„Macht Euch auf den Weg“ Rheinischer Aussendungsgottesdienst in Stommeln
Katrin Stelzmann, Pfarrer Christoph Hittmeyer, Ulrich Christenn Klaus Fengler und Pfarrer Volker Meiling (von links) gestalteten den Gottesdienst.

„Macht Euch auf den Weg“ Rheinischer Aussendungsgottesdienst in Stommeln

Schon beim Betreten der katholischen Pfarrkirche St. Martinus in Stommeln wussten die Besucherinnen und Besucher, worum es ging. Die katholische Caritas und die evangelische Diakonie begrüßten die Gottesdienstteilnehmerinnen und -teilnehmer, die zu einem großen Teil in den nächsten Wochen zur Adventssammlung ausschwärmen werden, um an den Haustüren gemeinsam Geldspenden zu sammeln.

Am Eingang der katholischen Kirche begrüßte der evangelische Pfarrer Volker Meiling die Kirchenbesucherinnen und -besucher, bevor er gemeinsam mit seinem katholischen Kollegen Christoph Hittmeyer den Aussendungsgottesdienst zelebrierte. Zusammen mit den beiden Pfarrern gestalteten Katrin Stelzmann vom Caritas Verband Rhein-Erft und Klaus Fengler vom Diözesan-Caritasverband sowie Pfarrer Ulrich Christenn von der Diakonie den Gottesdienst.

Gelebte Ökumene – gemeinsame Gebete

Pfarrer Hittmeyer eröffnete den Gottesdienst mit einer Begrüßung. „Wir bringen Gottes Segen zu den Menschen“, war sein Hinweis auf die bevorstehende Aussendung der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Sie beteten gemeinsam mit Pfarrer Meiling im Wechsel, bevor dieser das Evangelium passend zum Thema verlas. Im Evangelium nach Matthäus, Kapitel 10, wird berichtet, wie Jesus seine 12 Jünger auf die Aussendung vorbereitete. „Jesus gab seinen Jüngern Macht über das Böse. Geht und treibt Dämonen aus, geht und weckt Tote auf. Jesus betonte, dass keine persönliche Bereicherung passieren darf: „Umsonst sollt Ihr das machen.“

Aufruf in der Predigt: „Macht Euch auf den Weg“

Pfarrer Meiling ging in seiner Predigt auf das eben verlesene Evangelium ein. „Macht euch auf den Weg – das ist der Auftrag Jesu an jeden von Euch.“ Er sagte ausdrücklich danke dafür, „dass Ihr Euch auf den Weg machen wollt in der Nachfolge Christi.“ Die Kirche sorge für alle, die im Abseits stehen. „Es gibt so viele Menschen, die Unterstützung brauchen. Man sieht es nicht gleich. Vielen hier in Stommeln geht es ja gut. Aber das gilt bei weitem nicht für alle.“ Direkt an die Sammlerinnen und Sammler gerichtet betonte Pfarrer Meiling, „es ist gut, dass es Menschen gibt, die helfen.“

Besonders stolz ist er auf die Tatsache, dass katholische und evangelische Helferinnen und Helfer gemeinsam sammeln. Verteilt würden die Spenden nach dem Schlüssel zwei zu eins auf Caritas und Diakonie, das entspreche genau dem Verhältnis von katholischen und evangelischen Christen in Stommeln. „In der Not gibt es kein katholisch oder evangelisch. Getrennt zu sammeln wäre quatsch.“ Jesus habe seinen Jüngern einen Auftrag gegeben, „wir haben genau diesen Auftrag in der heutigen Zeit.“ Die Hilfsbereitschaft der Stommeler sei enorm.

„Wir sind mehr als die 12 Jünger, die Jesus damals hatte.“ Wichtig sei, dass die Christen etwas ändern wollen. „Jesus gibt uns die Kraft dazu, Ihr seid die Verkünder, Ihr zeigt, dass wir etwas anderes wollen, dass Euch die Bedürftigen nicht egal sind.“ Viele Menschen würden ja denken, man könne sowieso nichts machen, aber das Evangelium sage genau das Gegenteil. „Zeichen setzen ist das Motto der Sammlung, danke, dass Sie helfen, dass Sie ein Zeichen der Ökumene setzen!“

Vertreterinnen und Vertreter von Caritas und Diakonie betonen das Gemeinsame

Nach einem Lied stellte Pfarrer Meiling die Vertreter von Caritas und Diakonie kurz vor und befragte sie zu ihrer Arbeit. Katrin Stelzmann hat mit dem Bezirk Rhein-Erft ein riesiges Gebiet zu betreuen. „Ich fahre durch 18 Seelsorgebereiche, überall erlebe ich, dass Caritas Nächstenliebe bedeutet.“

Besonders gut findet sie die ökumenische Aktion in Stommeln, so etwas habe sie nirgendwo gesehen, „das habe ich erst durch Pfarrer Hittmeyer erfahren.“ Ulrich Christenn von der Diakonie berichtet, dass diese Sammlung schon seit 60 Jahren von beiden Organisationen gemacht wird. „Es gibt in der Tat nur wenige Gemeinden, die das so organisieren.“ Klaus Fengler vom Diözesan-Caritasverband betont, wie wichtig die übergreifende Solidarität ist. „das ist so super, dass wir das hier zusammen machen.“ Auch bewunderte er, dass es hier einen so einfachen Verteilschlüssel gibt, „da gibt es bei uns noch Nachholbedarf.“ Pfarrer Meiling betonte, dass fast alles Geld in konkrete Projekte der Organisationen gehe, so gut wie nichts in der Verwaltung hängen bleibe und fünf Prozent an besonders belastete Gemeinden verteilt werde.

Abschlussfrage – was hat sich verändert?

Alle waren sich einig – in Sachen Adventssammlung hat sich einiges verändert in den letzten Jahrzehnten. „Heute herrscht viel mehr Anonymität, viele Leute machen gar nicht mehr die Haustür auf, andere haben gar kein Bargeld mehr zuhause.“ Für die Sammlerinnen und Sammler ist es aber wichtig, persönlich mit den Menschen zu reden. „Wir werden keine Sammler-App oder so etwas einrichten“, so Pfarrer Meiling. „Dort, wo Sie persönlich ein Zeichen setzen, funktioniert die Sammlung. Wir wollen ein Zeichen der Hoffnung gebe.“

Gemeinsames Gebet und Aussendung

Mit einem Lied zum Thema Hoffnung wurde zum gemeinsamen Gebet übergeleitet. „Wir beten jetzt das Vaterunser, das Gebet, das uns ökumenisch verbindet.“ Mit einer Bitte an Gott, „dass ich die Not der anderen sehe, mein Herz öffne und dass niemand ohne Beistand bleibt“ wurde zum Segen übergeleitet. Anschließend trafen sich alle zu Weckmännern und Tee am Kirchenausgang, um die Flyer für die Adventssammlung in Empfang zu nehmen.