„Quantensprung“ vor 25 Jahren: Die Kreuzkirche Stommeln veränderte das Gemeindeleben der Evangelischen in Pulheim-Stommeln

„Quantensprung“ vor 25 Jahren: Die Kreuzkirche Stommeln veränderte das Gemeindeleben der Evangelischen in Pulheim-Stommeln

Eine grundlegende Veränderung erfuhr vor 25 Jahren das Gemeindeleben der Evangelischen in Pulheim-Stommeln. Anfangs hatten sie in Privathäusern, nach dem Zweiten Weltkrieg in der katholischen Grundschule, ab 1960 im katholischen Jugendheim, seit 1970 in einem Pavillon, respektive in der katholischen Kirche Alt St. Martin Gottesdienst gehalten. Seit dem 27. Februar 1983 steht ihnen ein modernes Gemeindezentrum mit Kirchsaal zur Verfügung. „Quantensprung“ nennt Volker Meiling den damaligen Einschnitt. Zwar kam Meiling erst im Juni 1999 als Pfarrer an die Kreuzkirche in Stommeln. Doch die Zeit der räumlichen Einschränkungen und sonstigen Entbehrungen der dortigen Protestantinnen und Protestanten bis zur Einweihung ihres Gemeindezentrums (Paul-Schneider-Straße 2/ Ecke Auf der Höhe) kennt er aus detaillierten Schilderungen der Älteren.

Die räumlichen Nöte sind beendet
„Nun ist das neue Haus fertig und möchte seine Türen öffnen, um Menschen einzuladen, es zu bewohnen und mit Leben zu erfüllen“, schrieb der damalige Pfarrer Christoph Loh in der Einweihungs-Festschrift. Laut dem darin formulierten Grußwort der drei Ortspresbyterinnen sollte die neue Einrichtung „zu einem wirklichen Mittelpunkt unserer Gemeinde werden“. Mit dem heutigen Tag seien die räumlichen Nöte beendet, stellten Edith Dettke, Annelotte Grünbaum und Christie Ikier fest. „Wir dürfen das neue Gemeindezentrum – unsere Kirche – beziehen. Die Freude darüber ist unbeschreiblich.“

Gemeindeglieder und Gäste feierten
Vor wenigen Tagen, am Vorabend von Pfingsten, feierten die Protestanten in Stommeln, Ingendorf und Stommeler Busch das 25-jährige Bestehen ihres Gemeindezentrums. Vom eigentlichen Februartermin war man auf den wärmeren Frühlingstag ausgewichen. Nach einem Abendgottesdienst trafen sich rund 100 Gemeindeglieder und Gäste innerhalb des Gebäudes und auf der dazu gehörenden Grünfläche zu einem „Rustikalen Abendbrot“. „Wir feiern nicht so groß. 25 Jahre sind eben keine 50 Jahre“, informiert Meiling. Aber man wolle zumindest den hohen, ungebrochenen Wert des Gemeindezentrums für die hiesigen Evangelischen verdeutlichen. „Was heute als selbstverständlich angenommen wird, ist von zahlreichen Menschen damals hart erarbeitet worden.“ Entsprechend gab es eine Gesprächsrunde, in der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen die Verhältnisse vor 1983 und die Anfänge im Neubau schilderten.

Volker Meiling, seit Juni 1999 Pfarrer der evangelischen Kreuzkirche Stommeln.
(Foto: privat)

Kirchliches Niemandsland zu Anfang des 20. Jahrhunderts
Protestantinnen und Protestanten sind in Stommeln erst seit 1937 bekannt. Damals lag der Ort zwischen den Kirchenkreisen Köln und Mönchengladbach. Keiner der beiden hielt sich zuständig für die seelsorgerische Betreuung der protestantischen Familien im „kirchlichen Niemandsland“. Um sie kümmerten sich zunächst Pfarrer in Ehrenfeld und Riehl. Nach dem Krieg betreute Pfarrer Hundt von der benachbarten Kirchengemeinde Grevenbroich die durch Flüchtlinge gewachsene Stommelner Gemeinde mit. Aber erst Mitte der 50er Jahre wurde die Zugehörigkeit zu Grevenbroich offiziell. Kurze Zeit später kam Stommeln mit der Teilung der Kirchengemeinde Grevenbroich 1957 zur neuen Gemeinde Rommerskirchen. Zum 1. Januar 1973 wurde Stommeln in die Evangelische Kirchengemeinde Bickendorf umgemeindet. Die Besetzung der Pfarrstelle in Stommeln mit Pfarrer Christoph Loh ist datiert auf den 15. April 1974. 1987 wurde Stommeln mit den Orten Ingendorf, Pulheim, Sinnersdorf und Stommeler Busch aus Bickendorf ausgepfarrt. Sie bilden seitdem die selbständige, in drei Bezirke gegliederte Evangelische Kirchengemeinde Pulheim. Die Kreuzkirche ist die Gottesdienststätte des rund 2000 Mitglieder zählenden Bezirks Stommeln, Ingendorf und Stommeler Busch.

