Neues aus den Kirchenkreisen: Synoden Nord und Rechtsrheinisch



Neues aus den Kirchenkreisen: Synoden Nord und Rechtsrheinisch

Am Samstag, 6. November 2004, tagten zwei Kreissynoden des Evangelischen Stadtkirchenverbands Köln: Der Kirchenkreis Köln-Nord und -Rechtsrheinisch.

1. Nachrichten aus der Kreissynode Köln-Nord
Finanzen sind und bleiben ein Thema: „Umverteilung, keine Entsolidarisierung“
Die angespannte Finanzlage war Schwerpunkt der Herbstsynode im Evangelischen Kirchenkreis Köln-Nord. Dem trug Superintendent Pfarrer Ernst Fey in seinem Bericht mit klaren Worten Rechnung: „Auch Pfarrstellen tauchen nun im Haushalt der Gemeinde als ‚Kostenfaktor‘ auf“, machte er deutlich, gab jedoch zu „bedenken, dass wir es bei der Entscheidung über Pfarrstellen nicht nur mit einem Finanz-Faktor zu tun haben, der bei Einsparungen im Haushalt nur positive Auswirkungen hätte. Die Aufgabe einer Pfarrstelle hat erhebliche Konsequenzen für die Arbeit in der Gemeinde, für die Ausstrahlung dieser Gemeinde“. Erfolgsversprechendes Zukunftskonzept seien „größere Zusammenschlüsse von Gemeinden“. Auch die Schwerpunktsetzung in der Gemeindearbeit solle vorangetrieben werden, um vorhandene Mittel gezielter einsetzen zu können: „Wir müssen in allen konzeptionellen Überlegungen deutlich machen, welche Aufgaben wir als künftige ‚Kernaufgaben‘ definieren“. Der Grundtenor dabei müsse bleiben: „Umverteilung, keine Entsolidarisierung“.

Thema Kindergärten: Kirchenaustritte bleiben nicht folgenlos 
Zu dem in Einzelfällen heftig diskutierten Thema der Finanzierung oder möglichen Schließung von Kindergärten lieferte Fey eine Richtigstellung. Zwar hätten die „Gespräche mit der Stadt noch kein endgültiges Ergebnis erbracht“, doch sei bereits jetzt klar, dass die Zielsetzung, Einrichtungen möglichst zu erhalten, oberste Priorität habe. „Bei aufkommenden Problemen“, so Fey, „sollen Einrichtungen erst einmal verkleinert werden. Bei Aufgabe des Arbeitsfeldes soll die Einrichtung möglichst an einen anderen Träger weiter gegeben werden.“ Nur wenn all dies nicht greife, solle über eine Schließung in einem „geordneten Zeitrahmen“ nachgedacht werden. Und: Vor dem Hintergrund sinkender Mitgliederzahlen „werden wir auch der Diskussion nicht ausweichen können, inwieweit wir in unseren Einrichtungen die evangelischen Kinder mit Vorrang versorgen“, denn: „Bürgerinnen und Bürger müssen erkennen, dass Austritte aus der Kirche langfristig erhebliche Folgen haben.“

Ökumene auf dem Rückzug?
Ob die „Ökumene auf dem Rückzug“ sei, wie Altpräses und EKD-Ratsvorsitzender im Ruhestand, Pfarrer Manfred Kock, es unlängst formulierte, fragte auch Ernst Fey: „Sicher ist, dass es auf Kölner Ebene eine Reihe von ‚Nicht-Berücksichtigungen‘ der evangelischen Kirche gegeben hat“. So kritisierte er, dass „der Pfingstmontag als Tag der Einheit der Kirchen von der katholischen Seite abgelehnt wurde“. Ferner thematisierte er die offizielle katholische Position bezüglich des Abendmahls: „In der katholischen Kirche werden unterschiedliche Abendmahlsfeiern als Missbräuche sehr schwerwiegender Art bezeichnet“. Demgegenüber stehen Lichtblicke wie der Weltjugendtag 2005. Dort „soll eine ökumenische Veranstaltung, ein ökumenischer Brückenweg mit einer großen Abschlussveranstaltung hier in Köln stattfinden“.

Religion im Spiegel von Gesellschaft und Politik
In Zeiten der Verunsicherung demonstrierte Ernst Fey Selbstvertrauen der evangelischen Kirche, sprach von einer „Rückkehr der Religion“. „Ohne eine Wertebezug können politische Kompromisse heute schon kaum mehr gefunden werden. In vielen Kommissionen sind mittlerweile auch Theologen als Experten gefragt“. Dieses Selbstbewusstsein fand auch in klaren Statements zu Hartz IV Ausdruck, nämlich ein Plädoyer gegen die „Zerstörung des Sozialsystems“, das, so Fey, im Kopf anfange: „Die Bibel weist unsere Gesellschaft an, dass wir gemeinsam dafür Sorge tragen, in diesen sozialen Fragen nicht derart weit auseinander zu driften. Und darum: Ja, unsere Kirche engagiert sich bewusst und mit Nachdruck für Menschen, die in solch schwierige soziale Lage gekommen sind. Sie tut es, indem sie Sprachrohr für diese Menschen ist“.

