Assessorin Susanne Beuth und Superintendent Rolf Domning auf der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Köln Mitte



Nachrichten von der Herbstsynode 2018 des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Mitte: „Wir sind eine Kirche der Zukunft“

„Kirche Köln auf dem Weg in die Zukunft“ war das große Thema der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Mitte am vergangenen Samstag in den Räumen der Thomaskirche. Bilanzen und wirtschaftliche Planung waren hier nur Teilaspekte. Berichte aus den Gemeinden und die konstruktiven Diskussionen in den morgendlichen Workshops zeigten: Anstehende Veränderungsprozesse und die Frage nach den nächsten wichtigen Schritten in die Zukunft beschäftigen den Kirchenkreis ebenso wie die Evangelische Kirche als Ganzes. Die dafür zentrale Anforderung formulierte Oberkirchenrat Bernd Baucks: „Veränderung braucht Initiative!“ Dass gerade die Kölner hier auf dem Weg sind, belegte der Rückblick von Superintendent Rolf Domning auf das vergangene Jahr. „Haltung zeigen“ und „Nächstenliebe erlebbar machen“ waren und sind ihm grundsätzliche Anliegen. Sie spiegeln sich wider im Einsatz gegen „Rechts“, in der Unterstützung Hilfebedürftiger, wie auch in der Forderung nach einer gerechten Kirchensteuerverteilung.

Pfarrerin Miriam Haseleu, Pfarrer Christoph Rollbühler und Dr. Heike Henneken gestalteten den Gottesdienst

Begonnen hatte die Synode am Morgen mit einem gemeinsamen Abendmahlsgottesdienst. Verse aus Psalm 85 über Frieden und Treue standen im Mittelpunkt der Feier, die von Pfarrerin Miriam Haseleu, Pfarrer Christoph Rollbühler und Dr. Heike Henneken gestaltet wurde. Gemeinsam hielten sie auch die Predigt, die von Taizé-Liturgie, Klavier- und Saxophonmusik umrahmt war.

Der Vormittag der Synode war vom Hauptthema „Kirche in Köln auf dem Weg in die Zukunft“ geprägt. Hintergrund des Themas sind die absehbaren Strukturveränderungen durch kleiner werdende Gemeinden und den zurzeit geplanten Pfarrstellenabbau bis zum Jahr 2030. Außerdem steht die Idee im Raum, dass es bis Mitte der 20er Jahre auf linksrheinischer Seite weniger als drei Kirchenkreise geben soll. So hatten Pfarrerin Miriam Haseleu und Pfarrer Christoph Rollbühler im Vorfeld der Synode Vertreterinnen und Vertreter aus den Gemeinden interviewt, um so der Frage nachzugehen „Welche Aufgaben liegen vor uns?“. Die beiden hatten zunächst gefragt, was das Besondere an der jeweiligen Gemeinde sei. Hier waren sich viele Befragte einig, dass dies zum einen die dörfliche Veedels-Struktur auf der einen Seite und die Kultur der Großstadt auf der anderen Seite sind. Weiter ist den Gemeinden die presbyterial-synodale Struktur der Evangelischen Kirche sehr wichtig. Aber auch die große Kultur des Ehrenamts und viele langjährige Kooperationen auf Stadtebene standen bei vielen Befragten ganz oben. Herausforderungen sehen sie im Blick auf die Zukunft. Hier fragten sich einige, ob in Zukunft noch genügend Geld für die Pfarrstellen da sein wird und ob überhaupt genügend Bewerberinnen und Bewerber für freie Stellen vorhanden sein werden. Im Blick auf die Zukunft wünschen sich die Befragten einfachere Strukturen. Hier wurde von Befragten auch ein linksrheinischer Kooperationsraum der jetzigen Kirchenkreise genannt.

Im Anschluss an die Ergebnisse der Befragung der Gemeinden, die sich als „Brainstorming“ zum Thema verstand, stellte Margarete Preis, Mitglied des Kreissynodalvorstandes des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf, die Geschichte der Fusion der drei Düsseldorfer Kirchenkreise vor. Diese hatte vor 6 Jahren begonnen und hatte zum Ziel, einfachere kirchliche Strukturen in der Stadt zu schaffen. Preis betonte dabei, dass in dem Prozess der offene und transparente Dialog und die Kommunikation wichtig gewesen wäre. Für das Jahr 2020 hatte sich die Synode in Düsseldorf das Ziel gesetzt, dass jede Gesamtkirchengemeinde so groß sein soll, dass sie drei volle Pfarrstellen vorhalte. Die gemeindlichen Standorte sollten nach inhaltlichen Schwerpunkten in regionaler Abstimmung mit einem Personalkonzept erarbeitet werden. „Damit sich die Gemeinden in Zukunft und für die Zukunft aufstellen können, bedarf es innerlicher Kooperationen bis hin zur Bildung von Gesamtgemeinden und Fusionen“, so Preis. Der Kirchenkreis Düsseldorf arbeitet daran, dass dieser Prozess bis in zwei Jahren möglichst zum Abschluss gebracht werden kann.

