„Heute feiern wir etwas ganz Besonderes: Unser neues Kinder- und Jugendhaus Spökes wird eröffnet“, leitete Oliver J. Kießig den Familiengottesdienst in der Melanchthonkirche ein. Dem zentralen Thema wandte sich der Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Zollstock auch in seinem Impuls und schließlich bei der Widmung des Zentrums neben der Kirche zu. „Dessen Angebote stehen allen Kindern und Jugendlichen im Stadtteil offen, ganz unabhängig von einer Gemeindezugehörigkeit“, verdeutlichte Kießig im Nachgespräch.
Susanne Schubert als neue Leitung eingeführt

Passend zur Einweihung führte der Pfarrer auch die neue Kinder- und Jugendleiterin Susanne Schubert in ihr Amt ein. Schubert sei in Zollstock schon lange als Presbyterin, Musikerin in der Hausband bekannt, würdigte sie Kantorin Barbara Bannasch. Selbstredend trugen die Hausband und der Gospelchor unter der Leitung der Kirchenmusikerin mit etlichen Liedern zur Gestaltung des Gottesdienstes bei. In seiner Predigt verband Pfarrer Kießig die aus dem Lukasevangelium gelesene Geschichte vom zurückgekehrten und von seinem Vater vorbehaltlos angenommenen Sohn mit dem Willkommensein der Menschen bei Gott und der Gäste im Spökes. An diesem Ort sollen zahlreiche kleine und große Geschichten entstehen. „Geschichten über Freundschaft, von Spiel und Spaß, von Gespräch, aber auch von Streit und Versöhnung. Vielleicht wird hier gebastelt und gekocht, gespielt und gelacht, getanzt und geträumt. Vor allem aber soll es ein Haus sein, in dem sich Menschen wohlfühlen dürfen. Ein Ort, an dem man ernst genommen wird, gehört wird und angenommen ist – so, wie man ist.“
Das Fundament: Vertrauen und Liebe
„So ein Haus braucht ein gutes Fundament“, hob Oliver Kießig hervor. „Nicht aus Beton oder Holz, sondern ein Fundament aus Vertrauen, Respekt, Offenheit und Liebe.“ Genau darum gehe es im gerade gehörten Gleichnis von einem Vater und seinen zwei Söhnen. Der jüngere wolle frei sein, raus aus dem Alltag, raus aus der Familie und mit seinem Erbe hinein in die weite Welt. Irgendwann laufe für ihn in der Fremde alles schief. „Das Geld ist weg, Freunde sind weg, Glück ist weg, nichts ist mehr da.“ Da erinnere er sich an sein Zuhause, seinen Vater, an die ihn früher begleitenden Menschen. Nachdem er so viel falsch gemacht habe, habe er jedoch bezweifelt, zurückkommen zu können, als sei nichts geschehen. „Dann passiert das Unglaubliche. Der Vater erwartete seinen Sohn schon“, beschrieb Kießig die Situation. Er rannte ihm von Weitem entgegen, umarmte ihn, bevor der Sohn nur ein Wort habe sagen können. Statt Vorwürfen nur offene Arme und ein großes Fest. „Für den Vater zählt, dass sein Sohn wieder da ist, dass er lebt und zurückgefunden hat.“ Genau das sei das Herz der von Jesus erzählten Geschichte. „Gott ist wie ein Vater, eine Mutter. Gott wartet, Gott sieht, Gott kommt uns entgegen.“ Wenn wir uns verirrten, wenn wir Fehler machten, wenn wir glaubten, dass wir nichts mehr wert seien – dann mache Gott die Türen weit auf. „Gott freut sich, wenn wir wiederkommen.“
Ein Haus für alle – mit offenen Armen

„Deshalb passt diese Geschichte so wunderbar zum heutigen Tag“, stellte Pfarrer Kießig fest. „Denn unser Kinder- und Jugendhaus soll ein Ort sein, an dem genau das Wirklichkeit werden darf.“ Ein Ort, an dem man willkommen sei, „ganz egal, wie der Tag war. Ein Ort, an dem man lachen und weinen darf, reden oder einfach still sein. Ein Ort, an dem man sich ausprobieren kann, ohne perfekt sein zu müssen. Auch ein Ort, an dem man wieder neu anfangen darf, wenn einmal etwas schiefgelaufen ist.“ Vielleicht könne man auch einmal sauer sein, wie der ältere Bruder in der Geschichte. „Der, der eigentlich alles richtig gemacht hat und sich übergangen fühlt. Auch seine Gefühle nimmt der Vater ernst.“ Auch er sei eingeladen, Teil des Festes zu sein, Teil der großen Freude.
