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Krankenhausseelsorger Wolfgang Jacobs geht in den Ruhestand

Die schwierigen Situationen im Leben sind es, die Wolfgang Jacobs schon seit jeher gereizt haben. Neben seinem Theologiestudium hat er beim Evangelischen Zentralinstitut in Berlin eine Ausbildung zum Ehe-, Lebens- und Paarberater absolviert. Schon damals hatte er den Wunsch, später einmal eine Beratungsstelle zu leiten. In der Krankenhausseelsorge fand er schließlich seine Berufung.

Wolfgang Jacobs wartet schon im Foyer des Krankenhauses Hohenlind. Den evangelischen Krankenhausseelsorger kennen hier im katholischen Haus wohl alle. Auf dem langen Weg zu seinem Büro ist von allen Seiten ein freundliches „Guten Tag“ und „Hallo“ zu hören. Ärzte und Pfleger wissen: Wenn der Pfarrer kommt, nimmt er uns ein gutes Stück Arbeit ab. Denn Zeit, sich die persönlichen Sorgen und Nöte der Patienten anzuhören, hat das medizinische Personal zu wenig. Anders Wolfgang Jacobs: Wo der evangelische Seelsorger auftaucht, öffnet sich so manches Herz.

Gespräche berühren auch Kriegserfahrungen
„Meistens geht es um Ängste im Zusammenhang mit der Erkrankung“, sagt er wenige Tage vor seinem Ruhestand. Wenn er einen Besuch am Patientenbett macht, nimmt er sich die Zeit, zuzuhören. Doch immer wieder stellt er erstaunt fest, dass gerade ältere Menschen sehr schnell auf Kriegserfahrungen zu sprechen kommen. Verlust, Vertreibung, der Tod von Angehörigen sind die Themen, die auch noch nach 70 Jahren in den Menschen hochkommen, wenn es ihnen selbst nicht gut geht.

„Hier funktioniert auch die Ökumene gut.“
Für rund 200 Betten ist Jacobs mit seiner halben Stelle zuständig. Es ist ein Haus, in dem Seelsorge sehr gefragt ist, freut sich Jacobs. „Hier funktioniert auch die Ökumene gut.“ Mit dem katholischen Kollegen und der Pastoralreferentin nebenan entscheidet Jacobs wöchentlich, wer welche Zimmer auf den Krankenstationen besucht, unabhängig von der Konfession. Manche Patienten besucht er auch mehrmals. „Das Zuhören hilft“, sagt er, gerade bei onkologischen Patienten. Oft beschäftigt die Menschen die Frage der Endlichkeit, der Trauer. Patienten und Angehörige empfinden es als Erleichterung, mit jemandem über den Glauben zu sprechen. Auch das Personal findet bei Jacobs immer ein offenes Ohr, denn manchmal brauchen sie selbst Hilfe, um die Patienten auf ihrem Leidensweg zu begleiten.

Empfehlung am Ende des Gesprächs
Dem Ruhestand sieht der 65-jährige Wolfgang Jacobs mit gemischten Gefühlen entgegen. Denn in seinem Amt als Krankenhausseelsorger hatte Jacobs viele Aufgaben. Als Mitglied im Ethikkomitee moderierte er mehrmals im Jahr ethische Fallbesprechungen: Die werden mit Ärzten, Pflegepersonal, Sozialarbeitern, Physiotherapeuten und Seelsorgern anberaumt, wenn unterschiedliche Vorstellungen zu einer kritischen Behandlung bestehen. Am Ende des einstündigen Gesprächs stand eine Empfehlung, die allerdings nicht verbindlich für die Ärzte ist.

Pflegende lernen den Umgang mit Sterben und Tod
Einmal wöchentlich war der Seelsorger auch in der Krankenpflegeschule anzutreffen. Dort lehrte er, wie die Pflegenden mit den Themen Sterben und Tod umgehen können. Eine wichtige Rolle nahm er auch ein, wenn es um die Sammelurnenbestattung für totgeborene Kinder geht. Eltern können dort noch einmal Abschied nehmen. Zudem war noch der evangelische Gottesdienst einmal im Monat in der Krankenhauskapelle vorzubereiten. Und alle zwei Monate wurde Jacobs zur Rufbereitschaft der Kölner Krankenhausseelsorger eingeteilt.

Theologiestudium in Bethel
Zu seiner Aufgabe als Krankenhausseelsorger im Elisabeth-Krankenhaus in Köln-Lindenthal ist Wolfgang Jacobs erst vor 14 Jahren gekommen. Zuvor hat er in seiner beruflichen Laufbahn Einblicke in die verschiedenen Arbeitsbereiche eines Pfarrers bekommen. Bis 2000 war er 20 Jahre lang Schulpfarrer an einer Gesamtschule. Davor leitete der gebürtige Wuppertaler eine Gemeinde in seinem Heimatort, nachdem er von 1973 bis 1977 dort sein Vikariat absolviert hatte. Und zwischendurch freigestellt war, um sein Pädagogikstudium zu beenden. Sein Theologiestudium absolvierte er in Wuppertal an der Kirchlichen Hochschule und an der Bonner Universität.

Weitere Aufgaben nach der Pensionierung
Fragt man Wolfgang Jacobs nach seiner Berufung, so wird schnell klar, dass sein Herz für die Krankenhausseelsorge schlägt. „Hier hat man mit Menschen zu tun, die in der Krise sind“, sagt er und ergänzt: „Hier bin ich Schicksalen begegnet, die mich sehr bewegt haben.“ Auch nach seiner Pensionierung wird Jacobs noch viele Aufgaben wahrnehmen. Zum Beispiel als freiberuflicher Berater oder als Mitglied in verschiedenen Arbeitskreisen und Fördervereinen. Aber in einem anderen Takt und mit mehr Zeit für seine Familie, den Haushalt und die Enkel.

Text: Anne Siebertz
Foto(s): Anne Siebertz