Sackgassen – gibt es nicht! – Helfen ist angesagt!

„Sackgasse – also ich finde das ein geniales Schild“, das sagt Pfarrer Hans Mörtter aus der Lutherkirche in der Kölner Südstadt. Doch dabei bleibt der Theologe nicht stehen – für ihn ist klar: „In Wirklichkeit gibt es gar keine Sackgassen!“ Das behauptet er und weiß, dass es doch eine Ausnahme gibt. Für Mörtter ist das der „Neoliberalismus“ mit seiner Selbstbezogenheit in der Ich-Gesellschaft.

Doch es gibt Menschen, die empfinden ihre Situation in den heutigen Tagen so, als wären sie in einer Sackgasse. Aus diesem Grund haben der Pfarrer und viele Freiwillige aus seiner Gemeinde viele Seniorinnen und Senioren in seinem Gemeindebezirk angerufen. „Viele von denen sind gut organisiert oder teilweise auch schon von den Nachbarn und Nachbarinnen versorgt“, stellt Mörtter fest. Anderen konnte Hilfe vermittelt werden. Doch am meisten begeistert den Pfarrer die Lebenseinstellung vieler alter Menschen. „Die sind fitter, als wir denken. Das hängt für mich auch damit zusammen, dass viele von unseren alten Menschen Kriegskinder sind. Die haben Krieg erlebt, die haben Flucht erlebt, die haben die Bombenangriffe auf Köln und andere Städte erlebt. Die sind einfach relaxter.“

Doch auch einer anderen Gruppe in den Kölner Veedeln sollte nach Mörtters Meinung ebenfalls geholfen werden. „Was ist mit den kleinen Geschäften? Die gehen nämlich gerade massenweise baden. Die stürzen in schwerste existenzielle Krisen. Was ist mit unseren Theatern, was ist mit den Kinos, was ist mit all denen, die die Qualität und das Lebenswerte unseres Stadtteils ausmachen?“ fragt er und weiß, dass viele der Betreiber auch das Gefühl haben, dass sie in einer Sackgasse stehen. „Helfen, helfen, helfen“, ruft Pfarrer Mörtter den Menschen zu. „Das heißt ganz oft auch, okay wir übernehmen eine Patenschaft für einen Laden, zwei Läden, für das Theater.“ Aus seiner Sicht sind diese Einrichtungen ebenfalls wichtig für unser Zusammenleben, egal ob in der Stadt oder auf dem Land.

Einfach nur Klopapier, Spaghetti oder Pasta horten ist für Mörtter zu wenig. „Nie wieder werden wir Pasta essen in Zukunft, wenn wir so viel horten müssen“, steht für ihn fest. Doch es gibt etwas viel besseres: „Sich nämlich um andere zu kümmern, also die Nachbarschaftshilfe, die finde ich genial!“

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Hier der gesamte Text des Videos zum Nachlesen:

Sackgasse – also ich finde das ein geniales Schild. Wobei in Wirklichkeit gibt es gar keine Sackgassen, sag ich einfach mal.

Außer vielleicht die eine Sackgasse, dieser Neoliberalismus. Das war immer mein: Wo kriegen wir was am günstigsten, wo kriegen wir es am billigsten, wo ist der Flug auf die Malediven am günstigsten?  Wie komme ich am besten weg und so weiter, also diese Ich-Gesellschaft. Das war eine Sackgasse, das merken wir alle ganz deutlich und vor allem das, was anderen sogar Spaß macht. Sich nämlich um andere zu kümmern. Also die Nachbarschaftshilfe finde ich genial. Die so einen Selbstautomatismus hat. Zu gucken, wo sind die, die wirklich jetzt Hilfe brauchen, und das dann wirklich in der Nachbarschaft auch tun.

Wir haben es versucht mit unseren Senioren in der Gemeinde, die telefonieren wir gerade alle ab. Das sind verdammt viele von denen wir die Telefonnummer haben und stellen völlig überrascht fest: Die sind unglaublich fit. Viele von denen sind gut organisiert oder teilweise auch schon von den Nachbarn und Nachbarinnen versorgt. Die sind fitter als wir denken. Also das ist für mich: Wow, Irre! Aber das hängt für mich auch damit zusammen, dass viele von unseren alten Menschen, Kriegskinder sind. Die haben Krieg erlebt, die haben Flucht erlebt, die haben die Bombenangriffe auf Köln und andere Städte erlebt. Die sind einfach relaxter, stelle ich fest.

Während die einen von uns in Panik ausbrechen: Oh Gott, oh Gott, morgen geht die Welt unter und jetzt muss ich eine Millionen Klopapierrollen horten oder was auch immer. Ich brauche Dosensuppen, die bis ins nächste Jahrtausend reichen und Spaghetti, Spaghetti, Spaghetti, Pasta, Pasta, Pasta. Und alles, was dazu passt bis zum Umfallen. Oh Gott, oh Gott, nie wieder werden wir Pasta essen in Zukunft, wenn wir so viel horten müssen. Also die Alten sagen einfach: Och, es ist doch zu essen da und zur Not machen wir Kartoffeln mit Zwiebeln, das geht auch, so einfach ist das alles. Entspannt euch, lasst euch keine Panik machen.

Aber vor allem ist für mich ganz wichtig daran: Was ist mit den kleinen Geschäften? Die gehen nämlich gerade massenweise baden. Die stürzen in schwerste existenzielle Krisen. Was ist mit unseren Theatern, was ist mit den Kinos, was ist mit all denen, die die Qualität und das Lebenswerte unserer Stadtteile ausmachen. Also, helfen, helfen, helfen. Und das heißt ganz oft auch, ok wir übernehmen Patenschaft für ein Laden, zwei Läden, für das Theater, für Fortuna Köln zum Beispiel auch, der nicht der FC Köln ist und nicht auf Geld gebettet ist. Wir kaufen zum Beispiel virtuelle Tickets. Gerade bei Fortuna läuft grade ein virtuelles Spiel. Oder wir kaufen ein virtuelles Ticket für Theater und Kinos, die wir natürlich nicht benutzen werden. Das unsere Kulturleute eine Chance haben, selbstständige Geschäftsleute eine Chance haben, ihre Läden wieder aufzumachen, ihre Theater, ihre Kinos und das das Leben anders und neu weiter geht, wenn diese Scheiße endlich vorbei ist. Zusammen packen wir das und das ist einfach, das ist einfach geil. Dieses zusammen. Ok, bis zum nächsten Mal. Tschau.