Positives Fazit nach dem jüdischen Klutur-Festival „Ssukhat Schalom“ auf dem Gelände der Melanchthon-Akademie

Positives Fazit nach dem jüdischen Klutur-Festival „Ssukhat Schalom“ auf dem Gelände der Melanchthon-Akademie

Brian Michaels ist mehr als zufrieden. Das Vorstandsmitglied der jüdischen liberalen Gemeinde Köln Gescher LaMassoret. e.V. zog ein überaus positives Fazit des jüdischen Kultur-Festivals „Ssukhat Schalom“, das auf dem Gelände der Melanchthon-Akademie und in der Kartäuserkirche gefeiert wurde. Zwei Tage lang trafen sich die Gäste unter freiem Himmel, in der Kirche und in einem Zelt im Garten der Akademie, „mit dem wir eine Laubhütte nachahmen möchten“, so Studienleiterin Dorothee Schaper. „Wir haben jüdische Musik, Film, Theater, Performance, Literatur, Humor und viele Ebenen der kritischen Reflexion über die Realität unserer jüdischen Welt heute präsentiert“, fasste Michaels zusammen.

Das Kultur-Festival war Teil des Festjahr-Programms „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Der Verein „321–2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.“ hatte es organisiert. „Und wir haben den Ort zur Verfügung gestellt“, erklärte Schaper, wofür sich Michaels ausdrücklich bedankte. Der Vorstand von Gescher LaMassoret e.V. kann sich eine Wiederholung des Festivals gut vorstellen. Dann zwar in kleinerem Rahmen, „weil das ja alles viel Geld kostet“, so Michaels, aber „sehr gerne wieder mit der Melanchthon-Akademie und Pfarrer Mathias Bonhoeffer von der Kartäuserkirche“.

Auf dem Programm standen so unterschiedliche Punkte wie jüdische Lyrik aus Europa und den USA aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, die eigens für das Festival vertont worden war und der Dokumentar-Film „Die Goldberg-Bedingung“. Aber auch der Lubitsch-Film „Sein oder Nichtsein“ aus dem Jahr 1942, der seine Fans spät in der Nacht in die Kartäuserkirche lockte. Der in Deutschland geborene Regisseur inszenierte damals in den USA eine Komödie mit Elementen von Thriller und schwarzem Humor, die heute als Klassiker gilt. Moderne jiddische Lyrik stand im Mittelpunkt beim Auftritt von Claudia Brinker und Efrat Gal-Ed in der stilisierten Laubhütte.

Eine poetische Aufführung für Kinder und Erwachsene fand ebenso Anklang wie der jüdische Humor. Junge und alte Mitglieder von Gescher LaMassoret e.V. demonstrierten mit Lachgarantie, wie man einen jüdischen Witz erzählt. Kostprobe? „Was ist der Unterschied zwischen einer italienischen und einer jüdischen Mutter? Die italienische Mama sagt, wenn du nicht alles auf deinem Teller aufisst, bringe ich dich um! Die jüdische Mame sagt, wenn du nicht alles auf deinem Teller aufisst, bringe ich mich um!“ Mit jiddischen Liedern und Instrumentalmusik aus Renaissance und Barock klang das Festival aus. „Ich bin begeistert von dem hohen Niveau der Künstler“, resümierte Michaels. Auch die Auftretenden hätten Gefallen daran gefunden, wie sie wahrgenommen worden seien.

Der Name der von Gescher LaMassoret bedeutet „Brücke zur Tradition“. „Obwohl wir ein modernes Judentum leben wollen, ist uns die jüdische Überlieferungsliteratur sehr wichtig – zum Beispiel die Tora, die weiteren Teile der jüdischen Bibel und der Talmud. Jüdische Tradition und am Puls der Zeit sein: Für uns passt das hervorragend zusammen“, erzählt Michaels. 1996 hat sich die liberale jüdische Gemeinde Köln gegründet. Dort beten Frauen und Männer gemeinsam. Eine Rabbinerin leitet regelmäßig die Gottesdienste. Man legt Wert auf Gleichberechtigung der Geschlechter im Gottesdienst und will ein modernes, zeitgemäßes Judentum leben. Man pflegt ein positives Verhältnis zur Lesben, Schwulen und Transgendern. Außerdem legt die Gemeinde großen Wert auf den Dialog mit anderen Religionen, insbesondere mit Christen und Christinnen sowie Musliminnen und Muslimen.

Die Gottesdienste sind leicht verständlich. Liberale Jüdinnen und Juden beten und sprechen zahlreiche Text in der jeweiligen Landessprache, in Köln also auf Deutsch. Die Tora lesen sie im Original mit Übersetzung. Regelmäßige Gottesdienste am Freitagabend und am Samstagmorgen sind zum Mittelpunkt des religiösen Lebens der Gemeinde geworden, so wie der Kiddusch und das gemeinsame Essen im Anschluss an jeden Gottesdienst Mittelpunkt des gesellschaftlichen Miteinanders in der Gemeinde sind.

Seit 2014 ist Natalia Verzhbovska Rabbinerin der liberalen Gemeinde. Sie lebt in Köln und kümmert sich neben der Kölner Synagoge auch um diejenigen in Unna und Oberhausen. Zur orthodox geprägten Synagogengemeinde an der Roonstraße pflegen die Liberalen ein entspanntes Verhältnis, weiß Brian Michaels. Man hat sogar schon über einen Eintritt der Liberalen in die Synagogengemeinde gesprochen. „Selbstverständlich unter Wahrung unserer liberalen Identität.“ Man werde sehen, ob sich daraus etwas ergebe.

 

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann