„Rastplatz-Zeit“ in der evangelischen Petrikirche in Köln-Niehl. Ein offenes Angebot an jedem dritten Samstag im Monat.



„Rastplatz-Zeit“ in der evangelischen Petrikirche in Köln-Niehl. Ein offenes Angebot an jedem dritten Samstag im Monat.

„Seien Sie herzlich willkommen. Gehen Sie gerne umher und lassen Sie den Raum auf sich wirken“, begrüßte Pfarrerin Frederike Fischer am Portal der Petrikirche die nach und nach sich einstellenden Besucherinnen und Besucher. Diese zog es zu einer besonderen Veranstaltung ins evangelische Gotteshaus in Köln-Niehl. Seit Juni bieten dort die beiden Evangelischen Kirchengemeinden Köln-Niehl und Köln-Riehl, die auf dem Weg zu ihrer beabsichtigten Fusion seit Sommer 2019 offiziell kooperieren, an jedem dritten Samstag im Monat von 18 bis 19.30 Uhr ein offenes Format an.

Format „Rastplatz”

Es ist ein meditatives Format zu wechselnden Themen mit Musik und kleinen spirituellen Impulsen. „Rastplatz“ nennt es Friederike Fischer. Auf die Pfarrerin der Riehler Gemeinde geht dieses in Corona-Zeiten geborene Angebot zurück: „Jede und jeder ist eingeladen vorbeizukommen, zu verweilen und aufzutanken. Zum Abschied empfangen die Gäste auf Wunsch den Segen.“

„Zurzeit ist alles anders. Auch wenn wir seit Kurzem wieder Gottesdienste feiern dürfen, sind diese anders“, stellte Fischer fest. „Doch aus der Situation wollen wir etwas Positives machen und neue Wege gehen.“ So habe sie mit „Rastplatz“ eine neue Gottesdienstform vorgeschlagen. Beide Presbyterien sowie die beiden Pfarrer Friedemann Knizia (Niehl) und Uwe Rescheleit (Riehl) seien von der Idee sofort angetan gewesen. Bereits die von Rescheleit gestaltete „Rastplatz“-Premiere im Juni führte gut 25 Besucherinnen und Besucher in die Petrikirche.

Fundament des Lebens: Taufe

Knapp dreißig Gäste zählte Fischer bei der von ihr verantworteten zweiten Auflage im Juli. Diese widmete sich thematisch der Taufe. Dem Versprechen, der Kraft und Ruhe, die von ihr ausgehen, spürten die Besuchenden in sechs gestalteten Bereichen auf verschiedene Weise nach. Sie sannen über an die Wand projizierte und ausgelegte kurze biblische wie erläuternde Texte nach. Sie ließen sich nahe eines Wasserbehältnisses auf Bodenkissen nieder: „In der Taufe ist alles weggewaschen. So können wir vorbringen, wo wir gescheitert sind, was unerfüllt geblieben ist, was unser Herz schwer macht und es wird wieder und wieder weggewaschen.“

Auch setzten sich die Gäste im Kerzenschein an den Taufstein, aus dessen Becken ein blaues Tuch auf den Kirchenboden „floss“, und dachten über ihr ganz persönliches Getauft-Sein nach. Mit jeder Taufe werde „ein Fundament für das ganze Leben gelegt“, hieß es im Impulstext. Eine weitere Annäherung an das Thema ermöglichte der Blick in eine illuminierte Raumecke. Dort „blies“ ein Ventilator unaufhörlich ungezählte Seifenblasen höher und höher: „In der Taufe macht Gott sich sichtbar, spürbar, hörbar. Das, was wir sonst oft nicht sehen können, wird im Wasser der Taufe offensichtlich: Gott ist da und er verspricht uns, uns auf unseren Wegen zu begleiten. Er umschließt uns in der Taufe mit seinem Segen, wie die Seife die Luft.“

Musik

Berührende musikalische Interpretationen boten die Sängerin Adrienne Morgan Hammond und ihr Mann Marco am Keyboard und Saxophon. Über nahezu neunzig Minuten erfüllten die in Wuppertal ansässigen Musiker mit Stimme und/oder Instrument den roten Backsteinbau. Dabei knüpften sie einen „Klangteppich“, der sich am Thema, an den Inhalten des Abends orientierte. „Wir haben Lieder mit Bezug zur Taufe gewählt. Lieder, die sich um das Thema Wasser drehen und das Gehen von Wegen, von neuen Pfaden“, erläuterte die gebürtige Kalifornierin Adrienne Morgan Hammond.

In einer inspirierenden Mischung aus Spirituals, Kirchenliedern, Jazz- und Pop-Stücken erklangen neben vertrauteren Perlen wie „Deep river“, Curtis Mayfields´ Song „People get ready“ und „Long and winding road” von den Beatles weniger bekannte wie Cindy Laupers „I´ll be your river“. Wenn Adrienne Morgan Hammond singe, „spricht ihre Seele“, schrieb ein Kritiker. Davon konnten sich ebenso die Zuhörenden in der Petrikirche gefangen nehmen lassen. Sie erlebten musikalische Darbietungen, die die jeweils liedprägende Ruhe, die Tiefe, die Freude, die Sorge, die Nachdenklichkeit, aber auch die Zuversicht sehr einfühlsam wiedergaben.

Kirchraum

„Wir möchten mit unserem offenen Angebot auch den Kirchraum stärker ins Bewusstsein bringen“, betonte Fischer. „Wir wollen schauen, wie man ihn unterschiedlich nutzen und fühlen kann.“ Bewusst habe man sich statt für einen Sonntagstermin für den in der Regel ruhigeren Vorabend entschieden. Damit verbinde man die Hoffnung, auch andere Menschen als die sonntäglichen Kirchgänger anzusprechen. „Wir erleben eine sehr positive Resonanz auf unser Angebot, dessen Vorbereitung und Durchführung Mitglieder der Presbyterien unterstützen“, zeigte sich die Pfarrerin erfreut und dankbar. „Wir hoffen, dass das Angebot wächst und bekannter wird.“ Die Besuchenden selbst müssten sich herantasten. „Sie sind eingeladen, sich frei im Kirchraum zu bewegen. Das muss man lernen.“

„Eine wunderbare Stimmung“, schwärmten einige beim Verlassen der Kirche. „Es ist ein sehr schönes Angebot zu einer guten, einer passenden Zeit“, konkretisierte eine der Besucherinnen. „Man kommt mit anderen Gedanken zur Kirche als an einem Sonntagvormittag.“ Sie habe das liebevolle Arrangement der unterschiedlichen Bereiche sehr genossen und dass man auch abgeschiedenen, auf sich selbst konzentriert habe sitzen können.

Fortsetzung

Fortgesetzt werde das monatliche „Rastplatz“-Angebot in der Petrikirche zunächst bis einschließlich November, kündigte Fischer an. Anschließend werde man den Projektverlauf bewerten und entscheiden, wie man fortfahre. Die nächste Veranstaltung in der Reihe findet am Samstag, 15. August, von 18 bis 19 Uhr statt. Angekündigt sind Texte und Musik, die zu einer Auseinandersetzung mit den Erfahrungen von Liebe und Verlust, Distanz und Nähe anregen sollen. Die Schauspielerin Katharina Schmalenberg und die MusikerInnen Joanna Becker, Vincent Royer und Stephan Böhnlein interpretieren Gedichte etwa von Bertold Brecht und Hermann Hesse sowie Werke von Bach, Koechlin und Rameau.

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich