Wenn Gewalt in Partnerschaften zum Thema wird, geht es um mehr als Einzelschicksale – es geht um gesellschaftliche Verantwortung, ums Hinsehen und ums Handeln. Unter diesem Vorzeichen stand ein eindrucksvoller Abend in der Erzengel-Michael-Kirche am 26. November 2025: Im Rahmen der Orange Days kamen Betroffene, Fachleute und Engagierte zusammen, um Stimmen hörbar zu machen, Wege aus der Gewalt aufzuzeigen und die gesellschaftliche Verantwortung für dieses allgegenwärtige Thema zu betonen.
Einfühlsame Lesungen – klare Botschaften

Die Veranstaltung eröffnete Mariele Millowitsch, renommierte Theater- und TV-Schauspielerin sowie Schirmherrin der Spendenkampagne „Du bist wertvoll“ der Stiftung der Diakonie Michaelshoven. Mit ihrer Lesung einer autobiografischen Geschichte einer betroffenen Frau aus einer unserer Wohngruppen verlieh sie der oft unsichtbaren Gewalt ein Gesicht und sorgte für einen intensiven, emotionalen Einstieg. Die Kampagne setzt sich für Frauen und Kinder ein, die häusliche Gewalt erfahren haben – ein Anliegen, das Mariele Millowitsch mit großer Klarheit und Empathie hervorhob.
Im Anschluss las Barbara Peveling aus ihrem Buch „Gewalt im Haus. Intime Formen häuslicher Gewalt“. Die Ethnologin, Autorin und Journalistin teilte sowohl wissenschaftliche Perspektiven als auch eigene Erfahrungen. Ihre Worte machten deutlich, wie vielfältig Gewaltformen sein können und wie tief sie in Beziehungen und gesellschaftlichen Strukturen verwurzelt sind.
Handlungsmöglichkeiten und Perspektiven für den Alltag
Besonders praxisnah wurde der Abend durch den Beitrag von Marina Walch, Leiterin der Frauenberatungsstelle und des Gewaltschutzzentrums „Der Wendepunkt“. Sie beantwortete zentrale Fragen: Was kann ich tun, wenn ich Gewalt vermute? Wann sollte die Polizei gerufen werden? Wie spreche ich Betroffene sensibel an? Marina Walch stellte konkrete Handlungsmöglichkeiten vor und gab Besucherinnen und Besuchern Orientierung, wie Prävention, Zivilcourage und Unterstützung im Alltag gelingen können.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von der FLINTA*-Band BUBS, die mit ihren Songs Atmosphäre schuf und den Abend klangvoll abrundete. Die Moderation übernahm Cordula von Wysocki, die sicher und einfühlsam durch das Programm führte.
Weitere Veranstaltung: „WeiterLeben“ trotz Flucht-, Asyl- und Gewalterfahrungen
Ein Abend unter dem Titel „WeiterLeben“ bringt am Mittwoch, 10. Dezember, 18.30 Uhr, in der Evangelischen Nathanaelkirche, Escher Straße 160, Stimmen, Erfahrungen und Hoffnungsgeschichten zusammen. Mit Impulsen von Atefa Zafari und Helene Batemona-Abeke sowie Eindrücken aus der Wanderausstellung „Zuflucht geben – gemeinsam hoffen“ schafft die Veranstaltung Raum für Austausch und setzt zum Tag der Menschenrechte sowie zum Abschluss der Orange Days ein bewusstes Zeichen der Ermutigung. Dazu wird ein einfaches Abendbrot angeboten. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Melanchthon-Akademie, dem Diakonischen Werk Köln und Region, der Evangelischen Nathanael-Kirchengemeinde Köln-Bilderstöckchen sowie dem Ökumenischen Netzwerk Asyl in der Kirche in NRW e. V. statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist erwünscht unter anmeldung@melanchthon-akademie.de oder telefonisch unter 0221/9318030.
Foto(s): Diakonie Michaelshoven
