Ökumenischer Hospizdienst im Kölner Westen

Ökumenischer Hospizdienst im Kölner Westen

Den Menschen in seiner Einmaligkeit, Würde, Lebensgeschichte und gegenwärtigen Situation wahrnehmen und begleiten – das ist das Anliegen der Mitarbeiter des Ökumenischen Hospizdienstes im Kölner Westen.

1998 aus einer Initiative der Bürgerinnen und Bürger heraus von den Mitgliedern der evangelischen und katholischen Gemeinden gegründet, wurde der Dienst 2001 zum eingetragenen Verein. Er betreut heute Menschen in den Kölner Stadtteilen Bickendorf mit Westend, Bocklemünd, Ehrenfeld, Mengenich, Ossendorf mit Ossendorfpark und Vogelsang. Im Ökumenischen Hospizdienst engagieren sich 40 Frauen und Männer unterschiedlicher Nationalität und Konfession, die sich der Hospizidee verpflichtet fühlen und ebenso unterschiedliche Menschen zu Hause oder in den umliegenden Senioreneinrichtungen begleiten. Koordiniert wird diese Arbeit durch Birgitta Lepke-Lehmann, die auch beratend tätig ist und Pflegedienste oder Haushaltshilfen vermittelt.

Diakoniespende

Der Ökumenische Hospizdienst im Kölner Westen ist wie viele andere Hospizdienste in seiner Arbeit und der Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf Spenden angewiesen. Er ist daher einer von sechs Hospizdiensten, die in diesem Jahr mit der Diakoniespende des Evangelischen Kirchenkreises unterstützt werden. Damit die Spenden verstärkt werden, verdoppelt der Evangelische Kirchenverband Köln und Region jeden gespendeten Cent bis zu einem Gesamtspendenaufkommen von 100.000 Euro. Hier können Sie direkt spenden.

Eine der Unterstützerinnen der diesjährigen Diakoniespende ist die Kölner Fernsehmoderatorin Barbara Eligmann. Sie berichtet, dass dem Thema Sterben und Tod lange Jahre zu wenig Beachtung geschenkt worden sei. „Durch die Pandemie verändert sich unser Blick da gerade etwas“, hat sie festgestellt. Sie selbst kam auf tragische Weise im familiären Umkreis mit dem Tod in Berührung: „Als mein Bruder unerwartet starb, musste ich die Nachricht meinen Eltern überbringen. Es war eine traumatisierende Erfahrung in meinem ansonsten so relativ sorglosen Leben, und es hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich habe das Leben im Angesicht des Todes neu wertgeschätzt.“ Gedanken ergaben sich dabei auch über die „grundgute Sache der Hospizarbeit“, denn: „Ich würde es meinen Lieben und mir selbst auch wünschen, nicht unbegleitet aus dem Leben gehen zu müssen.“ Es sei ein Glück, wenn ein Sterbender einen Platz im Stationären Hospiz bekomme – Menschen in dieser Phase allein sterben lassen zu müssen, ist für die Kölnerin ein unerträglicher Gedanke.

Mehr über die aktuelle Diakoniespende erfahren Sie hier.

Ausbildung Hospizhelfer*in

Damit das möglichst immer seltener passiert, werden auch im Kölner Westen neue Hospizhelferinnen und Hospizhelfer ausgebildet. Alle zwei Jahre startet eine solche Ausbildung. Im Frühjahr 2020 absolvierten diese, intensive sechs Monate umfassende, Schulung zwölf angehende Hospizhelfer. Zu Beginn noch als Präsenzveranstaltung tauschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Schluss online aus. „Das war die einzige Möglichkeit, den Kurs in Pandemie-Zeiten zu Ende bringen zu können“, berichtet Birgitta Lepke-Lehmann, Die Aussendungsfeier konnte als Präsenzveranstaltung stattfinden, immer auf Abstand, aber dennoch mit einem für alle wohltuenden Miteinander.

