Als „FC-Fründe“ stand die Vereinsspitze zusammen und sangen gemeinsam die FC-Hymne im Kölner Dom



„Mer stonn zo Dir, FC Kölle“ – Ökumenische Andacht für alle Fußballfreunde

Es war eine Gänsehaut-Stimmung im Kölner Dom, kurz vor dem ersten Heimspiel des 1. FC Köln und somit kurz vor der Niederlage gegen Borussia Dortmund. Bereits zum sechsten Mal hatten die katholische und die evangelische Kirche zu einer ökumenischen Andacht zum Bundesligasaisonstart im Dom eingeladen. Gekommen waren alle  Fußball-Fans, auch diejenigen, die anderen Vereinen oder gar dem „gegnerischen“ Verein, Borussia Dortmund, die Treue halten. Pfarrer Klaus Thranberend, der als katholischer Sportpfarrer aktiv ist und Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger hielten die Andacht. Neben vielen tausenden Fans waren auch Mitglieder und Freunde des FC-Vorstandes gekommen, um Fürbitte zu halten und die Andacht miteinander zu erleben.

„Schön, dass Sie alle da sind, um den Saisonauftakt gemeinsam zu begehen“, begrüßte Thranberend die Fans im Dom. Er führte seinen Satz mit den Worten: „Das große Drama, welches vor uns liegt“ weiter. Damit meinte er möglicherweise die Diskussion um die Ausbaupläne des FC’s, möglicherweise aber auch das Spiel des FC gegen Borussia oder gar die anstehende Saison. Doch Thranberend kam nicht dazu, dies genau zu erläutern, denn alle lachten gemeinsam herzerfrischend. „So war das auch nicht gemeint. Ich glaube fest an die Stärke des 1. FC Köln“, fügte er schnell hinzu. „Es geht um das Spiel, um Sieg und Niederlage“, führte er weiter aus.

Über „weiten Raum“ sprach Stadtsuperintendent Bernhard Seiger im Kölner Dom

Dr. Bernhard Seiger erinnerte daran, dass Gott alle Menschen mit ihren jeweils unterschiedlichen Fähigkeiten erschaffen hat. „Wir sind als Christen auf der ganzen Welt wie eine große Fußballmannschaft, die mit dem guten Geist der Liebe das Spiel des Lebens friedlich, fair und gerecht spielt, damit alle Freude dabei haben können“, führte er aus. „Wir beten für alle Fans, hier und auf der ganzen Welt, dass sie diese Bundesliga mit Freude und Spaß erleben“, fügte Thranberend an.

Anschließend nahm der Sportpfarrer seine Zuhörer mit in die Vergangenheit und erzählte eine etwa 4.000 Jahre alte Geissbock Geschichte. „Und ich hoffe, Sie haben jetzt alle Bock – ‚Geiß-Bock‘ – auf die neue Saison, auf Spiele, auf das Mitfiebern und das ewige Spiel von Stärke und Schwäche, von Sieg und Niederlage“, so Thranberend.

„Beim Fußball geht es um Kunst und Können und es geht natürlich um Sieg und Niederlage“, schloß sich Seiger an. „Um Siegen zu können, kommt es auf so vieles an“, führte er aus. Das wisse jeder, der selber Sport betreibe. Es komme auf die Taktik, die Haltung und die richtige Einstellung zum Spiel an. Er las aus Psalm 31, der erst rund 2.600 Jahre alt ist, wie er betonte – auch hier gab es einige fröhliche Lacher im Dom. Es ginge, wie so oft in Psalmen, dort auch um Sieg und Niederlage. Es gehe um Vertrauen und das Umgehen mit Freude und Schmerz, „also das, was wir als Fußballfreunde auch erleben“, so Seiger.

Sportpfarrer Klaus Thranberend und Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger feierten gemeinsam die FC-Andacht

Jeder Mensch brauche Geborgenheit. Oft gebe es Momente, in denen es Unsicherheiten auszuhalten gelte. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum, dieser Vers in dem Psalm bedeutet doch: Gott will, dass wir aufrecht gehen“, führte der Stadtsuperintendent aus. Dieses Wort sei auch ein wunderbares Wort für den Fußball und den Sport: Räume ausschreiten, das Spielfeld in der ganzen Breite nutzen, der Spielfreude Raum lassen. „Das wünsche ich euch, den Fans und den Spielern des 1. FC Kölns und allen Mannschaften, die in dieser Saison spielen“, schloss er seine Ansprache.

Nun war die Zeit gekommen, einige Fürbitten zu formulieren. Alexander Wehrle bat für die Spieler aller Mannschaften und aller Ligen: „Lass sie weiter spannend und fair spielen und Freude am Sieg, aber auch Gelassenheit bei einer Niederlage haben“. Markus Ritterbach sprach eine Fürbitte für die Zuschauer aus: „Es mögen alle fair miteinander umgehen und den Fans der anderen Mannschaften nicht mit Gewalt und Hass begegnen, denn die anderen sind Konkurrenten, nicht Feinde“. Für diesen Satz kam ganz besonders viel Applaus. Abschließend erklang die Orgelversion der FC-Hymne und alle Fans hoben ihre Schals in die Höhe, auch Fahnen wurden geschwenkt: „Mer stonn zo Dir, FCKölle“. Und das taten sie auch, nach dieser emotionalen, bewegenden und auch humorvollen Andacht beim ersten Heimspiel im Stadion.

Text: Judith Tausendfreund
Foto(s): Judith Tausendfreund