Freundeskreis Spökes gegründet
„Das ist echte Gemeinschaft. Nicht alles ist immer einfach. Aber es gibt einen Ort, an dem Menschen füreinander da sind. Wo niemand allein gelassen wird. Wo nicht gezählt wird, wer besser ist, sondern wo gefeiert wird, dass jeder einzelne Mensch zählt.“ Oliver Kießig wünschte dem Spökes, dass es ein Ort genau wie das Haus des Vaters werde: offen, freundlich, voller Leben und voller Liebe. „Und dass Gott hier spürbar ist. Im Lachen der Kinder, im Mut der Jugendlichen, im Einsatz der Erwachsenen, im Miteinander von allen zusammen.“ Kießig wandte sich insbesondere an die Kinder und Jugendlichen: „Möget ihr hier eine Heimat finden, Menschen, die euch zuhören, Räume, in denen ihr träumen dürft und Türen, die auch offen stehen wie die Arme des Vaters in Jesu Geschichte.“
Ein solches Kinder- und Jugendhaus könne nicht allein aus Kirchensteuermitteln finanziert werden, so Kießig. Daher habe man sich entschieden, einen Freundeskreis des Spökes zu gründen, warb er um finanzielle Unterstützung jeglicher Größenordnung. Mit einer Dauerspende von monatlich mindestens zehn Euro werde man Mitglied des Freundeskreises. Als sichtbares Zeichen werde eine kleine Anstecknadel verliehen. Leiterin Schubert durfte sich über den Pin mit der Seriennummer Eins freuen.
Trotz Regens – das Fest beginnt
Ursprünglich habe man den Gottesdienst draußen feiern wollen, unmittelbar vor dem Kinder- und Jugendhaus, berichtete der Pfarrer. Leider habe der Dauerregen eine Planänderung herbeigeführt. Gleichwohl bat Kießig die Gemeinde, für die Einweihung der neuen Einrichtung und den Abschluss der Liturgie vom Kirchsaal in das Zentrum zu wechseln. Beim Gang von einem zum anderen Ort stieg Besuchenden der Geruch von Reibekuchen und Gegrilltem in die Nase. Denn auf dem Vorplatz hatten viele Ehrenamtliche bereits die Stände für das anschließende Gemeindefest errichtet. Klein und Groß erlebten schließlich im Spökes die offizielle Übergabe. „Schenke allen, die hier zusammenkommen, Freude am Spielen, Lernen, Ausprobieren und Begegnen. Lass sie hier Freundschaft, Respekt und Zusammenhalt erfahren“, erbat Pfarrer Kießig Gottes Segen. „Erfülle diesen Ort mit deiner Nähe, deinem Segen und deiner Liebe. Begleite alle, die hier arbeiten, helfen und mitgestalten, mit Geduld, Mut und Herz.“
Warum der Name „Spökes“?
Ein lebendiges Kinder- und Jugendhaus habe der Gemeinde schon lange am Herzen gelegen, informierte Presbyter Boris Raab bereits im ersten Gemeindemagazin 2025: „Nachdem die befreundete katholische Gemeinde ihren Kindergarten nicht mehr übergangsweise in unseren Räumlichkeiten unterbringen musste, haben wir nun die Möglichkeit, diese Räume für ein solches Projekt zu nutzen.“ Es umfasse mehrere Räume, verfüge über ein attraktives Außengelände, eine komplett eingerichtete Küche sowie Sanitäranlagen. Auf den Namen Spökes, der übersetzt werden kann mit „harmlos Unsinn treiben“ oder „sich einen Spaß erlauben“, hat sich das Presbyterium im letzten Herbst geeinigt. Das Leitungsorgan findet laut Raab, dass ein solcher Begriff mit einem Augenzwinkern die Jugendarbeit einer in einem Kölner Veedel beheimateten Kirchengemeinde gut darstellt.
Foto(s): Engelbert Broich
