„Meine Kirche in 50 Jahren“



„Meine Kirche in 50 Jahren“

Unsere Kirche in 50 Jahren? Die Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde in 50 Jahren? 50 Jahre sind für die Ekklesia als jahrtausendealte Institution ein kurzer Moment, für die Ekklesia als lokale Gemeinschaft oder Ortsgemeinde ein langer Zeitraum, in dem mehrere Generationen für dauernden Wechsel sorgen und die Umgebung stetem Wandel unterliegt. Wo könnte dies mehr ins Auge fallen als bei den ach so beliebten Jubiläumsfeiern?

2067: Gerade wurde das 100. Jubiläum der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Junkersdorf am 4. Juli mit einem Festgottesdienst und einem Gemeindefest begeistert gefeiert. Ein multimediales Ereignis, bei dem Ort und Zeit aufgehoben scheinen. Auf der Altarwand ist ein riesiger Bildschirm installiert, der nicht nur das Geschehen in der Kirche unterstützt und während der Predigt Bibelstellen einblendet, sondern auch sämtlichen Einrichtungen, Hauskreisen und Gemeindegliedern im Krankenhaus einen interaktiven Zugriff erlaubt. So vermischen sich die Gegenwart und die letzten 50 Jahre wie in einem Traum.

Wegweisung in unsicheren Zeiten
Wie schon bei der Einweihung 1965 und dem 50-jährigen Bestehen im Jahr 2015 erklangen auch diesmal wieder die vom damaligen Kantor vertonten Bonhoeffer-Worte, die weiterhin Wegweisung in unsicheren Zeiten sind. Da die Kirchensteuermittel weitgehend zur Erhaltung der kirchlichen Struktur gerade auch in Diaspora-Gebieten mit starkem muslimischen Bevölkerungsanteil benötigt werden, hat die Bonhoeffer-Gemeinde die weniger zugewiesenen Mittel auf die Erhaltung der Seelsorge konzentriert – und heute einen lebendigen Familiengottesdienst gefeiert.

Roller trifft Rollator
Ja, es gibt sie noch, die vielen Familien, die vor 50 Jahren hergezogen sind. Die damaligen „jungen Eltern“ sind jetzt nach ihrer Zurruhesetzung mit 70, die „jungen Alten“, die zwar aufs Altenteil gesetzt sind, der jungen Generation, die im gnadenlosen Erwerbsleben kämpfen, mit ihrem Tatendrang gehörig auf die Nerven gehen. Da trifft es sich gut, dass schon vor 60 Jahren ein pfiffiges Gemeindeglied die Idee der „Krippe für Senioren“ entwickelt hat, die nach ihrer Veröffentlichung in einer Kita-Zeitschrift überwiegend für Heiterkeit (Roller trifft Rollator!) sorgte.

Aktive Teilhabe der Senioren
Der Gedanke, die aufgrund der demografischen Entwicklung frei werdenden räumlichen und personellen Ressourcen in die aktive Betreuung und Teilhabe der Senioren zu lenken, fiel bei den Verantwortlichen der Gemeinde und dem Investor des schönen Gebäudekomplexes an der Blumenallee auf fruchtbaren Boden. So verbringen an den Werktagen Kinder und Senioren ihre Zeit unter einem gemeinsamen Dach mit gemeinsamer Küche, und manch ein gealterter Erzieher wirkt jetzt als Senioren-Animateur. Nicht etwa zur „Bespaßung“ der Senioren, sondern als Hilfe zur Selbsthilfe mit dem Ziel von participation and empowerment, der umfassenden Teilhabe am gesellschaftlichen und gemeindlichen Leben in jedem Lebensalter – mit welchem Handicap auch immer.

Tombola war gestern
Wie schon vor 50 Jahren hat die Gemeinde auch zum 100. Jubiläum mit ihrer Gemeinschaftsstiftung eine fünf Jahre währende Spenden-Kampagne unter dem Motto „Wir lassen unsere Kirche im Dorf!“ zur Runderneuerung der Gebäude durchgeführt, so dass der gesamte Gebäudekomplex wieder wie vor 100 Jahren erstrahlt. Tombola war gestern, diesmal wurde der Slogan erweitert um den Ruf „Ich will dazugehören!“ und das lasse ich mich auch was kosten. Tatsächlich strömten auch viele Nichtgeladene – über facebook aufmerksam geworden – herbei.

Viele Aktivitäten von Kindern
Die Kirchenoberen waren auch diesmal wieder erstaunt über die vielen Kinderaktivitäten, die insbesondere zur FRÖHLICHKEIT des Gemeindefestes beitrugen. Die Gemeinde kann hierbei nicht nur aus dem Reservoir der geschrumpften Kita schöpfen, sondern auch auf die vielen Fördermaßnahmen und Aktivitäten des „Vereins für Bildung und Betreuung in der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde“ zurückgreifen. Er bietet außerhalb des so beschränkten Kirchensteuerhaushaltes sinnvolle und wertevermittelnde Betreuung, während die Eltern im verschärften Erwerbsleben kämpfen und die Renten nicht nur für die eigenen Eltern, sondern auch noch für die Großeltern-Generation erwirtschaften müssen.

Neue Kampagne zum 550. Luther-Jubiläum
Nachdem der eigens für dieses Fest zusammengetrommelte Spontan-Chor einige mitreißende Luther-Songs dargeboten hatte, eröffnete die Gemeindepfarrerin die neue Kampagne zum 550. Luther-Jubiläum 2067! Anschließend wurde, wie bei den Gemeindefesten üblich, umgeräumt und die Birkenallee versammelte die Community zum „Dinner in White“. Nicht anders wie im Jahre 2015 und 2017 genießen die Menschen auch 50 Jahre später, in einer Zeit der Bedrohung durch Kriege und Umweltkatastrophen, die Entspannung in der Community, aber auch in der Gemeinde als Glaubensgemeinschaft.

Text: Regina Doffing
Foto(s): Privat