Veronika Metzger mit den Kantoreispatzen



Kinder predigen über die Schöpfungsgeschichte – Musicalgottesdienst in der Martin-Luther-King-Kirche in Hürth

Aufgeregt und voller Erwartung standen die kleinen Sängerinnen und Sänger zwischen drei und 14 Jahren an diesem Sonntag in der Kirche. In einem Musicalgottesdienst Ende September in der Martin-Luther-King-Kirche in Hürth sangen und spielten die Kantoreispatzen der Evangelischen Kirchengemeinde Hürth die Schöpfungsgeschichte nach Joseph Haydn. Die bunte Dekoration hatten sie an Projektwochenenden mit Unterstützung der Eltern selbst entworfen und gebastelt. Da gab es Watte auf Karton als Wolken, Bunte Bänder als Regen und Wind, die Sonne strahlte als quietschgelber Lampion und allerlei lustige tierische Köpfe guckten von hohen Stangen.

Durch Singen die Bibelgeschichten kennenlernen

Einen Erwachsenenchor gibt es in fast jeder evangelischen Kirchengemeinde. Ein Kinderchor, bei dem schon die Allerkleinsten dabei sein dürfen, ist eher selten. Veronika Metzger wuchs in der Evangelischen Gemeinde Hürth auf, engagierte sich ehrenamtlich in der Kinder und Jugendarbeit, studierte Kirchenmusik und ist seit rund 15 Jahren Kantorin ihrer Heimatgemeinde. Genauso alt ist der Kinderchor, den sie damals gründete und bis heute leitet.  Mit ihren Kantorei-Spatzen hat sie schon in der Köln-Arena mit Marie-Luise Nikuta gesungen, eine CD aufgenommen, einen Film gedreht und jedes Jahr mindestens ein Musical aufgeführt. 2019 ist das Haydn-Jahr, was Veronika Metzger zum Anlass nahm, die Kinder auch mal an ein klassisches Werk heranzuführen. Ihr gefällt auch die Sprache an diesem Werk, das Joseph Haydn gerade für Kinder geschrieben hat. Die Kinder können sich das relativ leicht erarbeiten, sie singen natürlich nicht das ganze Werk, sondern ein paar Chöre daraus, so Metzger.

Schon die Allerkleinsten sollen sich in der Kirche wohlfühlen

„Mir ist es wichtig, dass sie die Bibelgeschichten kennen lernen und das machen wir über die Musik. Ich hoffe immer sehr, dass die Kinder, dann sonntags mit ihren Eltern in den Gottesdienst gehen und die Kirche auch als Wohlfühlraum empfinden“, sagt Veronika Metzger. Den Kinderchor, bei dem schon die ganz Kleinen mitsingen dürfen, sieht sie als wichtige Gemeindearbeit. Engagiert und mit viel Herzblut führt sie die Kinder an die Musik heran und versucht dabei sowohl authentisch und ehrlich zu sein als auch ihnen gewisse Regeln vorzuleben. „Mir ist es wichtig, dass sie die Botschaft von Gottes Liebe verstehen, dass sie sich in der Gruppe wohlfühlen und dass sie Gemeinschaft spüren  – das alles versuche ich zu vermitteln.“

Dass sich die Kinder in der Gruppe wohlfühlen, ist zu spüren an diesem Sonntagvormittag. Fröhlich stehen sie vorne in der Kirche, manche selbstversunken und erstaunt, andere neugierig und offen. Frei und zwanglos bewegen sich alle. Größere stehen als Kuschelpartner für die Kleineren zur Verfügung und unterstützen sie dabei, die verschiedenen Requisiten an der richtigen Stelle der Musik und der Erzählung hinter dem grünen Vorhang hervorzuholen. Die Berge und die Wolken brauchen mehrere Hände, Windbänder und Tiere sind genug für alle da. Dazu gibt es dann noch passende Gebärden. „Das ist immer eine ganz tolle Möglichkeit, den Kindern Lieder beizubringen, weil sie sich über die Körpererfahrungen den Text gut merken können.“

 Kinder predigen über die Schöpfungsgeschichte

Dass an diesem Sonntag nicht sie selbst, sondern die Kinder predigen, passt für Pfarrerin Christiane Birgden gut ins Gemeindekonzept. „Im Gottesdienst kommen Menschen zusammen, um Gott zu feiern und eine Bibelstelle steht im Mittelpunkt. Ich glaube, dass man sich eine Bibelgeschichte nicht besser erarbeiten kann als wenn man sie selber durchlebt. Und genau das haben die Kinder getan und die Schöpfungsgeschichte auf ihre Weise erzählt. Mir ist immer ganz wichtig, dass die Kinder nicht auftreten. Das ist keine Bühne, das ist kein Theaterstück, sondern sie predigen an dem Tag und insofern ist das eine von unseren vielen Gottesdienstformen, die wir haben.“

Vor dem Gottesdienst haben die Kinder ganz viel gemeinsam geprobt, gesungen, gebastelt, gemeinsam Brot gebacken und vieles mehr. Danach werden die Melodien zuhause weitergesungen und strahlen aus. Ein sehr positiver, nachhaltiger Effekt, findet Birgden. Jetzt stehen natürlich erst einmal die Proben für die weihnachtlichen Krippenspiel für Veronika Metzger und die Kantorei-Spatzen auf dem Programm. Aber für das nächste Jahr gibt es schon neue Pläne: Die Geschichte von Bileam und seiner Eselin soll dann musikalisch erzählt werden, die Premiere ist für den 7. Juni 2020 in der Friedenskirche in Efferen geplant.

Text: Jutta Hölscher
Foto(s): Jutta Hölscher