„Liebt Eure Feinde“ - Sybille Noack-Mündemann bei ihrer ersten Predigt.



Pfarrerin in Dellbrück-Holweide eingeführt – Sybille Noack-Mündemann besetzt vakante Stelle

Endlich hat die evangelische Gemeinde Dellbrück-Holweide wieder eine Pfarrerin. Nach langer Vakanz ist die Stelle seit dem 1. November mit Sybille Noack-Mündemann besetzt. In einem Gottesdienst mit Chor und Bläsern wurde sie von Superintendentin Andrea Vogel offiziell in ihr Amt eingeführt. Damit endet gleichzeitig der Vertretungsdienst von Pfarrer Felix Schikora, den die Gemeinde eine Woche zuvor mit einem Gottesdienst verabschiedete. Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt.

Mit der Begrüßung vieler Gäste, darunter die Familie der neuen Pfarrerin, startete der Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Dellbrück-Holweide. Auch aus der katholischen Nachbargemeinde waren einige Gläubige dabei. Mit einem Eingangswort aus Psalm 85 startete der Gottesdienst, nachdem alle Beteiligten Platz genommen hatten.

Das Thema Schuld und Vergebung zog sich durch den gesamten Gottesdienst. „Lass uns nicht sprachlos werden in dieser Zeit, lass uns nicht mutlos werden in dieser Zeit, lass uns nicht handlungsunfähig werden in dieser Zeit“, waren die Eingangsworte. Bevor die Superintendentin ans Mikrofon trat, sprach die Gemeinde das Glaubensbekenntnis und der Chor sang „Ubi Caritas er Amor“ von Audrey Snyder.

Superintendentin Andrea Vogel freut sich auf den gemeinsamen Weg

Zunächst verlas Andrea Vogel die Ernennungsurkunde, die Sybille Noack-Mündemann bereits zum Amtsantritt am 1. November erhalten hatte. „Wir erinnern aus diesem Anlass an das gegebene Versprechen, wir erbitten Gottes Segen und erwarten, dass Sie Ihr Amt entsprechend der Kirchenordnung und der Rechtsvorschriften erfüllen.“ Andrea Vogel dankte der Gemeinde und allen Beteiligten, dass die lange Vakanzzeit so gut überbrückt wurde. Sybille Noack-Mündemann bringe aus einer 20-jährigen Tätigkeit als Pfarrerin „auf der anderen Seite des Rheines“ reichlich Erfahrungen mit nach Holweide.

Jede Gemeinde sei anders, es gebe Unterschiede in Fähigkeiten und Arbeitsfeldern, ,,doch derselbe Gott bewirkt alles in gleicher Weise. Man muss sich kennenlernen, hier ist zum ersten Mal eine Pfarrerin, es kommt ein neuer Mensch hinzu, man muss Türen öffnen, man muss sich aufeinander einlassen und miteinander die Gemeinde gestalten. Ich wünsche Ihnen, dass sie mit Neugierde und kritischen Wegbegleitern ausloten, welchen Weg Sie gehen wollen.“ Auf eine weitere Besonderheit wies die Superintendentin hin: „Die Pfarrstelle ist eine 50-Prozent-Stelle, es wird nicht einfach, das abzugrenzen.“

Feierliche Amtseinführung durch Superintendentin und Presbyterium

Jetzt war der formale Akt der Einführung an der Reihe. Andrea Vogel fragte die neue Pfarrerin, ob sie das neue Amt annehmen möchte. Ein klares „Ja“ war die Antwort. Anschließend wurde die Gemeinde gefragt, auch hier kam ein deutliches „Ja“. „Da kann man nur gratulieren“, freute sich Andrea Vogel und umarmte die neue Pfarrerin.

Anschließend gratulierte jedes Mitglied des Presbyteriums mit einer persönlichen Stelle aus verschiedenen Psalmen. Alle erbaten ausdrücklich Gottes Segen für die kommende Amtszeit. Mit den Worten „Der Herr wird sie nicht fallen lassen. Steht Ihr bei und betet für sie“ war der Akt der Amtseinführung beendet. Mit einem gelungenen Kanongesang wurde zur ersten Predigt der neuen Pfarrerin übergeleitet.

Erste Predigt: „Liebt eure Feinde“

„Das ist harte Kost“, begann Sybille Noack-Mündemann ihre Predigt. Was ist ein Feind? „Nicht der mit einer anderen Meinung, auch nicht der, der immer Streit sucht. Es ist jemand, der nicht bereit ist, sein gegenüber mit Gnade anzuschauen. Dieser Mensch sieht kein Gegenüber, er sieht nur einen Gegner.“ Und da kommt Christus ins Spiel: „Genau diesen Feind wollen wir als Christen lieben.“

Sybille Noack-Mündemann stellte in Anspielung auf das dritte Reich fest, dass das Gedankengut der Feinde der Freiheit von damals wieder populär sei. Genauso würden anders denkende Menschen als Feinde angesehen. „Wer uns auf die eine Backe haut, den hauen wir nicht zurück, sondern halten die andere hin. Die Rache, auf die Backe des anderen zurück zu hauen, bringt kurzfristige Befriedigung, aber keinen Frieden.“

Doch die Pfarrerin ist Realistin, sie weiß, wie schwer das vielen Menschen fällt. „Was sagen Menschen, deren Heimat durch Krieg und Terror zerstört wurde? Wie liest sich das für Angehörige von Menschen, deren Verwandte Terroropfer wurden? Was hat sich Jesus mit diesem Satz gedacht?“ Die Antwort findet sie beim Theologen Dietrich Bonhoeffer, der selber in einem Konzentrationslager der Nazis ermordet wurde. „Christliche Liebe ist das Gesetz Gottes, sie ist nicht die Liebe, die wir alle kennen. Sie geht über die eigenen Bedürfnisse hinaus.“

Als Christ müsse man zeigen, dass man es anders machen kann als diejenigen, welche die Würde des Menschen den eigenen Bedürfnissen unterordnen. „Feinde sind auch Menschen, Feindesliebe kann ein Weg heraus aus dem gegenseitigen Hass sein.“ Auch die Schlimmsten hätten ein Recht auf menschenwürdige Behandlung. Das sei eine hohe kulturelle Errungenschaft. „Christen und Kirche müssen Vorurteile und Feindbilder überprüfen. Wir müssen solidarisch sein mit denen, deren Würde und Freiheit bedroht ist. Wir müssen Zeichen setzen, uns mit den vermeintlichen Feinden an einen Tisch setzen.“ Allerdings müsse man auch Grenzen aufzeigen, man müsse auch gegen die vermeintlichen Feinde klar Position beziehen. „Das, was Christus will, ist der Weg in eine bessere Welt. Mit Gott sind Frieden zwischen Menschen und der Fall von Mauern möglich.“

Mit einem Dank zur Feier ins Pfarrheim

Ein besonderer Dank galt den Sängerinnen und Sängern von „Coro con Spitito“ und VoiveTABS“, den Bläsern von „Heilix Blechle“ sowie Mechthild Brand an der Orgel, die gemeinsam den Gottesdienst gestaltet hatten. Im Pfarrheim warteten Kaffee und Kuchen und die Gelegenheit zu vielen Gesprächen mit der neuen Pfarrerin.

Text: Dr. Klemens Surmann
Foto(s): Dr. Klemens Surmann