Beate Meurer und Pfarrerin Eva Esche arbeiten beide für den Ambulanten Hospizdienstes in der Innenstadt von Köln



„Keiner soll alleine sterben müssen, wenn er nicht möchte!“ – Ehrenamtspreis 2018 für Ambulanten Hospizdienst

Sterbende und ihre Familien fühlen sich oft nicht nur allein – sie sind es. „Um schwerkranke Menschen machen viele einen Bogen“, beobachtet Beate Meurer, Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes für die Innenstadt Köln seit Jahren. „Die Angst, etwas Falsches zu tun oder etwas Ungeschicktes zu sagen hält andere auf Distanz“, vermutet sie. „Dabei gibt es zwischen „richtig“ und „falsch“ ganz viele Möglichkeiten“, ergänzt Eva Esche, Pfarrerin der Thomaskirche in Köln und Vorsitzende des Arbeitskreises und Fördervereins des Hospizdienstes. Oft würde es genügen, nicht wegzulaufen, sondern – wenn gewünscht – einfach zu bleiben. „Sterben ist ja kein Notfall!“ Und gerade für diese oft schwere Aufgabe sind auch die vielen zumeist ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des Hospizdienstes da. Aus diesem Grund erhalten sie auch den Ehrenamtspreis 2018 der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), der in diesem Jahr unter dem Leitwort „Denn wir sind Gottes Mitarbeiter“ steht. Die Verleihung findet im September statt und ist mit 1.000 Euro dotiert.

2002 gründete Pfarrerin Eva Esche noch während ihres Vikariats den Hospizdienst für die Kölner Innenstadt und rannte damit offene Türen ein. „Das Thema brannte mir unter den Nägeln, das tut es heute noch“, erklärt sie mit Nachdruck. Inzwischen können die beiden Verantwortlichen auf einen konstanten Fundus aus rund 50 Ehrenamtlichen zurückgreifen, die auf Anfrage hin in die Haushalte und Familie gehen. Dort unterstützen sie Schwerkranke und Sterbende und begleiten sie. „Wir bringen mit, was Ärzten, dem Pflegepersonal und manchmal auch den Angehörigen nicht zur Verfügung steht: Zeit“, beschreibt Beate Meurer ihre Aufgabe. Allein die Gegenwart und Aufmerksamkeit eines anderen Menschen tun gut. Dabei Worte für das zu finden, was schwer zu begreifen ist, hilft vor allem auch den Angehörigen. „Wenn ein geliebter Mensch stirbt, möchte man keine Hilfe unterlassen. Und loszulassen ist manchmal auch unendlich schwer, gerade wenn der Sterbende noch jung ist“, weiß Pfarrerin Eva Esche. Oft gilt es einfach, zu akzeptieren, dass der Tod der nächste Schritt ist – nur ist das nicht immer „einfach“. Es ist dann hilfreich, jemanden dabei zu haben, der auf Nuancen achtet, kleine Veränderungen registriert und den Angehörigen auch signalisieren kann, wenn es nur noch wenige Schritte bis zum Ende des Weges sind. Letztlich braucht es Einfühlungsvermögen, Menschlichkeit und Offenheit. Eva Esche fasst zusammen: „Wir sollten uns alle einmal fragen, ob wir eine Verfahrensanweisung für das Sterben brauchen. Wollen wir vorgeschriebene Schritte, wenn unser Leben endet? Wieviel Professionalität braucht denn das Sterben?“

„Die meisten Menschen möchten in ihrem eigenen Zuhause sterben“, weiß Beate Meurer. Damit das zumindest in der Kölner Innenstadt möglich ist, bildet sie gemeinsam mit Pfarrerin Esche jedes Jahr neue Ehrenamtliche jeden Alters, Konfession und beruflichen Hintergrundes aus. Frauen sind häufiger vertreten, „immer mehr Männer trauen sich jedoch auch diese Aufgabe zu“, erklärt die Koordinatorin. Selbstreflektion und die eigenen Erlebnisse mit dem Sterben haben dabei eine Schlüsselfunktion. „Wir leiten an, vermitteln Erfahrungen und bieten natürlich auch langfristig Unterstützung und Supervision“, schildert Beate Meurer den internen Schulungsweg. Ein Entsendungsgottesdienst bildet den Abschluss der Vorbereitungszeit. „Konfessionen und Religionen sind hierfür nicht ausschlaggebend“, ergänzt Pfarrerin Esche. „Es ist uns wichtig, über den kirchlichen Tellerrand zu schauen und unsere Ehrenamtlichen einfach gesegnet auf ihren Weg zu schicken.“ Nicht jeder, der die Befähigung erhalten hat, ist aber auch befähigt. Manchmal steht am Ende der Schulungszeit auch die Erkenntnis, dass der richtige Zeitpunkt für diese Aufgabe noch nicht gekommen ist – vielleicht, weil sich das eigene Leben verändert hat oder persönliche Erfahrungen noch nicht verarbeitet wurden. Umentscheiden darf sich jeder. Die Übrigen, die ihre Aufgabe antreten, schildern ihr Ehrenamt als Bereicherung.

Auch Beate Meurer und Eva Esche bringen sich aktiv ein und sammeln seit über 15 Jahren ihre Erfahrungen in der Sterbebegleitung. „Man spürt, wenn der Tod im Raum steht“, sagt die Pfarrerin. „Dann muss man ihm Platz machen.“ Ist der letzte Atemzug getan, stehen die Angehörigen des Verstorbenen oft mit der letzten aller Fragen vor ihr. „Meine Antwort ist immer: „Ja!“, sagt sie. „Er ist jetzt gut aufgehoben.“

Text: Claudia Keller
Foto(s): Claudia Keller und Dirk Gebhard