Pfarrer Hanser Brandt-v.Bülow, Vorsitzender des Partnerschaftskreises, bereitet mit Kerstin Ley und Andrea Fischer (von links) die Reise der beiden Erzieherinnen in die reformierte christliche Partnergemeinde Greja Kristen Jawi Wetan in Ostjawa vor. Ziel ist es, von den Bildungsangeboten vor Ort zu lernen: „Was bedeutet evangelisches Leben in einem muslimischen Land?“



Reise nach Indonesien: „Schauen uns gegenseitig beim Leben zu“

„Eine arrangierte, aber gut funktionierende Ehe“ ist die Partnerschaft des Kirchenkreises Köln-Nord mit der Gemeinde Greja Kristen Jawi Wetan (GKJW) in Indonesien laut Pfarrer Hanser Brandt-von Bülow, dem Vorsitzenden des Partnerschaftskreises. Gemeinsam mit den KiTa-Leiterinnen Kerstin Ley und Andrea Fischer bereitet er deren Reise nach Ostjawa vor. Start ist am 20. Juli.

Eine arrangierte, aber gut funktionierende Ehe

„Wir wollten eine internationale Partnerschaft eingehen und sind gezielt mit der GKJW zusammengebracht worden, einer Gemeinde mit sozial-diakonischem Profil“, erklärt Pfarrer Brandt-von Bülow die Entstehung der Kooperation. In weiten Teilen Indonesiens werden Christen unterdrückt und sehen sich einer zunehmend stärker werdenden Front gegenüber. Die GKJW ist jedoch gut mit den liberalen Strömungen des Landes vernetzt und fokussiert sich auf die Belange der Menschen um sie herum. „Die GKJW ist eine reformierte Kirche, die hellwach die Zeichen der Zeit erkennt und sich aktiv in gesellschaftliche Prozesse einbringt“, weiß Brandt-von Bülow aus den Jahren der Zusammenarbeit. Themen vor Ort sind beispielsweise Aids-Prävention, der Aufbau von Säuglingsstationen und Geburtshäusern sowie aktuell die Vermeidung von Plastikmüll.

Es geht um interreligiösen Austausch, darum, voneinander zu lernen und zu profitieren – auf Augenhöhe. Kindererziehung ist dabei ein wichtiges Thema. Kerstin Ley und Andrea Fischer, beide Leiterinnen von Einrichtungen in Trägerschaft des Kindertagesstättenverbandes Köln-Nord, haben sich für die geplante zweiwöchige Reise nach Ostjawa beworben. „Wie findet Bildung dort statt, welchen Stellenwert hat sie innerhalb der Familien?“ und „Wie ist es vor allem für die Kinder, in einem muslimisch geprägten Land als Christen erzogen zu werden?“ sind die wichtigsten Fragen, die sie antreiben. „Im Prinzip schauen wir uns gegenseitig beim Leben zu“, fasst Hanser Brandt-v.Bülow das Konzept des gemeinsamen Austauschs zusammen. „Wir bringen jedenfalls keine Ratschläge mit!“

Wir bringen keine Ratschläge mit

Für Kerstin Ley aus der Kindertagesstätte Gustav-Nachtigal-Straße Köln-Nippes und Andrea Fischer von der Evangelischen Kindertagesstätte Görlinger-Zentrum in Bocklemünd ist das die erste Reise nach Indonesien. Über Impfungen und Auffrischung der Englisch-Kenntnisse gibt es eine Menge vorzubereiten. Sich im Vorfeld zu viele Informationen anzulesen oder zu erfragen, vermeiden sie aber absichtlich. „Wir möchten ohne vorgefasste Erwartungen ankommen, offen sein und schauen, wie die Dinge vor Ort wirklich liegen“, erklärt Kerstin Ley. Andrea Fischers pädagogischer Schwerpunkt liegt schon lange auf den Herausforderungen, die der Kontakt verschiedener Nationalitäten und Religionen mit sich bringt: „Mehr über das Menschen- und Selbstbild der evangelischen Familien dort zu erfahren reizt mich“, sagt sie.

„Das Paradies liegt auch nicht in Köln“

Am Ende sollen beide Partner von der internationalen Verbindung profitieren und Erkenntnisse für ihre Arbeit mit nach Hause nehmen – im Dialog und ohne Überlegenheitshaltung einer Seite. „Unsere gegenseitigen Besuche sind ergebnisoffen“, ist Pfarrer Brandt-von Bülow wichtig, hervorzuheben. Das bedeutet auch, ein realistischeres und unverklärtes Bild von der jeweils anderen Welt zu bekommen. „Pfarrer Budi Cahyono war 2017 bei uns zu Gast“, erzählt er. „Es war ein erlebnisreicher, sehr positiver Besuch, den Pfarrer Cahyono abschloss mit der Erkenntnis: ,Das Paradies liegt auch nicht in Köln.‘ Genau darum geht es. Das Partnerland wirklich kennenzulernen, nicht zu idealisieren.“

Text: Claudia Keller
Foto(s): Claudia Keller