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Nachrichten von der Synode des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch

100 Synodale begrüßte Superintendentin Andrea Vogel bei der Herbstsynode des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch im Haus der Evangelischen Kirche. Die Tagung begann mit einem Gottesdienst in der Kartäuserkirche, die Prädikant Dietrich Neuhaus zu dem Bibelwort „Niemand kann zwei Herren dienen. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“ aus dem Matthäus-Evangelium hielt. Dessen weitere Aussage – „Sorget nicht für Euer Leben“ stellte Neuhaus zunächst kritisch in Frage: „Kann man damit leben? Ist das nicht ein lebensuntüchtig machender Satz?“ Schließlich fingen die Sorgen da an, wo man sich entscheiden müsse. Die Freiheit aber, sich entscheiden zu können, sei das Alleinstellungsmerkmal der Menschen. „Sollen wir diese Freiheit aufgeben?“ Diese rhetorische Frage überführte Neuhaus in die eigentlich entscheidende Frage: „Was fange ich in dieser Freiheit mit meinem Leben an?“ Wer Entscheidungen nur mit Blick auf Anerkennung oder auf Sorgen, die in der Zukunft liegen, treffe, der habe sich für den Mammon entschieden. Wer sich aber für Gott entscheide, der bringe seine Arbeit in sein Leben ein und verleihe nicht durch Arbeit seinem Leben einen Sinn. „Was nicht heißt, dass wir nichts mehr leisten müssen. Aber die Leistung muss nicht mehr unser Leben tragen.“

„Reise ins Labyrinth“: Jahresbericht der Superintendentin Andrea Vogel
Mit ihrem Jahresbericht lud Superintendentin Andrea Vogel die Synodalen ein zu einer „Reise ins Labyrinth – nicht in einen Irrgarten – mit Umwegen, Wendepunkten und Übergängen“. Erste Station dieser Reise waren die Schuldenkrise und die Finanzierung der Kindertagesstätten. „Wir haben Maß und Mitte in wesentlichen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens verloren“, zitierte sie den EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider. Der äußerte dadurch mehr als nur Verständnis für die weltweiten Proteste zur Neuordnung des Finanzsystems. Die globale Krise brach die Superintendentin dann herunter auf die landeskirchliche Ebene am Beispiel der Kindertagesstätten-Finanzierung. „Es ist eine diskriminierende Regelung, dass die Kirchen für ihre Kindertagesstätten zwölf Prozent aus eigenen Mitteln beisteuern müssen, während andere Träger zu 100 Prozent finanziert werden“, sagte sie. Allein im Bereich der Evangelischen Kirche im Rheinland mache das einen Betrag von rund 50 Millionen Euro pro Jahr aus, so Präses Nikolaus Schneider kürzlich in epd-WEST.

„Ökumene gelingt nur vor Ort“
Auch zum Thema der Annäherung zwischen den Religionen fand Andrea Vogel deutliche Worte: Ohne näher auf den Papst-Besuch und dessen fehlende Impulse für die Ökumene einzugehen, stellte sie fest: „Ökumene gelingt nur vor Ort.“ Die dürfe aber nicht auf Begegnungen zwischen protestantischen und katholischen Christen reduziert werden. „Gerade im Rheinisch-Bergischen gibt es gelungene Beispiele zweier Aktionen mit der freien evangelischen und einer freien katholischen Gemeinde.“ Der Blick über den religiösen Tellerrand hinaus wurde auch bei den Feiern zum 20-jährigen Bestehen mit den drei Partnergemeinden des Kirchenkreises gepflegt: Delegationen aus dem Kirchenkreis Khaosiung in Taiwan, dem Kirchenkreis Burica in Brasilien und dem Kirchenkreis Kalungu in einer Krisenregion des Kongo am großen Kivusee hielten sich mehrere Wochen im Rheinland auf und nahmen an Besuchen, Empfängen und Bibelgesprächen teil.