Nach dem Vortrag diskutierten die Synodalen in Kleingruppen und sammelten in den Workshops ihre wichtigsten Ideen und Gedanken für die Zukunft ihres Kirchenkreises wie auch im Hinblick auf die anderen Kölner Kirchenkreise. Im Anschluss daran beschlossen die Synodalen mit großer Mehrheit, diesen Prozess zu beginnen und setzten hierzu eine „Projektgruppe 2030“ ein. Außerdem soll in dieser Sache Kontakt zu den benachbarten Kirchenkreisen aufgenommen werden.

Die Plenarsitzung am Nachmittag wurde eingeleitet durch EKiR-Oberkirchenrat Bernd Baucks, der in seinem Grußwort den bereits begonnenen Veränderungsprozess in und um die EKD in den Fokus rückte. Diesen zur Kenntnis zu nehmen und zu akzeptieren, formulierte er als ersten Schritt der Vorbereitung. „Wir werden sicher kleiner. Aber wir sind keine Kirche in der Abwicklung – im Gegenteil. Wir sind eine Kirche der Zukunft.“ 

Superintendent Rolf Domning hielt seinen letzten Synodenbericht vor den 57 anwesenden Synodalen

Im Anschluss begann Superintendent Rolf Domning seinen letzten Bericht auf einer Synode mit dem Gebot der Nächstenliebe. „Gottesliebe und Nächstenliebe in einem Atemzug genannt, gleichwertig, gleichrangig, ohne das eine wie ohne das andere gibt es keine Erfüllung des Gesetzes“, leitete er seinen Rückblick ein. Gerade diese Grundlage hatte das Handeln des Kirchenkreises in den vergangen Monaten und auch Jahren geprägt. So erinnerte Domning unter anderem an die Bewertung der Homosexualität und damit verbunden die Schließung von Gerechtigkeitslücken, das Thema Gewalt gegen Frauen, das Kirchenasyl, den Worringer Bahnhof, den sozialethischen Ausschuss, die Aufarbeitung historischer Schuld, Verantwortung vor der Geschichte, Wertschätzung der Demokratie und das Engagement gegen Rechtsradikalismus, das von jeher prägend für das Selbstverständnis des Kirchenkreises war. „Das muss bleiben, wie auch immer die Gestalt unserer Kirchenkreise in Köln und Region in Zukunft sein wird“, sagte der Superintendent.

Und so ging er weiter auf die Haltung der evangelischen Kirche im Kontext fremdenfeindlicher und vor allem antisemitischer Übergriffe ein. Nicht jede politische Haltung sei durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Das Bekenntnis der Kirche zum Neuen Testament sowie zum Doppelgebot der Liebe sei hier aktuell gefragt. Domning erinnerte an den Beitrag des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region bei der Demonstration „Köln zeigt Haltung“ und verurteilte scharf die menschenfeindlichen Äußerungen der AfD und anderer populistischer, rechtsgerichteter politischer Strömungen. „Wir lassen uns nicht einschüchtern“, betonte er mit Nachdruck. „Wie es auf dem Transparent unserer beiden Kirchen geschrieben stand: Unser Kreuz hat keine Haken!“

Außerdem legte Domning kurz noch einmal die Problematik rund um die Ausstellung „Frieden ist möglich – auch in Palästina“ dar. Er stellte klar, dass die geplante Eröffnung in der Lutherkirche nicht verboten worden sei. Vielmehr lagen die erforderlichen Genehmigungen der entsprechenden Gremien nicht rechtzeitig vor. Hierbei habe es sich nicht um eine „reine Formalie“ gehandelt, da das Presbyterium sich aus Sorge vor verstärkten antisemitischen Aktionen bereits 2012 gegen eine erste Ausstellung ausgesprochen hatte. Ohne die Zustimmung aller Verantwortlichen habe man die Lutherkirche nicht zur Verfügung stellen können. Tatsächlich ist es später im Rahmen der Präsentation auf dem Chlodwigplatz zu einem tätlichen Angriff gekommen. Um dem Wunsch nach Frieden gemeinsam Ausdruck zu verleihen, lud Superintendent Domning zum ökumenischen Friedensgebet am Samstag, 18. November, um 18:30 Uhr in der Kirche St. Aposteln ein. Diese Veranstaltung mit dem Titel „Gedenken. Nicht wegschauen und verdrängen“ wird er zusammen mit dem Stadtdechanten Msgr. Robert Kleine halten.

