„Köln zeigt Haltung“ – Aufnehmen, Hierbleiben, Solidarität
Südstadtpfarrer Hans Mörtter und Çiler Fırtına moderieren das "Soli-Konzert"

„Köln zeigt Haltung“ – Aufnehmen, Hierbleiben, Solidarität

„Weg frei! Für eine sofortige Aufnahme Flüchtender“ – mit dieser Forderung an die politischen Parteien im Bundestagswahlkampf hat „Köln zeigt Haltung“ zu einem Konzert mit Kundgebung am Sonntag, 12. September, geladen.  Im Mittelpunkt steht die Aufforderung an den neuen Deutschen Bundestag, seine Flüchtlingspolitik zu überarbeiten und konkreter an Innenminister Horst Seehofer den sogenannten „Sicheren Häfen“ zu erlauben, mehr Geflüchtete aufzunehmen.

Hinter der Veranstaltung „Köln zeigt Haltung“ stehen der Kölner Flüchtlingsrat e.V., Kölner Runder Tisch für Integration, Katholikenausschuss Köln, Lutherkirche, Wir haben Platz und viele mehr.

Zusammen mit Çiler Fırtına, Verein El-De-Haus e.V. moderiert Südstadtpfarrer Hans Mörtter an der Südbrücke. Bei „Köln zeigt Haltung“ handelt es sich um ein stadtweites Bündnis. Seit 2019 ist Köln eine von 267 Städten, die sich als „Sichere Häfen“ erklärt haben. „Sie wollen aufnehmen, aber sie dürfen nicht aufnehmen“, erklärt Mörtter „und das muss sich ändern.“ Mörtter fordert einen Paradigmenwechsel, der mit der Bundestagswahl in zwei Wochen beginnen soll.

Kölner Flüchtlingsrat, ver.di und Kölner Willkommensinitiative

Claus Ulrich Prölß, Geschäftsführer des Kölner Flüchtlingsrats

„Seit Jahren blockiert das Bundesinnenministerium solche Programme durch die Bundesländer Menschen in höchster Not aus Krisengebieten oder von den EU-Grenzen bei sich aufzunehmen und ihnen Schutz geben zu wollen. Die monatelange Blockade einer schnellen und umfassenden Aufnahme von Ortskräften und Schutzsuchenden aus Afghanistan dokumentiert eine von Abwehr und Angst geleitete Politik, die Menschenleben kostet“, kritisiert Claus Ulrich Prölß, Geschäftsführer des Kölner Flüchtlingsrats.

„Unsere bei der Deutschen Welle, der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und der Bundeswehr beschäftigten Mitglieder und ihre Personalräte fürchten um das Leben ihrer afghanischen Kolleginnen und Kollegen. Sie haben die Arbeit deutscher Institutionen und Medien erst möglich gemacht. Wir alle haben kein Verständnis für die Kälte und Menschenverachtung deutscher Sicherheitsbehörden, die diese Menschen im Stich lassen“, sagt Heidrun Abel, Vorsitzende der Gewerkschaft ver.di im Bezirk Köln-Bonn-Leverkusen.

„Wir wollen alle, die Schutz brauchen, aufnehmen, denn es ist genug Platz da. Das gilt für die Flüchtenden auf den griechischen Inseln, an den Grenzen der EU in Bosnien und derjenigen, die aus Afrika kommen und dringend vor dem Ertrinken bewahrt werden müssen“, bekräftigt Marianne Arndt von den Kölner Willkommensinitiativen.

„Das Gebot der Nächstenliebe gilt immer und allen Umständen.“

Gregor Stiels und Bernhard Seiger fanden deutliche Worte

Auch Vertreter der beiden großen christlichen Kirchen waren Teil der Kundgebung und hatten eine klare Botschaft. „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Wir stehen hier in ökumenischer Verbundenheit, weil wir in unseren Kirchen eine gemeinsame Haltung haben“, so Stadtsuperintendent Bernhard Seiger, und weiter: „Die Würde jedes Menschen ist der Grundton unserer Lebenshaltung. Wir erleben eine verrückte Zeit, in der vieles unsicher geworden ist: Coronakrise, Flutkrise, Klimakrise, die menschliche Tragödie in Afghanistan. Das sind alles schwierige Themen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Aber in allem, was schwierig ist, muss unser Kompass stimmen. Als Christen schätzen wir das Gebot der Nächstenliebe. Es gilt immer und unter allen Umständen. Alles, was wir mit Verstand und Herz tun, muss sich an diesem Gebot messen lassen.“

Seiger begrüßt diese Kundgebung, weil sie „aufrüttelt und spüren lässt, welches Leid Menschen erleben, die sich zur Flucht entschließen und auf den Fluchtrouten nicht weiterkommen.“ Besorgt äußert er sich mit Blick auf die EU-Außengrenzen, die Lage in den Flüchtlingslagern und die Lebensgefahr auf hoher See. „Die Schaffung von humanitären Bedingungen in den Flüchtlingslagern und die Seenotrettung ist eine humanitäre Pflicht Europas und aller seiner Mitgliedsstaaten. Ob geflüchtete Menschen dann einen Asylstatus oder eine Duldung in einem europäischen Land erlangen oder nicht, muss in fairen Verfahren geklärt werden. Aber die Würde jedes Menschen ist unantastbar.“

Der Stadtsuperintendent freut sich über den Beschluss des Kölner Stadtrates von vor zwei Jahren, mit dem sich Köln zum „sicheren Hafen“ erklärt hat. „Ich lebe gerne in einer Stadt, der die Not von Menschen auf der Flucht nicht egal ist. Ich lebe gerne in einer Stadt, die zugleich realistisch ist und weiß, dass die Fluchtgründe nur global gelöst werden können. Die Aufnahme Geflüchteter ist eine europäische Aufgabe.“ Die evangelische Kirche trägt ihren Teil dazu bei und unterstützt geflüchtete Menschen. Hinter ihr stehen die Diakonie, viele Gemeinden, unsere Beratungsarbeit und Sprachkurse sowie zahlreiche Ehrenamtler.

Gregor Stiels, Vorsitzender des Katholiken Ausschusses, fordert von der Politik, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, notfalls auch gegen den Willen von Sicherheitsbehörden für eine humanitäre Aufnahme zu sorgen: „Daran werden wir Ihre Wahlaussagen messen.“

Zahlreiche prominente Unterstützerinnen und Unterstützer

Zahlreiche Rednerinnen und Redner sowie Musikgruppen unterstützen die Aktion. Unter ihnen: Brings, Klüngelköpp, Planschemalöör, Fortuna Ehrenfeld, Michael Kokott und Chöre, Heidrun Abel von ver.di und Vero Däges von #WirHabenPlatz. Sie alle folgten der Einladung Pfarrer Mörtters und transportierten ihre Botschaft mit Sprache und/oder Musik.

Text: APK
Foto(s): APK