Rolly und Benjamin Brings gestalteten einen schaurig schönen Konzertabend in der Pauluskirche



„Memento Mori – Ne kölsche Dudedanz“ – Rolly Brings

Wer den Namen Brings hört, denkt in der Regel zunächst einmal an die bekannte Mundart-Band, die 1990 von den Brüdern Peter und Stephan Brings sowie Harry Alfter und Matthias Gottschalk gegründet wurde. Doch es gibt noch ein musikalisches Ensemble mit dem Namen Brings, „Rolly & Benjamin Brings“. Auch diese beiden Brings sind vor allem mit kölschen Liedern unterwegs. Dabei spielen sie Gitarre und dies bemerkenswert gut. Rolly Brings, Musiker, mehrfacher Vater, Lehrer und vieles mehr kam nun mit Sohn Benjamin in die Dellbrücker Pauluskirche, um dort „einen kölschen Totentanz“, „ne kölsche Dudedanz“ zu präsentieren. Dabei ging es um Lieder, aber auch um Geschichten von dem, was bleibt, wenn man älter wird. Es ging ums Leben, aber eben auch ums Sterben. Es ging um Geschichten, die man zum Beispiel auf dem Friedhof erlebt.

„Die Toten waren immer ganz intensiv anwesend“

Den Beginn des Konzertes machte ein Stück mit dem Namen „Engel“, der Originaltext stammt ursprünglich von Heinrich Böll. Schon kurze Zeit später ging es um persönliche Erlebnisse und Dinge, die Rolly Brings bewegen, ihn nachdenklich werden lassen, ihn berühren. Die Verbindungen zu seiner Familie sind ihm dabei wichtig: „Ich bin ein Kirch- und Friedhofsgänger. Ich brauche Orte, zu denen ich gehen kann, um dort mit meinen Vorfahren zu reden“, gab er unumwunden zu. „Die beiden Weltkriege haben die Friedhöfe gefüllt und die Familien arm gemacht“, erinnerte Rolly Brings. Vieles aus dieser Zeit sei in seiner Familie besprochen worden. „Die Toten waren immer ganz intensiv anwesend“, formulierte er einen Satz, der Raum zum Nachdenken, aber eben auch Raum zum Schmunzeln ließ. Später ging es um Europa, um eine Halbinsel in Alaska und um einen Mann, der innerlich vereist war – er hatte keine Tränen mehr. Auch der Tod eines Kindes und viele andere schwer zu ertragende Schicksalsschläge wurden thematisiert. Es ging um Zwangsarbeit und um den zehnten November – ja, dieser Auftritt war ein „Dudedanz“, doch es war kein trauriger Abend, sondern ein echtes Erlebnis.

Ein Konzert als Geschenk

„Dieses Konzert ist ein Geschenk, welches wir als Gemeinde von Claudia Zanolli, der Inhaberin der Buchhandlung Domstraße erhalten haben. Und wir haben dieses mit großer Freude angenommen“, berichtete Pfarrer Klaus Völkl. Zanolli habe lange in der Kantorei mitgesungen, daher kenne man sich. „Die Buchhandlung wiederum organisiert immer mal wieder Veranstaltungen und in diesem Zusammenhang kamen wir ins Gespräch“, so Völkl. Zanolli habe von den beiden Brings berichtet und auch über deren besonderen Umgang mit dem Thema Trauer. Diese Idee kam sichtbar gut an, der Zuspruch in der Pauluskirche war deutlich zu sehen, zu spüren und auch zu hören. Denn das Konzert war auch ein Mitsingkonzert, alle Gäste bekamen ein Text- und Programmheft samt Übersetzungen der kölschen Formulierungen zum Mitsingen oder zumindest auch zum Mitlesen.

Eine angenehme Art, Abschied zu nehmen

„Es war sehr schön, so viel zu den Hintergründen zu erfahren und dabei angenehm fromm. Die Religiosität war zu spüren und dabei war die Stimmung dennoch eine humorvolle. Auch die musikalische Qualität des Konzerts war wirklich gut“, beschrieb Völkl den Abend. Gut 20 Lieder präsentierten die beiden Musiker, zum Abschluss gab es den Klassiker Willi Ostermann „Heimweh noh Kölle“ – ein passendes Lied, um den Abend zu beenden. Mitnehmen konnten alle Besucher den Eindruck, dass der Abschied trotz aller Trauer am Ende zum Leben dazu gehört.

Text: Judith Tausendfreund
Foto(s): Judith Tausendfreund