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Die Stele am vergangenen Wochenende auf dem Heinrich-Böll-Platz in Köln

Offener Brief an Oberbürgermeisterin Henriette Reker

In einem Offenen Brief bitten die Leitung der Melanchthon-Akademie und Stadtsuperintendent Rolf Domning, Evangelischer Kirchenverband Köln und Region und Mitglied des Rates der Religionen, Oberbürgermeisterin Henriette Reker, dass die Stadt Köln möglichst schnell und unbürokratisch eine Lösung findet, dem Gedenkmal „Dieser Schmerz trifft uns alle“ einen prominenten und anerkannten Platz in der Stadt zu geben.

„Wir möchten die Stadt Köln ermutigen, den Impuls der Initiative ‚Völkermord erinnern‘ positiv aufzunehmen und baldmöglichst zusammen mit den Initiatoren nach einem angemessenen öffentlichen Ort für das Denkmal zu suchen“, sagt Pfarrer Rolf Domning, Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. Die spontane Aktion am vergangenen Sonntag war nach Angaben der Stadt nicht genehmigt, aber der Aufstellungsort war aus Sicht von Dr. Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie, präzise gewählt. „Der Ort in Sichtweite zum Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm II., einer der schlimmsten Antisemiten, der im Deutschen Reich mitverantwortlich für den Völkermord am armenischen Volk und anderer kolonialer Verbrechen war, und in großer Nähe zu der Installation des israelischen Künstlers Dani Karavan ‚Ma’alot‘, die seit 1986 auf subtile Weise an den Holocaust erinnert und Erinnerungsräume zwischen Dom und Deutzer Bahnhof berührt, das war aus meiner Sicht der richtige Standort“, sagt Dr. Martin Bock.

Das Denkmal schafft nach seiner Ansicht auf berührende Weise das, was einer der Initiatoren, Schriftsteller Dogan Akhanli, einen „transnationalen Erinnerungsraum“ nennt. „Es verbindet Menschen, die im 20. Jahrhundert durch kriegerisches, durch ‚nationalistisch‘ geprägtes Verbrechen Leid erfahren haben. Über dieses Leid gibt es keine Deutungshoheiten, sondern es bedarf der Würdigung, Anerkennung und der gesellschaftlichen und politischen Empathie. Einen solchen Anstoß brauchen wir in Köln genau dort, wo die Verkehrswege sich kreuzen, Menschen unterschiedlichster Herkunft und Religion aufeinander treffen – als Bürgerinnen und Bürger, als Touristen, als Lernende“, so Dr. Martin Bock weiter.

Mit dem Offenen Brief unterstützen die Melanchthon-Akademie und der Kölner Stadtsuperintendent Rolf Domning den Wunsch der Initiatoren, das Denkmal nicht einfach abzubauen, sondern das öffentliche Interesse zu erhalten. „Bevor die Stele in ein Depot käme, bieten wir an, auf dem grünen Außengelände der Melanchthon-Akademie ein kurzfristiges ‚Kirchen-Asyl‘ für das Denkmal zu schaffen. Diese Idee schließt an unser Bildungsprogramm an, das sich ja regelmäßig dem Thema ‚Erinnern‘ widmet“, bietet der Leiter der Akademie den Initiatoren und der Stadt Köln spontan seine Hilfe an. Dennoch sollte seiner Ansicht nach der langfristige Aufstellungsort der Stele im Herzen der Stadt an geeigneter Stelle im öffentlichen Raum sein.

Text: APK
Foto(s): Schaper