„Anstrengende Prozesse, die Haupt- und Ehrenamtliche herausfordern“
Breiten Raum in der Arbeit auf Kirchenkreisebene nahmen in diesem Jahr auch wieder die landeskirchlichen Strukturprozesse ein. „Das treibt uns ziemlich um“, so Vogel, die vor allem hervorhob, dass mit der Verwaltungsstruktur- und der Personalplanungsreform zwei neue Prozesse eingeleitet worden seien, bevor die bereits angestoßenen wie Neues Kirchliches Finanzwesen (NKF) oder Neuordnung der Rechnungsprüfungsämter umgesetzt und abgeschlossen seien. „Das alles sind Prozesse, die uns viel Kraft kosten und deren Sinnhaftigkeit nicht immer erkennbar ist“, sagte Vogel unter dem Beifall der Synodalen. Für den Kirchenkreis stellte Vogel beim Thema Pfarrstellenrahmenplan fest, dass der 2009 beschlossene Abbau des Überhangs an Pfarrstellen schon jetzt erreicht worden sei. „Das ist ein positives Beispiel für die Solidarität unter uns“, betonte sie, warnte zugleich aber auch: „Die Nachwuchszahlen sind deutlich geringer, als sie bei unserer Altersstruktur sein müssten.“ So gebe es bereits ab Dezember keine Pfarrerin und keinen Pfarrer mit besonderem Auftrag mehr, was zu Schwierigkeiten bei Vertretungsfällen führen werde.

„Hausaufgaben“ für den Kirchenkreis
Nach dem Rückblick kam der Ausblick, den Superintendentin Vogel als „Hausaufgaben“ für den Kirchenkreis formulierte: Nach der Kirchenkreiskonzeption, deren Verabschiedung Gegenstand der Herbstsynode war, stünden die Neuorganisation eines Bildungsreferates, die Zukunft der Notfallseelsorge und die Sanierung des Freizeithauses Stolzenberg bei Wermelskirchen auf der Agenda. Letztere koste nach ersten Schätzungen rund 100.000 Euro. Angesichts der im nächsten Jahr anstehenden Presbyteriums-Wahlen brachte Vogel eine Fortbildung für die neu gewählten Presbyterinnen und Presbyter ins Spiel und schloss ihren Jahresbericht mit einem Hinweis auf das Jubiläumsjahr in der Evangelischen Gemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath. Dort wird das 450-jährige Bestehen der Gemeinde unter anderem mit einem Open-Air-Gottesdienst 2012 gefeiert.

Kirchenkreis-Konzeption verabschiedet
Ziele und Aufgabenbereiche sowie eine Beschreibung der Ist-Zustände sind Inhalte der neuen Konzeption des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch. Nach vielen Beratungen und Diskussionen im presbyterial-synodalen Dialog und der Einarbeitung der bei der Frühjahrssynode verabschiedeten Änderungen lag den Synodalen nun die Endfassung vor. Bei zwei Enthaltungen wurde die Konzeption einstimmig verabschiedet.

Zwischenbericht zum Bildungsreferat
Bei der Frühjahrssynode 2011 war die Einrichtung eines Aus- und Fortbildungsreferats für Jugendliche und Erwachsene, das so genannte „Bildungsreferat“, angeregt worden. Darin sollen künftig die bisherigen Referate für Jugend und für Frauen zusammengeführt werden. Eine Arbeitsgruppe hat sich auf Beschluss der Frühjahrssynode zwischenzeitlich mit den Aufgaben und Ressourcen für das neue Referat beschäftigt und stellte einen Zwischenbericht vor. Aufgrund dieses Berichts beschloss die Synode nun, dass die hauptamtliche Fortführung der Aufgabenbereiche Jugendarbeit und Frauenarbeit auch künftig sichergestellt werden und die Aufgaben und Strukturen den bestehenden finanziellen Möglichkeiten angepasst werden müssen. Eine weitere Arbeitsgruppe soll ein Modell zur Fortführung der pädagogischen Arbeit in einem Referat entwickeln und bis Ende Juli 2012 umsetzen. Den Beschluss fassten die Synodalen bei zwei Gegenstimmen und zwölf Enthaltungen.