Der Essener Psychologe, Theologe und Klinikseelsorger Hartmut Magon ist einer der Referenten. Ein Praktikum gehört fest zur Ausbildung, um Erfahrungen im Umgang mit älteren Menschen und Menschen mit einer Demenzerkrankung zu sammeln. Ok-Poon Park, Helga Dahmen und Nahid Ghaedisharafi haben diese Ausbildung vor rund elf Jahren absolviert und sind immer noch mit vollem Herzen im Einsatz für den Hospizdienst. So sagt Ok-Poon Park: „Es gibt nichts Besseres, kein sinnvolleres Ehrenamt. Es gibt mir mehr, als ich selbst geben kann.“ Helga Dahmen sieht das genauso: „Es ist ein sehr bereicherndes Ehrenamt. Zudem lernt man in der Ausbildung viel über sich selbst.“

Corona-Krise

Die Treffen mit den anderen Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtlern in den Räumen der Kirchengemeinde St. Viktor vermissen alle in der Zeit der Corona-Krise schmerzlich, denn die vertrauensvollen Gespräche und der Austausch über die Begleitungen ist sehr wichtig. Ebenso der Kontakt zu den Menschen, die begleitet werden. „Einige haben Briefe geschrieben, Musik aufgenommen oder telefoniert, um zu zeigen, dass niemand vergessen ist“, berichtet Birgitta Lepke-Lehmann. Begleitungen in Seniorenheimen blieben unter strengen Vorgaben möglich. „Wir haben in den vergangenen Monaten gelernt, dass Menschen nicht einsam sterben sollten“, ist Birgitta Lepke-Lehmann überzeugt und sagt, sie sei froh, dass die 40 Hospizhelferinnen und Hospizhelfer ihres Dienstes trotz dieser anstrengenden Zeit so engagiert sind.

Die Koordinatorin erläutert, dass es oft die ganz kleinen Dinge innerhalb der Begleitungen sind, die den Menschen Freude schenken. „Aus der Zeitung vorlesen, singen, ein Spaziergang. All das hilft am Ende des Lebens, zur Ruhe zu kommen.“ Um dem zu begleitenden Menschen wirklich gerecht zu werden, achtet Birgitta Lepke-Lehmann sehr genau darauf, dass der jeweilige Hospizhelfer passt. Dabei richtet sie ihren Blick auf die Diagnose und den Lebenslauf des Menschen, der begleitet werden soll, betont aber: „Wir unterliegen natürlich der Schweigepflicht. Nichts von dem, was ich bei den Sterbenden oder ihren Angehörigen erfrage, würde irgendwie nach außen dringen.“

Keine Frauendomäne

Fünf männliche Hospizhelfer gibt es im Hospizdienst, die, wie die Koordinatorin beobachtet hat, oft einen sehr unkomplizierten Kontakt zu den Sterbenden aufbauen. „Das Ehrenamt als Hospizhelfer ist längst keine Frauendomäne mehr. Das ist eine tolle und sehr willkommene Entwicklung.“, sagt sie. Ergänzt wird das Angebot des Hospizdienstes, durch Trauerbegleitung. Das Trauercafé Zeitenwende in der Bocklemünder Auferstehungskirche, das, außerhalb der Pandemie-Zeit, einmal im Monat stattfindet, wird sehr gut angenommen. Denn dort ist ein geschützter Ort, wo Trauernde auch nach längerer Zeit noch einmal weinen können, ohne schief angesehen zu werden.

Ähnlich wichtig ist den Trauernden der gemeinsame Spaziergang, der normalerweise an jedem ersten Samstag im Monat mit ausgebildeten Trauerbegleitern stattfindet. „Beide Angebote mussten wir zunächst aussetzen, doch wir versuchen, telefonisch oder in Einzelgesprächen für die Trauernden da zu sein.“ Auf der Website des Ökumenischen Hospizdienstes finden Interessierte einen kurzen Film, der in animierter Form erklärt, was Hospizarbeit bedeutet.
http://hospiz-koeln-west.de

Text: Katja Pohl
Foto(s): Matthias Pohl