Mit Blick auf die Gespräche über die Zukunft des Diakonischen Werkes Köln und Region sagte Domning: „Die Diakonie wird auch in Zukunft Wesens- und Lebensäußerung unserer Kirche sein. Sie hat ohne Frage auch im Evangelischen Kirchenverband die höchste Priorität. Glaube und praktizierte Nächstenliebe gehören, wie gesagt, untrennbar zusammen und sind entscheidend für unsere Glaubwürdigkeit.“ Inzwischen sei ein Diskussionsprozess über die Zukunft des Diakonischen Werkes Köln und Region entstanden. Nach der Verbandsvertretung im Sommer wurde ein Experte eingesetzt, um die Option eines Eigenbetriebes oder eines Zusammengehens mit der Diakonie Michaelshoven ergebnisoffen zu prüfen. Eine Entscheidung werde voraussichtlich im Sommer 2019 auf der Verbandsvertretung fallen. Unstrittig sei aber schon, dass die Spitzenverbandsfunktion im Bereich der verfassten Kirche verbleibt. 

In Bezug auf die von der Landeskirche geplante Veränderung der Verteilung der Kirchensteuern verwies Superintendent Rolf Domning auf ein Gutachten, das der Evangelische Kirchenverband Köln und Region erstellen ließ. „Wenn wir schon von Nächstenliebe sprechen, dann können wir doch sagen, dass wir als gebende Kirchenkreise in den vergangenen Jahrzehnten erhebliche Solidarleistungen erbracht haben. Darüber spricht niemand“, sagte Domning. Die von der Landeskirche geplante Änderung würde die Kölner Gemeinden hart treffen. Bei einer Gemeindegröße von 10.000 Gemeindegliedern würde das am Ende der Einführung des neuen Systems 130.000 Euro weniger im Jahr bedeuten. „Bei einem Kirchmeistertreffen auf Verbandsebene haben wir versprochen, alles, wirklich alles, zu unternehmen, um diese tiefen Einschnitte zu verhindern. Das Projekt ‚Rechtsgutachten‘ ist schon einmal ein guter Anfang“, schloss Domning diesen Punkt in seinem Bericht. Im weiteren Verlauf der Sitzung beschloss die Synode, die Kirchenleitung der EKiR zu bitten, das Rechtsgutachten des Verbandes zu diesem Thema bei den Beratungen der Änderungen des Finanzausgleiches zugrunde zu legen.

Als positive Ergebnisse des noch laufenden Jahres lobte Domning neben der Verleihung der Georg-Fritze-Gedächtnisgabe an eine Frauenrechtsorganisation aus Honduras, die federführend von Pfarrerin Dr. Anna Quaas vorbereitet worden war, auch die Gewährung von Kirchenasyl in der Region sowie die Erarbeitung von Schutzkonzepten gegen sexualisierte Gewalt.

Superintendent Rolf Domning stellte damit seinen letzten Synodenbericht vor seinem Ausscheiden im Sommer 2019 in den Ruhestand vor. Mit dem Gebot der Liebe hatte er seinen letzten Synodenbericht begonnen, mit den Worten „Das ist ein guter Anfang und ein gutes Ende“, schloss er. Ab dem kommenden Jahr wird auch für seine Aufgabe in der Kreissynode eine Nachfolge gefunden werden müssen. Hierfür setzten die Synodalen einen Nominierungsausschuss ein.

Kirchmeister Joachim Morawietz stellte den Abgeordneten einen, trotz 2017 stark gestiegener Kosten, positiven Jahresabschluss in Höhe von rund 3,14 Mio. Euro vor. Er wies aber auch darauf hin, dass aus seiner Sicht „langfristig aber auch strukturelle Veränderungen folgen müssen.“ Im Anschluss stellte er den Haushalt für 2019 vor.

Zum Abschluss der Synode diskutierten die Abgeordneten der Gemeinden intensiv und kontrovers über das Thema „Zukunft des Diakonischen Werkes Köln und Region“. Ein Beschluss hierzu kam aber nicht zustande.

Stichwort: Kirchenkreis Köln-Mitte
Der Evangelische Kirchenkreis Köln-Mitte setzt sich aus den sechs Gemeinden Köln, Riehl, Nippes, Lindenthal, Klettenberg und Deutz/Poll zusammen. Das „Parlament“ des Kirchenkreises ist die Kreissynode. Ihr gehören im Kirchenkreis Köln-Mitte zurzeit 67 stimmberechtigte Vertreterinnen und Vertreter – Theologinnen, Theologen und Laien – aus den sechs evangelischen Gemeinden an. Geleitet wird der Kirchenkreis Köln-Mitte von Superintendent Rolf Domning, gemeinsam mit dem Kreissynodalvorstand.

Text: Claudia Keller / APK
Foto(s): Claudia Keller / APK