„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“: Ehrenamtstag mit Workshop zu „Gewaltfreier Kommunikation“ in Mauenheim
Referentin Korf, Pfarrerin Lindenthal und GFK-Trainerin

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“: Ehrenamtstag mit Workshop zu „Gewaltfreier Kommunikation“ in Mauenheim

Liebe zu sich selbst, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und auszudrücken, ermöglicht tiefe und friedvolle Beziehungen zwischen Menschen – und damit ein Zusammenleben im Sinne Gottes: Diese Erkenntnisse haben die Teilnehmenden beim Ehrenamtstag des Kirchenkreises Köln-Nord gewonnen. Sie bekamen am Samstag bei einem Workshop einen praktischen Einblick in das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) des US-amerikanischen Psychologen Marshall Rosenberg. Rund 20 Frauen sind aus vielen Gemeinden des Kirchenkreises Köln-Nord in die Mauenheimer Philipp-Nicolai-Kirche gekommen. Fast alle sind ehrenamtlich aktiv. „Mich freut es, dass das Thema ‚Gewaltfreie Kommunikation‘ auf so viel Interesse stößt, auch wenn ich mich über ein paar interessierte Männer mehr, gefreut hätte“, sagte Susanne Zimmermann, Pfarrerin in der Kirchengemeine Köln-Mauenheim-Weidenpesch und Synodalbeauftragte für das Ehrenamt, die den Tag organisiert hat.

Dass es bei der Gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg um mehr geht, als eine Sprache ohne Schimpfwörter und Vorwürfe, wurde den Teilnehmenden schnell klar. Das Konzept sei nicht nur eine Kommunikationsstrategie, sagte Katja Korf, die den Workshop leitete. Die Lindenthaler Pfarrerin lässt sich gerade zur Trainerin für die GFK ausbilden. Vielmehr sei GFK auch eine innere Haltung. Zu dieser gehöre, seine eigenen Bedürfnisse zu erkennen und auszudrücken. Eindrücklich spürten das die Teilnehmenden bei einer Übung, bei der sie sich bewusst machten, welche ihrer Bedürfnisse ihre ehrenamtliche Tätigkeit eigentlich erfüllt, was sie daran glücklich macht und was auch manchmal herausfordernd ist. GFK-Entwickler Rosenberg hat erkannt, dass es in gelungenen zwischenmenschlichen Beziehungen wichtig ist, sich zu den eigenen Bedürfnissen zu bekennen – bei der Liebe zum Nächsten gehört also auch die Liebe zu sich selbst dazu. Die GFK sei zur Ehre Gottes gelebte Nächsten- und Selbstliebe, sagte Pfarrerin Zimmermann. „Nur Letzteres, das mit der Selbstliebe, vergessen wir leider manchmal.“

Die Gewaltfreie Kommunikation kennt vier Schritte, die Korf mit den Teilnehmenden detailliert besprach und die sie in Übungen gleich umsetzen konnten. Als erster Schritt steht die Beobachtung einer Situation. Dabei geht es vor allem darum, zu trennen, was wirklich geschehen und was eigene Interpretation sei. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass sie im Alltag viele Situationen kennen, in denen sie etwas voreingenommen wahrnehmen. Um Konflikte einvernehmlich zu lösen, sei die Trennung aber sehr wichtig, sagte Korf. „Das im Alltag anzuwenden, kann man üben.“ Zweiter Schritt bei der Methode ist es, bei sich selbst (und beim Gesprächspartner) die Gefühle zu ergründen, die eine Situation auslöst. Dafür sollten sich die Teilnehmenden in eine realistische Situation versetzen: Sie sind mit ihrem Partner um 20 Uhr verabredet, und er erscheint nicht pünktlich. Während einige der Teilnehmenden sich schon sehr früh Sorgen gemacht hätten, sagten andere, bei ihnen hätte in dieser Situation die Wut überwogen. „Es ist sehr wichtig, dass man sich seiner Gefühle bewusst wird, um sie dann auch ansprechen zu können“, sagte Korf.

Als drittes gelte es, zu verstehen, welche Bedürfnisse hinter den Gefühlen stehen. So erarbeiteten die Teilnehmenden, die in diesem Fall für sie entscheidenden Bedürfnisse. Einerseits wollten sie wissen, wo sich der Partner befindet und andererseits wünschten sie sich seine Nähe und Gemeinschaft. Rosenberg war überzeugt, dass alle Menschen die gleichen Bedürfnisse haben: Körperliche Bedürfnisse, Geltungsbedürfnisse, Entspannungsbedürfnisse, Bedürfnisse nach sinnvoller Arbeit und nach Humor. Nur die sogenannten Strategien – die konkrete Umsetzung – seien unterschiedlich. Einige Teilnehmerinnen gaben zu bedenken, dass es wohl Situationen gebe, in denen man nie auf einen Nenner käme, etwa, wenn ein Verfechter und ein Gegner der Todesstrafe miteinander streiten würden. Allerdings war sich Korf sicher, dass mit Gewaltfreier Kommunikation auch so eine Diskussion friedlich ablaufen könne: „Rosenberg hätte gesagt, dass die Todesstrafe nur eine Strategie ist, für die zugrundeliegenden Bedürfnisse: Sicherheit und Gerechtigkeit.“ Und von diesem Punkt aus könne man auf einer ganz anderen, einander näheren Ebene nach Strategien suchen, die das Bedürfnis nach Sicherheit und Gerechtigkeit für beide Diskussionsparteien zufriedenstellend lösen.

Vierter Schritt der GFK ist es, aus diesen Erkenntnissen eine Bitte zu formulieren. „Ich finde, man merkt einen Unterschied im Umgang mit Menschen, wenn man die GFK anwendet“, berichtete Korf von eigenen Erfahrungen. Selbst mit Menschen, die einem nicht auf Anhieb sympathisch seien, könne man auf einer sehr tiefgründigen Ebene kommunizieren und spüre eine gewisse Verbindung. Dieser verbindende Effekt ist auch der Grund, warum Pfarrerin Zimmermann die GFK als Thema für den Ehrenamtstag ausgesucht hatte: „Die Jahreslosung ist in diesem Jahr: Suche Frieden und jage ihm nach (Psalm 34,15). Und friedfertige Kommunikation ist ein Stück ganz konkret gelebter Beitrag dazu!“

Text: Julius Fiedler
Foto(s): Julius Fiedler