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Nachrichten von der Kreissynode Köln-Rechtsrheinisch: Kirchenkreis-Konzeption im Mittelpunkt der Beratung

115 Synodale begrüßte Superintendentin Andrea Vogel bei der Herbstsynode des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch am 7. November im Kölner Haus der Evangelischen Kirche. Im Mittelpunkt der Beratungen stand die Entwicklung einer Kirchenkreis-Konzeption.

„Eine Konzeption ist eine evangelische Möglichkeit mit begrenzter Reichweite“
Gastredner Peter Burkowski, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen, berichtete von seinen Erfahrungen mit einer solchen Konzeption an seiner Wirkungsstätte: „Eine Konzeption beschreibt, auf welche Weise ein Kirchenkreis seinen biblischen Auftrag in der Gemeinschaft seiner Gemeinden, Einrichtungen und Dienste als Teil der Kirche Jesu Christi wahrnehmen will“, definierte Burkowski das Ergebnis eines Prozesses, bei dem es darum gehe, möglichst viele Menschen aus den Gemeinden „mitzunehmen“: „Die Kirchenkreise haben ja das Problem, dass sie immer ,dazwischen‘ stehen, zwischen der Landeskirche und den Gemeinden.“ Deshalb müsse es zunächst darum gehen, die Aufgaben eines Kirchenkreises genau festzulegen. Burkowski nannte sechs Bereiche als so genannte „Grunddimensionen“: Gottesdienst und Kirchenmusik, Seelsorge und Beratung, Bildung und Erziehung, Diakonie, gesellschaftliche Verantwortung sowie Ökumene und Mission. Innerhalb dieser Grunddimensionen müssten die Synodalen Schwerpunkte setzen. „Das ist ein spannender Prozess. Wir in Recklinghausen haben ohne Zeitdruck diskutiert, und es ging endlich mal nicht nur ums Geld“, so der Superintendent. Die Kirche verfüge allerdings nicht selbst über ihr Ziel, so Burkowski: „Das ist kein Mangel, hier können wir uns auf das Wirken von Gott verlassen. Eine Konzeption ist also eine evangelische Möglichkeit mit begrenzter Reichweite.“ In sechs Arbeitsgruppen beschäftigten sich die Synodalen mit dem Thema. Konsens gab es in einem Punkt: Die Kommunikation zwischen den Gemeinden des Kirchenkreises solle verbessert werden. Nicht jede Gemeinde müsse alles anbieten, gemeinsame Projekte sollen angeschoben und vorangetrieben werden. Spätestens im Herbst 2011 soll der Synode eine beschlussfähige Kirchenkreis-Konzeption vorgelegt werden.

Bericht der Superintendentin Andrea Vogel
Superintendentin Andrea Vogel blickte in ihrem Bericht auf ihr erstes Amtsjahr zurück.. Getreu dem Bibelwort „Prüft alles und behaltet das Gute“ hat sie das vergangene Jahr genutzt, die Menschen und Strukturen in ihrem Kirchenkreis kennenzulernen. „Prüft alles – das bedeutet: erst einmal wird nichts von vornherein ausgeschlossen. Aus diesem kurzen Satz spricht eine grundsätzliche Offenheit gegen den vielfältigen Möglichkeiten und Wegen, die Menschen entwickelt haben und entwickeln.“
Für die Zukunft der Kirchgebäude ermunterte die Superintendentin jene Gemeinden, denen die Unterhaltung ihrer Immobilien große finanzielle Probleme bereitet, nach kreativen Lösungen zu suchen „und auch mal in andere Richtungen zu denken und nicht immer nur in Richtung Verkauf“.
Die Zahl der Pfarrstellen in der Krankenhausseelsorge im Bereich des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region, für die die Superintendentin die Verantwortung trägt, wurde in diesem Jahr von zwölf auf zehn gekürzt. Damit sei ein verabredetes Sparziel erreicht.
In der forensischen Klinik in Porz wird eine Viertelstelle für einen Seelsorger oder eine Seelsorgerin eingerichtet.
Wegen finanzieller Unwägbarkeiten hat sich der Kirchenkreis entschlossen, das Projekt „Einstieg – Wege in den Beruf“ nicht weiter zu finanzieren. Die Kooperationsvereinbarung mit dem Verein Christliche Sozialhilfe Köln läuft aus.

Kirchengemeinde als „konkrete Utopie“
Die Superintendentin nahm in ihrem Bericht auch Stellung zur Kirchenkreis-Konzeption. Andrea Vogel hat alle 20 Presbyterien des Kirchenkreises besucht und sich vor Ort ein Bild gemacht. „Ich habe gesehen, wie viel Talent in den Presbyterien vorhanden ist und mit wie viel Engagement, Mühe, Sorgen, Freuden an der Zukunft der Gemeinden gebaut wird.“ Bei der Erstellung der Konzeption gelte es zu überlegen, welche Bereiche die Gemeinden über den Kirchenkreis versorgt haben möchten und in welchen sie darauf nicht angewiesen seien.
Die Konzeption müsse darstellen, wie der Kirchenkreis in zehn Jahren aussehen soll. Die Gemeinde müsse Herberge sein, „ein Ort, an dem Menschen wieder zu Atem kommen, ein Ort, an dem sie frei und offen sich äußern können, ein Ort, an dem es um ,etwas anderes‘ geht und wo es ,anders‘ zugeht, ein Ort, an dem das Suchen nach Gott Gestalt annimmt und neu entfacht wird und an dem wie Gott manchmal auf die Spur kommen“, zitierte die Superintendentin eine „konkrete Utopie“ von Jan Hendricks.
Sie wünschte den Gemeinden „Mut und Glauben“ bei den anstehenden Beratungen über die Kirchenkreis-Konzeption. Ausdrücklich lobte die Superintendentin das Engagement der Ehrenamtlichen im Kirchenkreis und dankte ihnen für ihren Einsatz.