Entwurf stammt von Karl Lothar Dietzsch
Der Entwurf des in den Hang gebauten Gemeindezentrums stammt von Karl Lothar Dietzsch. Der Architekt hatte bereits den 1976 eingeweihten evangelischen Kindergarten auf der nördlichen, tiefer gelegenen Grundstücksfläche geplant. Das aus zwei Baukörpern gebildete Gemeindezentrum verfügt über folgende Raumordnung: Auf der nördlichen Seite des glasbedachten Mittelgangs, der als Foyer dient und zuletzt um einen Wintergarten ergänzt wurde, befinden sich der Kirchsaal mit 65 Plätzen und der mit ihm zu verbindende Gemeindesaal. Beide zusammen fassen maximal 200 Personen. Unterhalb bestehen zudem Souterrainräume. Südlich des Mittelgangs liegen Büro- und Abstellräume sowie die Küche.

Unbebaute Fläche dient heute als Außenfläche
Mehr als eine Randbemerkung ist dieses: Die beiden seit 1983 als Gemeindezentrum genutzten Baukörper waren ursprünglich gedacht als erste von weiteren Bauabschnitten. Mit seinem Tageslicht gespeisten Mittelgang sollte das „Torgebäude“ als Zugang zu einem östlich anschließenden größeren Kirchbau dienen. Dieser wurde jedoch aus strukturellen, insbesondere finanziellen Gründen nie ausgeführt. Ebenso wenig ein Mitarbeiterhaus. Die dafür vorgesehene Fläche ist unbebaut geblieben und dient seitdem als häufig genutzte Außenfläche der Einrichtung.

Gemeindefest am 17. und 18. Mai
An der Kreuzkirche habe sich die Arbeit mit Kindern und jungen Familien zu einem Schwerpunkt entwickelt, charakterisiert Meiling. Genutzt werden die Räume unter anderem von Senioren- und Bibelkreisen, von Frauen-, Jugend- und Krabbelgruppen. Alle drei Jahre findet auf dem Gelände des Zentrums mit seiner großen Grünanlage das stets ökumenisch durchgeführte Gemeindefest statt. Die nächste, 13. Auflage des gemeinsamen Gemeindefestes folgt in wenigen Tagen am 17. und 18. Mai auf dem Großen Kreuzhof im Zentrum von Stommeln.

Kinderbibelwoche ein gut besuchtes „Highlight“
Zu den besonderen Veranstaltungen im Gemeindezentrum gehört die jährlich, ebenfalls ökumenisch durchgeführte Kinderbibelwoche mit rund 160 Teilnehmenden. Meiling weist ebenso auf die „Familienkirche“ hin. So nennen sich die gemeinsamen Gottesdienste für Kinder, Konfirmanden und Erwachsene, die seit 2007 ein Mal monatlich anstelle des regulären Sonntagsgottesdienstes angeboten werden. Die „Familienkirche“ ist so gestaltet, dass die Kinder, Konfirmanden und Erwachsene den Gottesdienst gemeinsam beginnen und nach einer Aufteilung in die drei Altersgruppen am Ende wieder zusammen kommen. Dadurch sollen sich die Kinder und Jugendlichen besser angesprochen fühlen. Aber auch die Predigt für die Erwachsenen ist nicht in eine konventionelle Form gekleidet. Vielmehr werden (theologische) Inhalte etwa in Gesprächen und über Bilder vermittelt.