Rahmenkonzept für den Pfarrdienst umgesetzt
Im Frühjahr 2009 verabschiedete die Kreissynode ein Rahmenkonzept für den Pfarrdienst, das den Abbau eines Überhangs von seinerzeit sechs Pfarrstellen zum Ziel hatte. Erreicht werden sollte dieses Ziel durch die kirchenkreisinterne Besetzung von frei werdenden Pfarrstellen. Bereits ein Jahr später war klar, dass das Ziel deutlich schneller erreicht würde, und nun stellte die Synode per einstimmigem Beschluss fest, dass das Planungsziel erreicht sei. Die Besetzung vakanter oder noch vakant werdender Stellen soll demnach künftig durch externe Bewerberinnen und Bewerber erfolgen, um einen weiteren Abbau von Pfarrstellen im Kirchenkreis zu vermeiden. Dennoch sollen Superintendentin und Kreissynodalvorstand weiterhin mit den Gemeinden im Gespräch bleiben, um deren Veränderungswünsche zu berücksichtigen und bei Stellenbesetzungen gegebenenfalls „interne und externe Modelle“ zu kombinieren.

Kritik an landeskirchlichen Strukturreformen
Deutliche Kritik gab es an den von der Landeskirche angedachten Reformen zur Verwaltungsstruktur und zur Personalplanung. „Wenn diese Reformen umgesetzt werden, verlieren die Gemeinden einen Teil, wenn nicht sogar einen Großteil ihrer Autonomie“, warnte Skriba Pfarrer Ralph Knapp. Es sei durchaus legitim, Fragen zur Verbesserung von Prozessen und Abläufen zu diskutieren, „aber wir wollen mitreden.“ Regionalkonferenzen ohne bindenden Einfluss auf die Landessynode oder Online-Foren, die kaum genutzt würden, sorgten lediglich für eine „Scheinöffentlichkeit“, so Knapp weiter. „Es muss ein deutliches Signal an die Landeskirche gesendet werden, dass es so nicht geht.“ Drei Anträge einzelner Gemeinde zu dem Thema nahm die Synode zustimmend zur Kenntnis und unterstützte deren Anliegen einstimmig, bei einer Enthaltung, mit einem Beschluss, in dem gefordert wird, dass vor einer verbindlichen Beschlussfassung über die Verwaltungsstruktur die Qualitätsstandards geklärt werden müssen. Abhängig von diesen Standards seien die dauerhaften finanziellen Folgen und die Kosten für die Umstellung zu berechnen.

Fast 120.000 Euro Überschuss
Einen beachtlichen Überschuss von 119.288 Euro verzeichnete Finanzkirchmeisterin Barbara Ruhland für das Haushaltsjahr 2010. Verantwortlich dafür sind höhere Zuweisungen aus Steuermitteln einerseits sowie nicht oder verzögert abgerufene Rücklagen, beispielsweise für Kirchenmusik, Jugendarbeit und allgemeine soziale und diakonische Arbeit. Von dem Überschuss werden 100.386 Euro an die Gemeinden ausgeschüttet, die restlichen 18.902 Euro werden in die Rücklage für innere Aufgaben im Kirchenkreis überwiesen. Diese Verteilung wurde bei zwei Gegenstimmen und elf Enthaltungen beschlossen. „Wir freuen uns natürlich über diesen Überschuss, aber es ist davon auszugehen, dass wir schon bald deutlich schmalere Erträge haben werden“, warnte Ruhland angesichts der wirtschaftlichen Gesamtlage vor zu viel Euphorie. Für das Jahr 2012 beschlossen die Synodalen einstimmig, bei einer Enthaltung, einen Haushalt mit einem Volumen von 1.017.877 Euro. Trotz geringer veranschlagter Zuwendungen aus Kirchensteuermitteln eine Steigerung um 2,5 Prozent gegenüber 2011.

Stichwort: Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch
Dieser Kirchenkreis bildet mit 19 Kirchengemeinden im rechtsrheinischen Köln, Altenberg, Bergisch Gladbach, Kürten, Lindlar und Rösrath den größten Zusammenschluss innerhalb des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region. In seinen Gemeinden leben rund 101.000 Mitglieder, deren Interessen im „Parlament“ des Kirchenkreises, der Kreissynode, von 132 Synodalen vertreten werden.

Text: Amt für Presse und Kommunikation
Foto(s): Schulzki