Darf man lügen?



Kirche2go mit Pfarrer Sebastian Baer-Henney zum Thema: „Du sollst nicht lügen“

Darf ich Lügen? Dieser Frage geht diesmal Pfarrer Sebastian Baer-Henney bei Kirche2go auf den Grund. In Zeiten von Fakenews und Sensationsberichten, von gefälschten Bildern und bewusst falsch gestreuten Nachrichten fällt es schwer, nicht auf Lügen und Unwahrheiten hereinzufallen. Doch warum lügen wir? Wieso halten wir uns so ungern an das Gebot: „Du sollst nicht lügen?“ Wieso sagen lieber oft die Unwahrheit als uns mit der einfachen Wahrheit zu begnügen? ,,Denn“, so Baer-Henney ,,wo ich es nötig habe zu lügen, da habe ich entweder ein Problem mit den Menschen mir gegenüber oder mit mir selbst. Das heißt, Lügen sind Ausdruck von einer Beziehung die gestört ist. Letztlich geht es für mich um die Frage, wie komme ich eigentlich ehrlich durchs Leben?“ Diese Frage versucht Baer-Henney auf seine ganz besondere Art und Weise zu beantworten und bringt, wie so oft, schlüssige und plausible Antworten, die in ihrer Klarheit verblüffen und erstaunen!

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Der ganze Inhalt des Beitrages zum Nachlesen:

Es gibt so eine Spannung, einerseits dieses Gebot: „Du sollst nicht lügen“ und andererseits dieses Bild von dem lauernden Gott, der mit Zornesblitzen im Himmel hockt und darauf wartet, dass man irgendwelche Fehltritte begeht. Das passt überhaupt nicht zu dem Gott, der an Weihnachten Kind geworden ist und der für unsere Schuld gestorben ist. Dazu später mehr. Aber Gott ist keiner der darauf lauert ob ich Fehler mache. Das heißt: Gott sitzt nicht da mit einem Block und notiert sich, wann ich gegen seine Gebote verstoßen. Ich würde anders herum vorgehen: Gott möchte mit den Geboten die er uns gibt in Beziehungen zu uns treten und er hat genau wie wir, ein Interesse daran, dass das Leben hier auf der Erde und die Beziehung mit Gott, gelingen kann. Das heißt, wenn ich nicht lügen soll hat das ja schon auch den Hintergrund, dass es vielleicht ganz gut ist nicht zu lügen. Gott wirkt hier auf der Erde und ich mache mit, in diesem Wirken Gottes, das heißt als Christ, als Anhänger von Jesus ist es meine Aufgabe an seinem Reich hier auf der Erde mit zu bauen. Und da baut man einfach schlecht auf Lügen. Eine Beziehung, die mit einer Lüge beginnt hat es oft schwer durchzukommen. Wo ich es nötig habe zu lügen, da habe ich entweder ein Problem mit den Menschen mir gegenüber oder mit mir selbst. Das heißt, Lügen sind Ausdruck von einer Beziehung die gestört ist. Letztlich geht es für mich um die Frage, wie komme ich eigentlich ehrlich durchs Leben? Und ist es nicht so, dass Ehrlichkeit mich in der Beziehung weiter bringt als Unehrlichkeit. Es gibt natürlich Momente, wo Ehrlichkeit schwierig ist, z.B wenn mein Sohn fragt, was ist eigentlich in dem großen Päckchen da auf dem Kühlschrank, ist das für meinen Geburtstag nächste Woche? Und was ist da drin? Dann kann ich sagen: ja, da ist ein neues Playmobil-Piratenschiff drin. Oder ich kann sagen: ach das brauche ich für die Arbeit. Das ist, wenn man streng sein will, eine Unwahrheit und doch würde ich sagen , dass das keine Lüge ist, weil es kein Ausdruck einer fehlgeleiteten Beziehungen ist. Gute Beziehung? Gott will dass es gut läuft zwischen uns und zwischen uns Menschen hier auf der Erde und da ist einfacher mit der Wahrheit, nämlich „Du sollst nicht lügen“ weil Dir das einfach nicht gut tut. Es tut uns nicht gut. Nicht der lauernde Gott sondern der Gott der gelingende Beziehungen steckt dahinter und diesen Gott den habe ich gerne, weil ich glaube, dass er mir Gutes tut!

Text: APK
Foto(s): APK/Thorsten Levin