Präses Rekowski trifft evangelische Unternehmer in der Antoniterkirche



Präses Rekowski trifft evangelische Unternehmer in der Antoniterkirche

Der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (AEU) ist ein bundesweiter Zusammenschluss evangelischer Unternehmerinnen und Unternehmer mit rund 600 Mitgliedern. Regionale Arbeitsgruppen laden mehrmals im Jahr zu einem gemeinsamen Empfang an unterschiedlichen Orten ein. Zum Jahresempfang der regionalen Arbeitsgruppen in Düsseldorf, Köln-Bonn-Leverkusen und Ruhr trafen sich in diesem Jahr rund 130 Menschen in der Kölner Antoniterkirche.

Evangelisches Schaufenster
Das Treffen begann mit einem festlichen Abendmahlsgottesdienst. Die Liturgie gestalteten Citykirchen-Pfarrer Markus Herzberg und Pfarrer Wolfgang Jacobs, der als theologischer Berater bei der regionalen AEU-Gruppe mitarbeitet. Markus Herzberg stellte die Antoniterkirche als eine einladende evangelische „Schaufensterkirche“ vor, in der Gottesdienste unterschiedlicher Prägung – reformiert, uniert oder lutherisch – gefeiert würden. Dadurch erhalte die Antoniterkirche „ihr protestantisches Profil“. Ein besonderer Gast war auch der neu gewählte Präses Manfred Rekowski, der im Gottesdienst predigte und zum Thema „Führen und Leiten“ sprach.

Klartext reden und Menschen direkt ansprechen
Rekowski orientierte sich am Bekenntnis des Petrus in Johannes 6, Verse 60 bis 69. Jesus liefen die Anhänger davon und er fragte die verbliebenen Zwölf, warum sie denn bleiben wollten. „Weil du die Worte des ewigen Lebens hast“, antwortete ihm Simon Petrus. Rekowski berichtete von seinen Erfahrungen als Superintendent in Wuppertal und davon, dass er als neuer Präses in Interviews ständig nach den schwindenden Mitgliederzahlen der evangelischen Kirche befragt würde. Manchmal fühle er sich wie der Repräsentant eines Konkursunternehmens. Solle Kirche jetzt den Druck erhöhen, würden weitere Strategie- und Leitbild-Diskusssionen wirklich helfen? Nicht unbedingt, meinte der Präses. Das Evangelium sei auch dann noch relevant, wenn die Mitglieder weniger würden. In der Komplexität einer globalen Welt suchten viele Menschen nach einer wirkungsvollen und nachvollziehbaren Werteordnung. Jesus habe Klartext geredet und Profil gezeigt, und damit die Menschen unmittelbar angesprochen. Für den heutigen Zustand der evangelischen Kirche könne es eine Herausforderung sein, auch als Minderheit zu agieren, und Worten „bewegte Taten“ folgen zu lassen.

Klares Profil für die evangelische Kirche
Sich klar zu positionieren und sreitbarer zu werden, sei eine der Herausforderungen der heutigen Kirche, betonte Dr. Peter F. Barrenstein in seiner Ansprache auf dem anschließenden Empfang des AEU im Gemeindesaal der Antoniterkirche. Barrenstein ist Vorsitzender des Arbeitskreises und arbeitete fast 30 Jahre lang für die Unternehmensberatung McKinsey. Seit 5 Jahren engagiert er sich – seit seinem Weggang von McKinsey – in zwei Schwerpunktfeldern: in kirchlichen Gremien und in Aufsichtsräten der privaten Wirtschaft. Sein Wunsch an Leitende: „Die Potenziale, die da sind, die Leistungspotenziale und die Begeisterungspotenziale bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Kirche systematischer zu fördern“. Viele Führungsentwicklungs-Syteme der Wirtschaft funktionierten in der Kirche nicht. „Zum Teil gibt es die gar nicht“. Ende letzten Jahres wurde Barrenstein zum „Beauftragten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland für das Thema Führen und Leiten innerhalb der EKD“ berufen.

„Ehrliche Geschäfte“ durch christliche Unternehmer
Das Mitglieder-Spektrum im Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer ist breit gefächert, das geht von der verarbeitenden Industrie über Dienstleistungsunternehmen bis hin zu Banken und Versicherungen, von Großunternehmen bis zu kleinen mittelständischen Unternehmen. Auch Vorstände von diakonischen Einrichtungen sind mit dabei.
Wahrhaftigkeit, Fairness, Klarheit, Verbindlichkeit, Demut, Respekt – diese Leitbegriffe finden sich auf der Homepage des AEU. Grundsätzlich seien das genau die Ansprüche, „die wir an das Unternehmertum setzen“, erklärte Norman Krayer, Sprecher des fünfköpfigen Leitungskreises der Regionalgruppe Köln/Bonn/Leverkusen. „Man kann es im Prinzip noch ein bisschen kleiner machen, indem man sagt: Es geht um den ehrbaren Kaufmann, der im Kontakt mit seinen Geschäftspartnern den anderen nicht über den Tisch zieht. Eine Drückerkolonne wäre zum Beispiel nichts, was sich mit unseren Zielen vereinbaren lässt“. Er forderte „ehrliche Geschäfte“ und faire Preisen. Barrenstein erwartet außerdem von einem christlichen Unternehmer, dass er über sein Handeln noch stärker reflektiert als andere Unternehmer, „noch mehr versucht, sowohl die Kunden- als auch die Mitarbeiterseite zu verstehen, wenn es um kritische und schwierige Entscheidungen geht“. Das gelte vor allem im Extremfall „Entlassungen“.

