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Kopftuch, Kreuz und Kipa: Wieviel Religion im Staat? Streitgespräch im Dellbrücker Forum

Das Thema beschäftigt europäische Gemüter vor allem in Frankreich und Deutschland schon seit Monaten: Wieviel religiöse Symbole verträgt der Staat? Wieviel staatliche Regelung veträgt die Freiheit der Religionsausübung?  Ist ein Komplett-Verbot aller religiöser Symbole wie in Frankreich wirklich die Lösung? Gibt das Kopftuch Frauen ein Stück Freiheit oder ist es immer und automatisch ein Symbol der Unterdrückung? Werden Vorurteile geschürt oder erleichtert es die Integration, wenn Frauen qua Gesetz das Tragen von Kopftüchern verboten wird? Und wo bleibt bei einem Verbot die religiöse Toleranz, wo die Trennung von Staat und Kirche?

Unter dem Motto „Kopftuch, Kreuz und Kipa: Wieviel Religion im Staat?“ werden am Donnerstag, 18. März um 20 Uhr im Dellbrücker Forum (Christuskirche Dellbrück, Bergisch-Gladbacher Str.848) unter der Leitung von Arnd Henze (WDR) folgende Menschen ein Streitgespräch führen: Wolfgang Bosbach (CDU, Mitglied des Bundestags), Manfred Kock (Präses im Ruhestand) Nadja El-Ammarine (Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen Köln e.V.), Micha Guttmann (Publizist).

Wolfgang Bosbach begründet: „Warum wir das Kopftuch nicht wollen“ unter der Berufung auf Bundespräsident Johannes Rau: „Man könne ‚die Mönchskutte nur schwer verteidigen‘, wenn man das Kopftuch als religiöses Zeichen an Schulen verbiete, so der Bundespräsident, der die ‚Gleichbehandlung aller Religionen‘ fordert. Ausgehend von der staatlichen Verpflichtung zur Neutralität in religiösen Fragen könnte man dem jedoch nur solange zustimmen, wie es sich bei den vom Bundespräsidenten zum Vergleich herangezogenen Symbolen auch ausschließlich um religiöse handelt. In Bezug auf das Kopftuch ist das aber gerade nicht der Fall. Zwar ist es auf der einen Seite Glaubensbekenntnis; auf der anderen Seite aber ist es Symbol für eine ganz bewußte, kulturelle, zivilisatorische Abgrenzung zur Mehrheitsgesellschaft in unserem Land und auch Sinnbild der Unterdrückung der Frauen in islamischen Ländern und ihrer fehlenden Gleichberechtigung. Vor diesem Hintergrund ist ein Vergleich des muslimischen Kopftuchs mit christlichen Symbolen wie z.B. dem Kreuz schlichtweg unverständlich.“
Den kompletten Aufsatz von Bosbach finden Sie hier, seine Homepage hier.

Die von Johannes Rau zitierten Äußerungen hat er unter dem Titel „Religionsfreiheit heute – zum Verhältnis von Staat und Religion in Deutschland“ am 22. Januar 2004 in Wolfenbüttel zum Festakt des 275. Geburtstags von Gotthold Ephraim Lessing gehalten. Sie ist im vollen Wortlaut hier  nachzulesen.

Präses Nikolaus Schneider hat eine mögliche laizistische Lösung im so genannten Kopftuchstreit als  „zu simpel“ abgelehnt. Religiöse Symbole dürften nicht aus dem öffentlichen Raum verbannt werden, sagte Schneider in seinem Präses-Bericht an die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR).  Schneider erklärte weiter, „authentische religiöse Identität“ gehöre zu den Grundlagen dieses Staates, ohne vom Staat geschaffen zu sein. Er halte das Kopftuch zwar nicht generell für das Zeichen eines fundamentalistisch orientierten Islams, sondern für ein individuelles religiöses Zeichen. Den ganzen Text können Sie hier nachlesen.

Text: AL/Dellbrücker Forum
Foto(s): www.kopftuch.info