Stadtdechant Msgr. Robert Kleine und Stadtsuperintendent Rolf Domning erläuterten zum Thema „ökumenischer Tanz“ die Frage: „Wer führt?“



„Oh Mensch, lerne tanzen“ – oder einfach: kirche.tanzt

Mit diesem Erfolg hatten sogar die größten Optimisten unter den Veranstaltern nicht gerechnet. 600 Leute waren zur Premiere von „Kirche tanzt“ in das Erzbischöfliche Berufskolleg Köln an der Berrenrather Straße gekommen. „Wir hatten gehofft, 450 Karten im Vorverkauf absetzen zu können“, beschrieb Dr. Ernst-Albert Cramer, Mitglied des Katholikenausschusses für die Stadt, die Erwartungen im Vorfeld. Und für das Motto auf dem Flyer hatte man niemand Geringeren als den Kirchenvater Augustinus gewonnen: „Oh Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen!“ Das wollten die Veranstalter von „Kirche tanzt“ natürlich nicht riskieren. Drei Bands hatten der Evangelische Kirchenverband Köln und Region, das Erzbistum Köln, der Katholikenausschuss in der Stadt Köln, der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Köln, das Erzbischöfliche Berufskolleg und der DJK Sportverband im Erzbistum Köln engagiert. Musik von Kölsch-Rock bis zu Standardtanz-Musik boten „Heavens Gate“, „Endachsfleech“ und „Samson Kidane“, sodass wirklich jede und jeder auf seine Kosten kam.

Armin Beuscher, Pfarrer in Lindenthal und Beauftragter für Kirche und Sport im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region, freute sich über die besondere Atmosphäre des Ortes: „Das Berufskolleg ist eine wunderbare Location. Dazu noch die zum Tanzen ermutigende Musik. Hier stimmt alles.“ Übrigens auch die Preise. Der Eintritt kostete inklusive Buffet 15 Euro,  das Kölsch gab‘s für 1,25 Euro. Volker Lemken, Geschäftsführer des DJK Köln, freute sich über die „Begegnung von Menschen aus beiden großen christlichen Kirchen, die sich sonst nie treffen“. Er erinnerte, dass es bereits Veranstaltungsreihen mit sportlichen Elementen unter dem Dach der Kirchen gibt wie beispielsweise „Kirche kickt“ und „Kirche läuft“. Hannelore Bartscherer, die ehemalige Vorsitzende des Katholikenausschusses, freute sich ganz besonders über die Veranstaltung. „Das ist ja ein bisschen auch mein Baby“, erzählte sie lächelnd über die dreijährige Vorbereitungszeit: „Wir bewegen uns“, und das könne man durchaus auch im übertragenen Sinn verstehen. „Wir sind hier Kirche zweckfrei, einfach so, weil es Spaß macht. Und die Verantwortung auf katholischer Seite hat die Hauptabteilung Seelsorge. So soll es sein.“ Kein Halten mehr gab es bei dem Flash-Mob-Auftritt von Tänzerinnen und Tänzern der Tanzschule Stallnig-Nierhaus. Bei der Choreographie aus dem Film „Saturday Night Feaver“ waren alle Gäste beteiligt.

Die Schirmherrschaft über den Tanzabend hatten Stadtsuperintendent Rolf Domning und Stadtdechant Monsignore Robert Kleine übernommen. Die lieferten sich einen launigen Dialog zum Thema ökumenischer Tanz und die Frage, wer führt. Aus dem eigentlichen Tanzgeschehen hielten sich aber beide lieber heraus. Domning verwies auf eine „erfolgreiche Hüft-OP vor kurzem“, und Kleine hatte ganz allgemein „Rücken“. Zu Kirche tanzt sagte Stadtsuperintendent Rolf Domning:  „Für mich ist Tanz ein Ausdruck des Lebens, der Gemeinschaft. Ein Ausdruck unserer Fröhlichkeit und tiefer Dank für unser Leben. Ich bin davon überzeugt: Wir würden als Menschen noch näher zusammenrücken, wenn wir öfter zusammen tanzten. Ökumenisch. Interreligiös.“ Auch Msgr. Robert Kleine hatte einige Parallelen zwischen dem Tanzen und dem kirchlichen Wirken entdeckt: „Wir wissen, wie schnell man aus dem Takt gerät. Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt liegen nun einmal dicht beieinander. Unsere Pfarrer, unsere Ehrenamtlichen beweisen viel Taktgefühl,  wenn sie Menschen begleiten. Sie beherrschen den ausgelassenen und ergreifenden Tango genauso wie den festlichen Walzer im Dreivierteltakt. Sie können Discofox, Foxtrott und Square  Dance. Sie üben sich klassisch und modern.“ „Wir hüten uns, ums goldene Kalb zu tanzen. Und manch einem Mächtigen und Despoten tanzen wir auf der Nase herum“, ergänzte Domning und fuhr fort: „Wir sind alles andere als subs-tanz-los.“ Er forderte die Anwesenden zu einem Freudentanz auf. Davon wollte sich der Stadtdechant nicht „dis-tanz-ieren“. Und auch Kleine konnte wie Domning der Veranstaltung nur Gutes abgewinnen: „So freue ich mich von Herzen zu „Kirche tanzt“ einladen zu dürfen – zu einem Ereignis, das die Freude ganz unbeschwert im Tanz zum Ausdruck kommen lässt. Wir brauchen solche Erlebnisse unbeschwerter Freude und Gemeinschaft, die uns stärken, die Freude des Evangeliums im Alltag mit seinen Höhen und Tiefen zu leben. Daher: Kirche tanz!“

Der „Bergische Jung“, Diakon Willibert Pauels, der auch ein Grußwort sprach, war von dem Auftritt des Stadtsuperintendenten und des Stadtdechanten völlig begeistert: „Colonia-Duett reloaded!!“ Mehr geht in Köln eigentlich nicht.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann