Milan Sladek, Bach-Verein und Concerto Köln, Navid Kermani, die Oper Köln und viele weitere in der Kölner Trinitatiskirche

Milan Sladek, Bach-Verein und Concerto Köln, Navid Kermani, die Oper Köln und viele weitere in der Kölner Trinitatiskirche

Es ist äußerst selten, dass ein Maßanzug zwei Personen gleich gut passt. So war es für die Kirchenmusik- und Kulturszene in Köln damals ein besonders glücklicher Zufall, dass der Evangelische Kirchenverband Köln und Region im Jahr 2008 die neuwertige und 1987 für die evangelische Dreifaltigkeitskirche in Aachen maßgeschneiderte Klais-Orgel op. 1643 erwerben und ohne tiefgreifende Umbauten am Instrument in die Kölner Trinitatiskirche einbauen lassen konnte.

Durch den Einbau der Orgel in die Nord-Empore der klassizistischen Basilika konnte nicht nur die letzte Kriegswunde der zwischen 1942 und 1944 bis auf die Grundmauern völlig zerstörten Kirche geheilt werden. Die neue Orgel gab auch den ausschlaggebenden Impuls für die heutige Nutzung der Trinitatiskirche als Ort der Musik und Kultur, der Bildung, des Dialoges und der Bühne.

Vorstellung des sechsten Kulturprogramms
Mit dem Jahr 2015 beginnt auch das neue Kulturprogramm in der Trinitatiskirche – es ist seit 2010 bereits das sechste. Über dieses informierten jetzt in einem Pressegespräch Rolf Domning, Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region, Wolf-Rüdiger Spieler, Programm- und Organisationsleiter der Trinitatiskirche, Pfarrer Dr. Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie, und Thomas Neuhoff, Dirigent des Kölner Bach-Vereins und Bonner Kirchenmusiker.

Kirche braucht Resonanzräume
Stadtsuperintendent Domning führte mit Blick auf allgegenwärtige Spar-Debatten aus: „Es ist nicht mehr so selbstverständlich, sondern ein Privileg, dass sich die evangelische Kirche in unserer Zeit Kunsträume wie diesen leistet, allen Sparzwängen zum Trotz. Denn unsere Kirche braucht Resonanzräume, sie braucht Orte, an denen sie ihre Themen auch kulturell ‚bespielt‘, und an denen sie ihren Fragen öffentlich einen Raum geben kann.“

20.000 Menschen in der Trinitatiskirche
Dass dieser – stilistisch in Köln einmalige und akustisch besonders wertvolle – Kirchenraum mittlerweile eine feste Größe im Kölner Kulturgeschehen ist, konnte Wolf-Rüdiger Spieler berichten: „Das Publikumsinteresse ist in den zurückliegenden Jahren stetig gestiegen: Fanden 2009 nur eine Handvoll Konzerte mit ca. 1.000 Besucherinnen und Besuchern statt, haben im nun fast zurückliegenden Jahr 2014 nach aktueller Zählung bisher rund 20.000 Menschen die Veranstaltungen in der Trinitatiskirche besucht und die Trinitatiskirche als klangschönen, beeindruckenden und spirituellen wie gastlichen Kirchenraum erlebt.“ Spieler, selbst Musiker und Dirigent, sagte: „Unsere Trinitatiskirche wird vor allem wegen ihrer ausgewogenen Akustik von zahlreichen Chören, Orchestern und Ensembles, zum Beispiel vom WDR und von der Kölner Oper, für Konzerte, Aufnahmen und Produktionen genutzt und besonders geschätzt.“

Ingolf Lück zu Gast
Der Evangelische Kirchenverband Köln und Region veranstaltet auch 2015 jeweils am letzten Donnerstag eines Monats um 20 Uhr eine eigene Orgelkonzert-Reihe, zu der herausragende Organistinnen und Organisten eingeladen werden. Innerhalb dieser Reihe wird wieder ein sogenanntes „Förderkonzert“ ermöglicht, bei dem zwei fortgeschrittene Studierende der Folkwang Universität der Künste Essen konzertieren werden. Besonderes Highlight für Freunde der Orgelmusik: An Pfingsten findet während der Orgelkonzerte ein Triduum statt. Unter dem Titel „Feuer und Wind“ werden innerhalb einer Woche drei Konzerte mit Orgelimprovisationen in der Trinitatiskirche gegeben. „Ernst beiseite“ lautet die Überschrift des September-Konzertes, wenn der Schauspieler und Komödiant Ingolf Lück Texte von Heinz Erhardt liest und Marc Jaquet dazu passende Orgelmusik erklingen lässt.

… sowie der Autor Navid Kermani
Dr. Anselm Weyer, Literaturbeauftragter der Trinitatiskirche, hat für 2015 fünf Literaturveranstaltungen und Lesungen konzipiert – unter anderem mit dem prominenten Autor Navid Kermani, und die Melanchthon-Akademie lädt mehrmals im kommenden Jahr zu Vorträgen, Workshops und Gesprächskonzerten in die Trinitatiskirche ein. Alle eigenen Veranstaltungen des Evangelischen Kirchenverbandes Kölner und Region werden bei freiem Eintritt durchgeführt.

"Bühne frei" für die Kölner Oper – und Milan Sladek
In der neugeschaffenen Programmrubrik „Bühne“ finden sich unter anderem das erneute Gastspiel der Oper Köln mit vier Vorstellungen von Benjamin Brittens Kammeroper „The Turn of the Srew“ sowie sechs Vorstellungen der „Antigone“ des Pantomimen Milan Sladek und seines Ensembles.

60 Veranstaltungen – und es werden noch mehr
Weitere hochkarätige Konzerte mit Chören, Orchestern, Ensembles und Solisten werden von Kooperationspartnern und Gästen – zum Beispiel vom Collegium musicum der Universitäten Bochum und Köln, vom Neuen rheinischen Kammerorchester, dem reger chor köln, dem Kölner Kammerchor, dem Forum Alte Musik, dem WDR-Rundfunkchor, der Chorakademie Dortmund, dem Kammerchor der Essener Folkwang Hochschule der Künste – durchgeführt. Insgesamt sind derzeit für das kommende Jahr bereits jetzt rund 60 Veranstaltungen geplant. Weitere werden noch hinzukommen.


Musikalische Akzente aus der Orgelliteratur
Über einen wichtigen Baustein im Programm der Trinitatiskirche informierte Pfarrer Dr. Martin Bock. „Auch im Jahr 2015 freuen wir uns, in der Trinitatiskirche zu inhaltlich und musikalisch besonders gestalteten Gottesdiensten einzuladen“, so der Akademieleiter. So werde es in der Osternacht wieder einen Abendmahlsgottesdienst mit Bachkantate geben und die Orgelvespern am Samstagabend begleiteten das Kirchenjahr mit besonderen musikalischen Akzenten aus der Orgelliteratur zwischen Barock und zeitgenössischer Kunst, als „eine spirituelle Atempause am Wochenende“. Auch die Reihe der ThomasMessen, die bereits seit 15 Jahren ihren Platz in der Trinitatiskirche haben, wird 2015 fortgesetzt.

Im März folgt ein ökumenisches Großprojekt: "Johannespassion | Judasprozess. J.S: Bach szenisch"
Zum Schauplatz eines ökumenischen Großprojektes wird die Trinitatiskirche im März 2015: Im Rahmen der „Woche der Brüderlichkeit“ wird der Evangelische Kirchenverband Köln und Region gemeinsam mit dem Katholikenausschuss in der Stadt Köln und gefördert vom Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Köln, dem Katholischen Bildungswerk Köln, der RheinEnergie-Stiftung Kultur, der F. Victor Rolff-Stiftung, der Sparkasse KölnBonn und weiteren namhaften Sponsoren die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach in einer inszenierten Form aufführen. Den musikalischen Part übernimmt der Kölner Bach-Verein unter Leitung seines Dirigenten Thomas Neuhoff. Mit Blick auf die geplanten Aufführungen sagte Neuhoff: „Szenische Realisierungen dieses in der Tat dramatischen Stoffes sind in den letzten Jahren immer häufiger versucht worden, in der Kirche, im Konzertsaal und in der Oper. Die Konzeption des Regisseurs Eckhardt Kruse-Seiler, der Bachs Johannes-Passion mit Schauspiel und Tanz anreichern möchte und dabei auf die ‚Verteidigungsreden‘ des Judas und Pilatus von Walter Jens zurückgreift, verspricht neue Einsichten und Vertiefungen.“

Aus der Kirche hinein ins Leben
Zu den drei szenischen Aufführungen der Johannes-Passion hat Dr. Martin Bock ein umfangreiches Begleitprogramm organisiert, das die musikalisch-theologischen Aspekte und den christlich-jüdischen Dialog thematisiert. Die Planung des ökumenischen Projekts reiche natürlich länger zurück, so Bock, „aber spätestens zu diesem Zeitpunkt, als (nicht nur) in Deutschland im Zuge von sogenannten antiisraelischen Demonstrationen Hassparolen und Beleidigungen gegenüber jüdischen Mitbürgern, der jüdischen Religion und dem Staat Israel in unerträglicher Weise laut wurden, wurde dem Trägerkreis klar, wie wenig wir mit diesem Projekt ein ästhetisch-künstlerisches Ziel verfolgen, das im Konzertsaal oder in der Kirche verbleibt.“ So führe das Projekt über die Kirche hinaus ins öffentliche Leben.

Programmheft ist ab sofort erhältlich
Das Kulturprogramm der Trinitatiskirche wird tagesaktuell über die Internetseite www.trinitatis-koeln.de sowie über das soeben erschienene Programmheft und über Plakate beworben. Die Veranstaltungen stehen auch auf der Kulturkirchen-App der EKD für Smartphones bereit, außerdem findet sich alles auf der Seite www.kirche-koeln.de und auf der Facebook-Seite des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. Das Programmheft liegt ab sofort kostenlos in der Trinitatiskirche, Filzengraben 4, in der Evangelischen Informationsstelle Köln, Schildergasse 57, und in allen evangelischen Kirchengemeinden und an den zentralen Kulturorten in Köln aus.

Text: APK
Foto(s): APK/SK