You are currently viewing Ordination von Anja Holtkamp-Umbach, einer Frau mit vielen Talenten

Ordination von Anja Holtkamp-Umbach, einer Frau mit vielen Talenten

„Es kribbelt immer mehr“, sagte Anja Holtkamp-Umbach noch wenige Tage vor ihrem Ordinationsgottesdienst. Aufregung und Vorfreude mischten sich im Vorfeld dieses ganz besonderen Ereignisses. Vergangenen Sonntag nun wurde sie von Superintendent Markus Zimmermann in der Christuskirche in Frechen-Königsdorf zum Dienst an Wort und Sakrament berufen. Die Diakonin ist jetzt für die Evangelische Christusgemeinde Brauweiler-Königsdorf ein Gewinn mit vielen Talenten.

Die Gemeindeglieder, zumindest die in Königsdorf, kennen die gebürtige Ostwestfälin schon gut: Seit 2003 arbeitete sie hier in der offenen Kinder- und Jugendarbeit und leitete bis 2013 das Jugendzentrum „kömp!“. Daneben half sie auch im Konfirmandenunterricht und bei Gottesdiensten mit. Im Laufe der Zeit verstärkte sich jedoch der Wunsch, für die ganze Gemeinde da sein zu wollen und dies gab den Anstoß zu ihrer Prädikantenausbildung. Als Prädikantin darf sie Gottesdienste leiten und Sakramente spenden, ohne zuvor ein theologisches Hochschulstudium absolviert haben zu müssen.

„Wir wollen eine einladende Kirchengemeinde schaffen“
Mit dem Auftrag „Gemeindearbeit mit pastoralen Aufgaben“ arbeitet Diakonin Anja Holtkamp-Umbach seit dem 1. März eng mit der örtlichen Pfarrerin zusammen, in der noch jungen Christusgemeinde: „Ich empfinde die Entwicklung der neu fusionierten Gemeinde als großes Geschenk. Am Haus der Gemeinde mitzubauen ist eine große Freude. Es gibt so viele tolle Menschen mit so vielen Gaben, mit denen wir eine einladende Kirchengemeinde schaffen wollen!“

Eine Frau, drei Ausbildungen
Von Anfang an geplant war diese kirchliche Laufbahn nicht: Geboren und aufgewachsen in Enger, machte sie zunächst eine Lehre als Bürogehilfin, die Arbeit in der Kirchengemeinde lief als Ehrenamt nebenher. 1988 entschied sich Holtkamp-Umbach jedoch, hauptberuflich in den kirchlichen Dienst zu treten und absolvierte im theologisch-pädagogischen Seminar „Malche“ in Porta-Westfalica die Ausbildung zur Diakonin, an die sich eine Erzieherausbildung in Bielefeld-Bethel anschloss. Ihre erste Stelle als Gemeindediakonin führte sie dann 1993 ins Rheinland. An ihrem neuen Arbeitsplatz lief es jedoch alles andere als optimal, die Diakonin spricht von einer Krise – auch für ihren persönlichen Glauben. Doch, „Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein?“ (1. Mose 18,14) Dies wurde zu ihrem Lebensmotto.

Gott durch seine Schöpfung erleben
Ihren Weg aus der Krise fand sie bei den Dominikanerinnen von Bethanien im Bethanien-Kinderdorf in Schwalmtal-Waldniel. Als Heimerzieherin war sie sechs Jahre lang in der katholischen Einrichtung tätig, fühlte sich dort „pudelwohl“ und hat spätestens seitdem „ein Herz für die Ökumene“, wie sie sagt. Der Wunsch nach Veränderung ließ jedoch nicht locker und führte sie schließlich als Jugendleiterin nach Königsdorf.

Qualitätsmanagerin und Fachauditorin
Nebenberuflich hat sie immer wieder Fort- und Weiterbildungen absolviert. So ist sie Qualitätsmanagerin und Fachauditorin im Sozial- und Gesundheitswesen (KA) und NLP-Trainerin (Neuro-Linguistisches Programmieren). In den letzten Jahren kam noch eine Weiterbildung als Wildnis-Pädagogin hinzu. Dieses Wissen und die entsprechenden Fertig- und Fähigkeiten will die Diakonin auch künftig in die Gemeindearbeit integrieren: „Wild wird’s da, wo wir unseren bequemen und gewohnten Bereich verlassen. Die Erfahrung in der Natur verhilft zu innerer Ruhe, hilft Ängste abzubauen, öffnet auch neue Erfahrungsräume für Gott und kann uns einen neuen Zugang zum Schöpfergott ermöglichen.“ Mit ihrer langjährigen Lebenspartnerin und den beiden Kindern wohnt Anja Holtkamp-Umbach in Elsdorf und hat nach wie vor Lust auf Neues.

Engagement in Salbungs- und Heilungsgottesdiensten
Seit 2007 engagiert sich die Diakonin im übergemeindlichen Team für Salbungs- und Heilungsgottesdienste, das zwei dieser außergewöhnlichen Gottesdienste pro Jahr durchführt. „Einerseits kann ein körperlich spürbarer Segen, die Salbung mit duftendem Öl, uns bei der inneren Heilung unterstützen“, berichtet Holtkamp-Umbach, „aber wir möchten auch dahin kommen, Gott etwas zuzutrauen in unserem Leben – dass wir nichts für unmöglich halten“.

Predigttext von der Heilung des Taubstummen
Zu ihrer spirituellen Orientierung passt der Predigttext von der Heilung des Taubstummen (Markus 7, 31-37), den sie für ihren Ordinationsgottesdienst ausgewählt hat. Wie wichtig ihr die Möglichkeiten göttlicher Heilung und Tröstung sind, merkt man schnell. Auf die Frage, was ihr am neuen Amt am meisten gefalle, kommt eine überraschende Antwort: Beerdigungen. Hakt man nach, versteht man schnell, wie das gemeint ist. „In dieser seelsorglichen Situation entsteht eine ganz große Nähe zu den Menschen. Man lernt auch die vielen Lebensgeschichten der Verstorbenen kennen. Das Leben eines Menschen zu würdigen, es vor Gott zu bringen und SEINEN Trost an die Hinterbliebenen weiterzugeben ist eine sehr verantwortungsvolle, spannende und auch sehr berührende Aufgabe.“

Text: Kristina Pott
Foto(s): Privat