Kriegskinder verleihen ihrer Trauer Ausdruck: Zum ersten Mal kann ich weinen!



Kriegskinder verleihen ihrer Trauer Ausdruck: Zum ersten Mal kann ich weinen!

Melanchthon-Akademie: Erinnerungskultur in Köln

 

„Wir sind einen Weg gegangen, der war wichtig, und den wollen wir jetzt weiter gehen“. Mit diesem Vorhaben verabschiedeten sich Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Veranstaltungsreihe „Erinnern/vergessen – Gerechtigkeit erhöht ein Volk“  Anfang diesen Jahres.

Worum ging es? In dem Workshop „Der Krieg und die vergessene Trauer“ setzten sich so genannte Kriegskinder (Menschen ab 60) mit ihrer persönlichen Erinnerung an die Geschehnisse während des Zweiten Weltkriegs auseinander – unabhängig  von der Frage nach Schuld. Vielmehr wurde gefragt „Was habe ich verloren?“ „Habe ich überhaupt jemals getrauert“ und „Wie bin ich mit meinen Erfahrungen in meiner Familie umgegangen?“ Einheitlich äußerten sie den Wunsch nach einem Sprachraum, der es ihnen ermöglicht, sich des eigenen Verlustes bewusst zu werden – jetzt nach dem Ausstieg aus dem Beruf oder mit Beginn eines neuen Lebensabschnitts. „Zum ersten Mal kann ich weinen“ teilte eine Teilnehmerin den anderen mit und hatte damit auch schon ein „Ziel“ des Workshops erreicht: die Sensibilisierung für die eigene Trauer, den eigenen Verlust und die Suche nach Ritualen.

 

Veranstaltet wurde die Reihe, in der es Vorträge, Lesungen, und Diskussionen gab, in Erinnerung an den Frankfurter Auschwitz-Prozess vor genau 40 Jahren von der Melanchthon-Akademie, dem Verein EL-DE-Haus und dem Theater „Tiefrot“. „Wir haben als Kirche und als Akademie die Aufgabe, über die gemeindliche und pastorale Seelsorge hinaus, danach zu fragen, wie unsere Erinnerungsarbeit und Gedenkkultur zum  Beispiel in der Stadt Köln aussehen müsste“, meint Pfarrerin Birgitte Gensch, Initiatorin der Reihe, die sich über die positive Resonanz der Teilnehmenden gefreut hat und jetzt den „Weg weiter gehen“ will:

 

Workshop: Der Krieg und die vergessene Trauer, Mittwoch, 17. November, 15 bis 18 Uhr, Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24b.

Ganz allmählich kommen die erlittenen Verluste und Versehrungen des Zweiten Weltkriegs zur Sprache – privat und öffentlich. Der Workshop gibt Raum, der eigenen Erinnerung Ausdruck zu verleihen und „Gesten“ der Trauer und des Trostes zu finden. Er richtet sich an Betroffene der Kriegskinder-Generation.

 

Vortrag und Diskussion: Der Krieg und die vergessene Trauer, Mittwoch, 17. November, 18.30 Uhr bis 21 Uhr, Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24b.

Es ist notwendig nach einer kollektiven Erinnerungskultur zu fragen, welche die Traumata auch der deutschen Kriegs- und Nachkriegsgeneration zum Ausdruck bringt. Die Veranstaltung wird dieser Fragestellung nachgehen.

 

Gastreferentin ist Dr. med. Helga Spranger, Ärztin und Psychotherapeutin, die sich schon lange mit der Problematik von „Kriegskindern“ beschäftigt hat – vor allem auf Tagungen der evangelischen Akademie Bad Boll.

 

Die Teilnahme kostet pro Veranstaltung 10 Euro. Anmeldung bis 12. November 2004 an die Melanchthon-Akademie, Telefon 0221/93 18 03-0.

 

Text: Angelika Knapic
Foto(s): Melanchthon-Akademie