Dr. Bernhard Seiger und Jan Ehlert



„Lasst uns loslegen“ – Einführungsgottesdienst für Pfarrer Jan Ehlert

Ein neuer Lebensabschnitt, ein Aufbruch sei der Neuanfang für Jan Ehlert. Und, aus der Sicht der Gemeinde ein Einstieg, der auch mit Erwartungen verknüpft sei – mit diesen Sätzen beschrieb Pfarrer Dr. Bernhard Seiger, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Süd, den Beginn der Amtszeit des neuen Pfarrers der Gleueler Kirche am Hofacker. Er richtete dabei den Blick auf alle Beteiligte. „Wir sind dankbar, dass Jan Ehlert zu uns kommt“, betonte Seiger. Dies zeigte sich sicherlich auch an dem sehr gut besuchten Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche.

Aufbruch

Vor gut zwei Wochen hattendas Presbyterium und Superintendent Dr. Bernhard Seiger, Pfarrerin Ute Grieger-Jäger in den Ruhestand verabschiedet. Nun waren alle wieder zusammen gekommen, um die Zukunft zu begrüßen. „Dieser Sonntag heißt Jubilate, es ist ein schöner Tag, der viel Grund zur Freude mit sich bringt, denn nun beginnt ein neuer Abschnitt“, so Seiger. Vieles werde neu sein für Ehlert und seine Familie, die entschieden habe, sich in Hürth niederzulassen. „Das Alte ist vergangen, dies feiern wir an Ostern. Wir schärfen dabei den Blick für das Neue und heute geht es um das Neue“, so der Superintendent. Von Ehlert wusste er, dass dieser an Hürth die Nähe zum städtischen wie auch zum ländlichen Leben schätze. „Hier lässt sich das Gute des ländlichen mit dem Guten des städtischen Lebens verbinden – so entsteht viel Austausch und Bewegung zwischen Dingen, die gegensätzlich sind. Entwicklung, Innovation, Kommunikation und Experimentierfreude gehören dazu“, führte er weiter aus.

Der Festgottesdienst orientierte sich an dem Psalm „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ und Jan Ehlert blickte gemeinsam mit der Gemeinde nach vorne. Er thematisierte in seiner Ansprache die weniger werdenden Mitglieder in allen Kirchengemeinden und benannte in dem Zusammenhang das Wort „Apokalypse“. „Wenn ich auf das Jahr 2060 blicke, frage ich mich, wie wir uns wohl ausrichten werden“, gab er zu. „Eine Mehrheitskirche waren wir – zumindest hier rund um Köln, nie“, schmunzelte er. Als Kind habe er jedoch gemeinsam mit vielen anderen die Bibelwochen erlebt – damals sei die Stimmung noch anders gewesen. Doch, auch dies betonte er, gäbe es viele Probleme wie Kriege und Hungersnöte, die wahrlich schlimmer seien. „Apokalypse ist nicht das richtige Wort, eigentlich geht es uns doch gut, auch wenn sich vieles ändern wird“, so Ehlert.

„Lasst uns loslegen, liebe Gemeinde“

Die Zukunft der Kirche solle sich nicht an etwaigen Austritten orientieren, sondern an der Ausstrahlungskraft, die Kirche nach wie vor habe. „Das können wir alle beeinflussen“, forderte er die Gäste auf. Er berichtete dabei durchaus auch von eigenen Zweifeln: „Ich wollte zunächst etwas anderes studieren, doch dann habe ich mich hineinbewegt, in unsere Kirche“, so Ehlert. Nach und nach habe er sich verändert und die Veränderung als positiv erlebt. Die Gemeinde dürfe nicht stehen bleiben. Kirche entstehe dort, wo Sakramente gereicht werden, aber auch dort, wo Menschen sich austauschen und von der Kraft Gottes sprechen. „Dort, wo diese Kraft spürbar wird, wo wir zusammen feiern“, so der Pfarrer. Er betonte auch, dass er Lust habe, sich aufzumachen und „den weiten Raum zu erkunden, auf den Gott uns gestellt hat“. „Und wenn die Menschen lieber in ein Strandbad gehen, statt in die Kirche, dann lasst uns doch dort hingehen“, so Ehlert. „Es gibt viel zu entdecken, wenn wir uns auf den Weg machen, mit Gott“.

Jan Ehlert

Jan Ehlert hat von 2005 bis 2013 evangelische Theologie an der Universität Bonn und der Kirchlichen Hochschule Wuppertal studiert. Von 2013 bis 2016 hat er sein Vikariat in Wuppertal absolviert. 2017 hat er eine zertifizierende Bibelerzählausbildung besucht. Er war zudem von 2016 bis 2018 Gemeindepfarrer der Evangelische Kirchengemeinde Troisdorf, Kirchenkreis an Sieg und Rhein, 2016 bis 2019 beim Landeskirchenamt Pfarrer für Onlinekommunikation und von Januar bis April 2019 als Vakanzvertretung Gemeindepfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Birk, Kirchenkreis an Sieg und Rhein.

Text: Judith Tausendfreund
Foto(s): Judith Tausendfreund/EKiR (Anna Siggelkow)