Gemeindebericht der Evangelischen Gemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath
Die Evangelische Gemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath stellte sich und ihre Arbeit der Synode vor. Im Jahr 2012 wird sie ihr 450-jähriges Bestehen feiern. Urkundlich verbürgt ist ein protestanti-scher Pfarrer im Jahr 1562. 2007 fusionierten die vorher zwei Gemeinden zu einer. Sie zählt aktuell 8213 Köpfe. Das sind 100 mehr als zum Zeitpunkt der Fusion. Die Gemeinde wächst, weil vor allem junge Familien aus Köln ins Bergische Land ziehen. Deshalb legt die Gemeinde einen Schwerpunkt ihrer Angebote auf die Kinder- und Jugendarbeit. In Volberg wird in Kürze der evangelische Kindergarten aus- und umgebaut. In Forsbach wird eine Nachmittagsbetreuung für Schulkinder angeboten. Menschen „50plus“ stehen in Rösrath im Mittelpunkt. Hier gibt es ein großes Angebot der Seniorenbegegnungsstätte. Darüber hinaus spielt Musik eine große Rolle. In der Gemeinde singen 11 Chöre.

Beachtlicher Haushaltsüberschuss für 2008
Mit einem Überschuss in Höhe von 230.396 Euro hat der Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch das Haushaltsjahr 2008 abgeschlossen. „Dieser Überschuss ist ein Geldsegen aus einer Zeit, die lange zurückliegt“, erklärte Finanzkirchmeisterin Barbara Ruhland. Höhere Zuweisungen vom Evangelischen Kirchenverband Köln und Region, deutlich mehr Zinseinnahmen als erwartet und 50.000 Euro weniger Ausgaben als geplant seien verantwortlich für den „beachtlichen Haushaltsüberschuss“. 100.000 Euro aus dem Überschuss werden an die Gemeinden nach Gemeindegliederzahlen weitergereicht. Rund 130.000 Euro werden in diverse Rücklagen eingestellt. Düster sieht es für das kommende Jahr aus. Dann wird nach der Prognose von Ruhland das Haushaltsvolumen um 16 Prozent oder 185.000 Euro auf 958.154 Euro sinken. „Die Steuereinnahmen werden sinken. Und wir rechnen damit, dass unsere Zinseinnahmen statt 140.000 Euro wie im Jahr 2008 auf 30.000 Euro im nächsten Jahr sinken“, berichtete Ruhland. „Wir müssen bei der Kirchenkreis-Konzeption klären, welche Projekte wir weiterhin unterstützen wollen. Das wird vorerst nur noch aus Rücklagen möglich sein.“

Personalia
Der Dellbrücker Pfarrer Otmar Baumberger wurde mit 100 von 115 Stimmen zum Synodalassessor und damit zum Stellvertreter von Superintendentin Andrea Vogel gewählt. Die Wahl war nötig geworden, weil der bisherige Assessor, Pfarrer Christoph Nötzel aus Altenberg/Schildgen, von seinem Amt zurückgetreten war. Die Synodalen dankten ihm mit lang anhaltendem Beifall für seine Arbeit.
Nötzel war seit 1996 in verschiedenen Funktionen im Kreissynodalvorstand und dem Verband tätig: 1996 bis 2003 als zweiter stellvertretender Skriba des Kreissynodalvorstends, 2003 bis September 2009 als Synodalassesor. Von 1996 bis 2004 war Nötzel zudem Mitglied des Synodalen Jugendausschusses des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch, im gleichen Zeitraum auch Mitglied des Verbandsvorstands.
Als Nachfolger von Baumberger als Skriba im Kreissynodalvorstand wählte die Synode Ralph Knapp, Pfarrer aus Delling. Für Knapp entschie-den sich 61 Synodale. Der zweite Kandidat für das Amt, Pfarrer Jörg Schmidt aus Bensberg, erhielt 50 Stimmen. Als fünften Synodenältesten wurde Bernd Flamming aus Köln-Höhenhaus in den Kreis-synodalvorstand gewählt. Er ist Nachfolger von Karin Menke, die krankheitsbedingt ihr Amt niedergelegt hat.

Stichwort: Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch
Dieser Kirchenkreis bildet mit 20 Kirchengemeinden im rechtsrheinischen Köln, Altenberg, Bergisch Gladbach, Kürten, Lindlar und Rösrath den größten Zusammenschluss innerhalb des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. In seinen Gemeinden leben rund 101.000 Mitglieder, deren Interessen im „Parlament“ des Kirchenkreises, der Kreissynode, von 138 Synodalen vertreten werden.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Rahmann