Kunst auf Kirchenbänken in der St. Johannes-Kirche Köln-Deutz

Kunst auf Kirchenbänken in der St. Johannes-Kirche Köln-Deutz

„Zusammenleben ist eine Kunst und entsteht im 'Atelier zwischen den Menschen!“ – Mit diesem Zitat von Joseph Beuys begrüßte Pfarrerin Susanne Marie Koschmider die Besucherinnen und Besucher der St. Johannes-Kirche zur Vernissage des Kunstprojekts „Freiheits-tRäume“. Gut 150 Menschen kamen zur Ausstellungseröffnung in die evangelische Kirche.

Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils, Kunstinteressierte, Künstlerinnen und Künstler, Freunde und Bekannte begrüßte Pfarrerin Koschmider persönlich. Eine stimmige Atmosphäre begleitete die Ausstellung und die Menschen, die sie besuchten: Ganz gleich, ob man jemanden kannte, der Sprache mächtig war oder nicht – die Kunst, ihre Schöpfer und die, die gekommen waren, um sie zu betrachten, sie kamen schnell miteinander ins Gespräch.

Farb-Quadrate für die Künstler-Gruppen
Auf den eigens für die Ausstellung schräg und quer gestellten Kirchenbänken verteilten sich auf jeder einzelnen sechs bis acht Exponate, weiß gerahmt, im Format 23 x 23 cm. Unterhalb jeder Bank verwies ein Farb-Quadrat auf die jeweilige Künstler-Gruppe. In einem Flyer, der durch die Ausstellung begleitete und im Foyer der Kirche zum Mitnehmen auslag, fanden sich die Quadrate schließlich wieder.

Workshop von Hasan Hüseyin Deveci
Als Koschmider zum Mikrophon griff, lud sie zunächst Hasan Hüseyin Deveci, Künstler und Kunstpädagoge, und Kerstin Schneider, Diakonin und Sozialarbeiterin, ein, mit ihr zusammen die Begrüßung zu übernehmen und die Aktion „Freiheits-tRäume“ vorzustellen. Ein Dank ging dabei an die zahlreichen Mitwirkenden, die die Ausstellung mit ihren Werken gestalten hatten, an einzelne Gruppen und deren Gruppenleitungen – jedes Mal folgte tosender Applaus. Auch eine Gruppe syrischer Flüchtlingskinder gehört zu den Teilnehmenden. In dem von Hasan Hüseyin Deveci geleiteten Workshop „Sehnsüchte“ zeigten sie, dass sie eine eigene Ansicht auf das haben, was sie erleben mussten.

„Hand ab, kein Bein. Rot ist Blut“
Der neunjährige Akram sieht aus wie ein ganz normaler Neunjähriger. Doch wenn er beginnt, sein Bild zu beschreiben, dann beschreibt er seine Heimat Syrien, die er mit seinen Eltern und seiner Schwester verlassen musste, um zu überleben. „Erst war‘s schön, dann war alles kaputt“, sagte Akram und erklärte sein Bild: „Der Himmel ist blau, die Häuser sind kaputt. Aus dem Helikopter fallen Bomben. Menschen haben keine Arme mehr oder Hand ab, kein Bein. Rot ist Blut.“ Akram wünscht sich: „Das soll alles weggehen und wieder schön werden.“

Kalligraphie, Kollagen und Ebru-Kunst
187 weitere Bilder – geschaffen mit unterschiedlichen Techniken, unter anderem mit der aus Persien kommenden und Jahrhunderte alten Ebru-Kunst, bei der auf Wasser gemalt wird. Auch Kollagen, kreiert aus Dingen des täglichen Lebens, und kalligraphische Bilder luden zur Betrachtung ein und schufen den Raum, miteinander in den Austausch zu kommen.

Dank an Pollogne Singers und die ASG
Mit einer beeindruckenden Klanginstallation des Stücks „Die Gedanken sind frei“ zog dann auch der Gospel-Kirchenchor Pollogne Singers die Aufmerksamkeit auf sich. Kantor Daniel F. Konrad begleitete diesen musikalischen Höhepunkt, für den sich die Gemeindepfarrerin herzlich bedankte. An anderer Stelle spielte Organist Bertold Seitzer das Stück "Aalaiki'ssalaam" (Friede sei mit dir) von Naji Hakim, als musikalischen Beitrag zum interkulturellen Dialog, den das Projekt befördern wollte. Zwischen den einzelnen Teilen des Stückes wurden interaktiv Worte in verschiedenen Sprachen (deutsch, englisch, französich, italienisch, türkisch, kurdisch, arabisch, griechisch ….) vorgetragen: Freiheit, Raum, Träume, zwischen, zusammen, Musik, Friede sei mit dir.

Ein weiterer Dank galt der AntoniterSiedlungsgesellschaft mbH (ASG), die mit ihrem Projekt „AntoniterStärktGemeindeleben“ ihren Teil zum Erfolg der Ausstellung beigetragen hat.

Verkauf auf dem Adventsmarkt
Noch bis Donnerstag, 27. August, kann die Ausstellung besucht werden: dienstags in der Zeit von 15 bis 17 Uhr während des Bistro-Cafés, mittwochs in der Zeit von 10 bis 12 Uhr während der Büroöffnungszeiten und auf Anfrage unter Telefon 0221/20 47 35 47. Von Dienstag, 1. September, bis Samstag, 19. September, ist die Ausstellung in den am Projekt beteiligten Institutionen und anderen Räumlichkeiten rund um die „Deutzer Freizeit“ zu sehen. Und am Samstag, 28. November, werden auf dem Adventsmarkt in der evangelischen St. Johannes-Kirche die zur Verfügung gestellten Bilder zugunsten eines neuen Kunstprojekts mit Flüchtlingen verkauft.

Bibel, Kunst und soziale Arbeit
Das Kunstprojekt Freiheits-tRäume ist Teil der biblioart ®, einer Langzeitfortbildung für Pfarrerinnen und Pfarrer, in deren Mittelpunkt Themen aus der Bibel, die Kunst sowie die soziale Arbeit stehen. Mehr Informationen zu diesem Projekt finden Sie auf der Website der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Text: Bettina Emmerich
Foto(s): Ilkay Gül Arseven