfeier, Sommerfest, Busfahrten und Geburtstage zur Verfügung. Auch Sitzkissen und zwei Trimm-Räder konnte Gundi Thol damit beschaffen. Weitere 23.000 Euro erhält das SeniorenNetzwerk demnächst für die komplette Renovierung des Gemeinschaftsraums von der ASG.

Kleine persönliche, soziale Netzwerke
Die Seniorenberaterin freut sich, dass sich im Rahmen der Netzwerkarbeit viele Menschen gefunden und kennen gelernt haben. Sie verbringen Zeit miteinander und unterstützen sich gegenseitig. Thol: „Durch die Unterstützung von älteren und alleinlebenden Menschen fördern wir somit auch die kleinen persönlichen sozialen Netzwerke“. Das SeniorenNetzwerk Höhenhaus lebt darüber hinaus von der Einbeziehung sozialer Dienste, Einrichtungen und Verbände, der Kirchengemeinden und Vereine. Vorträge zu seniorenrelevanten Themen, Gesundheitsvorsorge und Sportangebote wie Tanzen oder Sitzgymnastik runden die Angebote des Netzwerks ab.

Stiftungsgelder für Männerkochgruppe
Für die Zukunft hat die Seniorenberaterin bereits eine neue Idee. „Wir möchten gern noch eine Männerkochgruppe in unseren Gruppenraum reinkriegen. Es gibt schon einen Koch, der sich ehrenamtlich engagieren möchte. Dafür wollen wir noch einmal Stiftungsgelder beantragen, wieder bei Bayer, weil die so begeistert sind“. Immer zusammen mit Brunhilde Beth: „Zu zweit geht das alles viel besser. Allein wäre das Sisyphusarbeit“, betont Thol.