Der Verband und die Kirchenkreise
Weiteres Thema war die „Bedeutung des Evangelischen Stadtkirchenverbandes Köln für die Gemeinden und Kirchenkreise“. Der Verband ist Dienstleister in zahlreichen Arbeitsfeldern für die 61, in ihm vereinigten Gemeinden, repräsentiert sie als erkennbare, evangelische Größe nach außen. Und damit, so Ernst Fey, „geht es um nichts weniger als um unsere gemeinsame Positionierung als evangelische Kirche in Gesellschaft und Öffentlichkeit, in den Städten, Kreisen, im Land – und auch im Gegenüber des Erzbistums Köln“. Fey bezog auch hier klar Stellung: „Wir brauchen die Repräsentanz durch einen starken Verband. Wir brauchen die Solidarität der Verbandsgemeinschaft. Nur im Verband der Gemeinden, Ämter und Einrichtungen erhalten wir uns die Kraft und die Ausstrahlung, um als evangelische Kirche in der Region unseren Auftrag zu erfüllen. Nur im Verband wird es uns gelingen, evangelische Kirchenmitgliedschaft in der Region zu stärken und damit die Voraussetzung unserer Arbeit zu sichern“.

Der Haushalt
Die Jahresrechnung für das Haushaltsjahr 2003 im Kirchenkreis wurde mit einem Überschuss von 5.228,39 Euro abgeschlossen. Diese Summe wird als Einnahme des Haushaltsjahres 2005 vorgetragen. Für 2005 verabschiedete der Kirchenkreises Köln-Nord einen Haushalt von 670.210.00 Euro.

Personalie: Neuer Synodalbeauftragter für christlich-muslimischen Dialog
Als Synodalbeauftragter für den christlich-muslimischen Dialog ist Hanser Brandt von Bülow auf der Herbstsynode des evangelischen Kirchenkreises Köln-Nord gewählt worden. Er unterstützt hierbei Pfarrerin Dorothee Schaper von der Arbeitsstelle für christlich-muslimische Begegnung des Sozialwerkes im Evangelischen Stadtkirchenverband Köln.
Kontakt: Hanser Brandt von Bülow, Telefon: 0221/55 41 71.



2. Nachrichten aus der Kreissynode Köln-Rechtsrheinisch
Überschuss im Haushaltsjahr 2003
Mit für sie selbst „überraschend guten Zahlen“ trat Finanzkirchmeisterin Bärbel Ruhland vor die Synode des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch. „Wir haben im Haushaltsjahr 2003 einen Überschuss in Höhe von 77.000 Euro erzielt“, verkündete sie den 124 anwesenden Synodalen am Samstag im Haus der Evangelischen Kirche. Diesen Überschuss verdanke der Kirchenkreis unter anderem der Tatsache, dass 55.000 Euro mehr Kirchensteuern erhoben werden konnten als geschätzt. Darüber hinaus seien Mittel in Höhe von rund 20.000 Euro von Einrichtungen des Kirchenkreises nicht benötigt worden. Der Überschuss wird dazu verwendet, die in den vergangenen Jahren strapazierten Rücklagen aufzufüllen. Für das Jahr 2005 verabschiedete die Synode einen Haushalt mit einem Volumen von 888.084 Euro.

Fünf-Prozent-Anteil geht an die Gemeinden
Über die Verwendung von fünf Prozent der Verteilsumme des Kirchensteueraufkommens, das dem Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch zusteht, darf die Synode entscheiden. Nach kontroverser Diskussion beschlossen die Synodalen, dass dieses Geld nach Zahl der Gemeindeglieder an die Kirchengemeinden weitergereicht wird. Der Kreissynodalvorstand, das Leitungsgremium des Kirchenkreises, hatte sich für eine andere Entscheidung stark gemacht. Synodalassessor Christoph Nötzel plädierte für eine Teilung des Kirchenkreises in drei virtuelle Regionen, in denen der Fünf-Prozent-Anteil für übergemeindliche Aufgaben wie Kirchenmusik, Diakonie oder Krankenhausseelsorge verwendet werden sollte. Dem konnte sich angesichts der knappen Kassen in den Gemeinden nur eine Minderheit anschließen.

Der Evangelische Stadtkirchenverband Köln und der Kirchenkreis
In seinem Rechenschaftsbericht betonte Superintendent Kurt Röhrig die bedeutende Rolle, die der Evangelische Stadtkirchenverband Köln für die Gemeinden im Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch spiele. Im vergangenen Jahr hätten die Mitarbeitenden der Evangelischen Familienbildungsstätte Köln 4.500 Unterrichtsstunden in den Gemeinden erteilt, davon 1.887 Stunden im Rechtsrhei-nischen.

Pfarrstellen und Gemeindefusionen
Seit 1987 seien, so Röhrig, zehn Pfarrstellen im Kirchenkreis weggefallen. Somit seien noch 50,75 Pfarrstellen im Kirchenkreis besetzt. Der Superintendent verwies darauf, dass im Bereich der Evangelischen Kirche im Rheinland derzeit noch 40 Pfarrer pro Jahr den Gemeinden zugewiesen würden. Damit entstehe vor Ort in Zukunft ein Pfarrer-Nachwuchsproblem.
Sinkende Einnahmen erfordern weitreichende Entscheidungen. Nach der Fusion der evangelischen Gemeinden Flittard und Stammheim zur Brückenschlag-Gemeinde steht für den 1. Januar 2005 die nächste Verbindung an. Dann, so Röhrig, fusionieren die evangelische Gemeinde Dünnwald und die Bo-delschwingh-Gemeinde zur Emmaus-Gemeinde.

Text: pressestelle
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