Ehrenamtliches Team berät, repariert und gibt Kurse in der Evangelischen Begegnungsstätte Bergisch Gladbach



Senioren-Internet-Café hilft rund um PC & Co.

Auch Senioren sind zunehmend online. Oft ist ihr Einstieg in die Internetwelt ein PC oder Smartphone, das sie von Kind oder Enkel geerbt haben. Wie das Gerät funktioniert, ist meist schnell erlernt. Doch wehe, wenn es „spinnt“! Dann ist schnell guter Rat teuer. Zum Glück gibt es in Bergisch Gladbach eine kostengünstige Einrichtung, die Hilfe in der Not bietet: Das Senioren-Internet-Café, ein Angebot der Evangelischen Begegnungsstätte.

„Weil mein Computer verrücktspielt“

Das Angebot ist längst ein Dauerbrenner geworden. Zweimal in der Woche hat das Senioren-Internet-Café in der August-Kierspel-Straße 96 geöffnet: dienstags und freitags von 9 bis 12 Uhr. „Ich bin hier, weil mein Computer vollkommen verrücktspielt. Ich komme da überhaupt nicht mehr rein“, erzählt Anneliese. „Da müssen verschiedene Updates gemacht werden – und das kann ich nicht.“ Die 80-Jährige ist mit 70 in die PC-Welt eingestiegen. Den Laptop bekam sie damals von der Enkelin, als diese sich einen neuen anschaffte.

Lebenshilfe für PC-Nutzer
„Was wir hier machen, ist in erster Linie eine Lebenshilfe für Computernutzer“, sagt Heinz-Günter Gronemeyer. Der 73-jährige Betriebswirt hat früher programmiert und leitet das Senioren-Internet-Café seit über 16 Jahren – ehrenamtlich! Er hatte auf eine Annonce der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach reagiert, die damals das Senioren-Internet-Café einrichten wollte und einen versierten Kopf für das Knowhow suchte.

Auch ein „Handyman“ ist dabei
Mit Heinz-Günter Gronemeyer zog die Gemeinde das große Los. Der Mann, der sich mit PC-Erfinder Conrad Zuse noch persönlich unterhalten hatte („Er sagte mir, der Computer sei ein Produkt seiner Faulheit“), scharte ein kundiges Team aus vier weiteren Ehrenamtlichen um sich. Gemeinsam bieten sie Hilfe für Verzweifelte und Interessierte an – rund um PC und Handy. Auf letzteres ist Rainer, 70, spezialisiert. Der Informatiker stieß vor fünf Jahren zum PC-Team. „Man nennt mich auch den Handyman“, sagt er grinsend, „weil ich den Leuten hier bei ihren Problemen mit dem Smartphone helfe.“

Tüfteln hält geistig fit
„Mein Blechotto tat es nicht mehr“, berichtet Norbert, der sich als „80plus“ bezeichnet und vor seinem Laptop sitzt. „Jetzt weiß ich: Er ist voller Viren und jetzt werden die Viren beseitigt.“ Der Check im Senioren-Internet-Café, die sachkundige Beratung und Hilfe haben ihn beeindruckt. „Ich werde weiter regelmäßig kommen, um geistig etwas fit zu bleiben.“ Werner, 66, kann das verstehen. Er gehört seit sechs Jahren zum Ehrenamtler-Team genau aus diesem Grunde. Er habe „nach der Pensionierung wieder eine sinnvolle Beschäftigung“ gesucht, die ihn auch geistig fordere. Das Tüfteln an den Computern ist für den Rentner, der beruflich mit Programmieren und Technik zu tun hatte, eine ideale Sache. Er gilt inzwischen als „unser Mann für hoffnungslose Fälle“.

Von Online-Shopping bis Virenschutz
Die findige Crew des Senioren-Internet-Cafés sorgt für Updates, installiert Mail-Adressen, löscht Viren, erklärt Online-Shopping oder Bildbearbeitung. „Wir erklären den Leuten auch, wie eine Festplatte funktioniert“, sagt Heinz-Günter Gronemeyer, wobei er sogleich zu einem ausrangierten Demo-Objekt greift, das einen Blick ins Innere ermöglicht. Wer den empfindlichen Schreiblesekopf einmal gesehen hat, versteht, warum Stöße für einen PC das Aus bedeuten können. Auch im aktuellen Thema Passwort-Schutz ist der Bergisch Gladbacher versiert. Nachdem der Nachbarsjunge sich aus Spaß mal in Gronemeyers Computer gehackt hatte, rüstete der Rentner auf und predigt seither sichere Passwörter. Ist dem Jungen nochmal ein Hack-Erfolg gelungen? Heinz-Günter Gronemeyer grinst: „Jetzt nicht mehr!“

Kurse zu speziellen Themen
Auch Kurse werden zu verschiedenen PC- und Handy-Themen im Senioren-Internet-Café angeboten. Der nächste Kurs startet am Freitag, 1. Februar zum Thema „Windows einstellen und konfigurieren“. Am Freitag, 1. März, gibt es dann einen „Smartphone-Tablet-Kurs (Android)“. Am Freitag, 5. April, steht der Umgang mit E-Mails auf dem Programm, beispielsweise geht es um das Einrichten des E-Mail-Clients und der E-Mail-Konten sowie um das Verwalten der virtuellen Post.

Kleine Reparaturen für kleines Geld
Und wenn ein PC mal kaputt ist, Herr Gronemeyer? Kein Problem! „Wir machen auch kleinere Reparaturen, neue Festplatte einsetzen oder so ähnliche Dinge“, sagt er ganz entspannt. So etwas komme häufiger vor. Das ist übrigens eine kostengünstige Sache: Für Wartungsarbeiten müssen Hilfesuchende nur 5 Euro pro Gerät zahlen. „Natürlich kann jeder gerne etwas mehr geben“, sagt der Teamleiter schmunzelnd, der nur ein paar Zentimeter von der Kaffeekasse entfernt sitzt.

Der älteste ist 92, aber auch die Jugend ist willkommen
Auch sonst ist das Senioren-Internet-Café eine preiswerte Angelegenheit: Jede angefangene Teilnehmerstunde kostet 1 Euro, jeder Kurs 5 Euro. Das wird rege genutzt. Manche kommen wöchentlich, andere nur in Katastrophenfällen. Der älteste Teilnehmer ist 92 Jahre alt. Demgegenüber ist Heribert mit seinen 65 ein Jungspunt. „Ich komme, um ein Bilderprotokoll zu erstellen“, sagt er. Text und Bilder würden noch nicht ganz zusammenpassen. „Da wird mir hier geholfen.“ Am Ende wird fast immer alles gut. „Unsere technischen Bereiche sind natürlich etwas eingeschränkt, wir können nicht alles hinkriegen“, sagt Heinz-Günter Gronemeyer. „Aber das Meiste haben wir bisher geschafft!“ Und dann ist nicht nur der Betroffene froh, sondern er selbst auch. „Wenn die Menschen unsere Räume verlassen, sollen sie das Gefühl haben: Gut dass ich hier war!“ Und das gilt übrigens nicht nur für Senioren!

Senioren-Internet-Café: Evangelische Begegnungsstätte Bergisch Gladbach, August-Kierspel-Straße 96, dienstags und freitags 9 bis 12 Uhr

Infos: www.heilig-geist-kirche.de/einrichtungen/ev-begegnungsstatte/

Text: Ute Glaser
Foto(s): Ute Glaser