AEU: Brückenbauer zwischen Kirche und Wirtschaft
Mitte der 60er Jahre wurde der Arbeitskreis evangelischer Unternehmer gegründet. Bis heute versteht er sich als Brückenbauer zwischen Wirtschaft und Kirche. Nicht zuletzt soll so auch die Möglichkeit gefördert werden, sich gegenseitig wahrzunehmen. Barrenstein betont: „Wir möchten gern, dass die Theologinnen und Theologen verstehen, welchen Beitrag engagierte Wirtschaftsleute für diese Gesellschaftsordnung bringen, aber auch umgekehrt wollen wir der Wirtschaft klar machen, welche Rolle Kirche und Glaube in unserer Gesellschaft spielt“. Das scheint in den vergangenen Jahren gut gelungen zu sein, denn mittlerweile ist der AEU weit vernetzt, viele Mitglieder sind in kirchlichen Gremien aktiv, in Synoden, in Leitungskreisen, auf der Kirchenvorstandsebene. Das habe auch dazu geführt, dass Kirche Wirtschaft in bestimmten Bereichen als kompetent wahrnehme, beispielsweise bei Strategieprozessen, so Barrenstein. Erfreut zeigte er sich darüber, dass es in dem AEU viele engagierte Manager gebe, die bereit seien, als „Testimonials“ zu agieren, sich vor anderen als Christin oder Christ zu bekennen. „Das hilft uns schon sehr, das hat es so früher in dem Maße nicht gegeben, und wir glauben, dass wir da auf einem guten Weg sind“.

Blauköpp in Köln
Volkswirt Norman Krayer ist selbstständiger Personalberater und Sprecher des Leitungskreises der Regionalgruppe Köln/Bonn/Leverkusen. Sein Wohnort ist Engelskirchen, seine Gemeinde die Antoniterkirche. Er hat sich umgemeinden lassen, weil er sich hier „liturgisch ausgesprochen wohl“ fühlt. Auch der Arbeitskreis hat einen Sitz an der Antoniterkirche. An jedem ersten Mittwoch im Monat treffen sich Mitglieder und Interessierte beim „Jour fixe“ zu Tischgesprächen. Die Treffen beginnen jeweils nach der 10-Minuten-Andacht in der Antoniterkirche. Im Café „Stanton“ wird dann gegessen und diskutiert, und den Abschluss bildet die Komplet ab 20 Uhr. Rund 50 Mitglieder hat die Regionalgruppe, fünf davon sind Frauen. Die Themen der Gespräche sind breit gefächert. „Es sind tagesaktuelle Probleme, denen wir uns stellen, und auch schon mal politische“, erläuterte Krayer. Es gelte, interessante Themen für die Mitglieder zu suchen, mit denen sich eine Diskussion gut anstoßen ließe. Grundsätzlich seien alle Interessierten eingeladen, jeder sei herzlich willkommen. Dann betonte er noch die Bedeutung des AEU für Köln: „Wenn Sie die Geschichte der ‚Blauköpp‘ anschauen, dann werden Sie feststellen, dass alles das, was mit Industrialisierung zu tun hat, evangelisch war. Alle Zuckerbarone waren evangelisch, alles, was sich im Bankenwesen abgespielt hat“. Der Kölner Wohlstand der Neuzeit habe sich auf ein „evangelisches Fundament“ gegründet.

Zukunftswünsche und Visionen
Der Vorsitzende des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer, Dr. Peter F. Barrenstein, wünschte sich, dass sein Verein auch weiterhin wie bisher im kirchlichen Umfeld akzeptiert werde und „dass es uns gelingt, die Bedeutung von christlichem, evangelischen Glauben so bedeutend und so attraktiv zu machen, dass es für möglichst viele Menschen relevant ist“. Der Sprecher des Trägerkreises der Kölner Regionalgruppe, Norman Krayer, wünschte sich einen spannenden Diskurs: „Wir haben häufig andere Vorstellungen als unsere Landeskirche, gerade im sozialpolitischen Bereich gibt es unterschiedliche Meinungen. Diese gehören ausgefochten und das muss auf Augenhöhe geschehen. So wie die Gewerkschaften sich mit den Kirchen in vielen Fragen treffen, so möchten wir auch deutlich machen, was unsere Ansprüche sind, was wir benötigen, um den Wohlstand auch für andere mit zu erwirtschaften.“

Nächstes Treffen
Der nächste „Jour fixe“ der Regionalgruppe Köln/Bonn/Leverkusen findet am Mittwoch, 8. Mai 2013, ab 18.15 Uhr im Café Stanton statt.

Text: Jutta Hölscher
Foto(s): Jutta Hölscher