Jubilate-Forum Lindlar: Die Vision eines neuen Gemeindezentrums und Mehrgenerationenhauses wird bald Realität

Jubilate-Forum Lindlar: Die Vision eines neuen Gemeindezentrums und Mehrgenerationenhauses wird bald Realität

Als „größte Investition seit dem Bau der Jubilate-Kirche 1954“ bezeichnete Friedemann Knizia, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Lindlar, das neue Projekt, dessen Fertigstellung nun langsam absehbar ist: Das Jubilate-Forum neben der Kirche, als Gemeindezentrum und Mehrgenerationenhaus angelegt, hat schon deutliche Fortschritte gemacht. Nun, bei der Grundsteinlegung, versammelten sich rund 100 Menschen auf der Baustelle und überzeugten sich von den Fortschritten.

Ort der Begegnung und Kommunikation
Und es ist wahrlich ein großes Projekt für die Lindlarer Protestantinnen und Protestanten. Was ursprünglich als Modernisierung des vorhandenen Gemeindezentrums begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem zukunftsweisenden Neubau mit einer Ausstrahlung auf den ganzen Ort Lindlar und zu einem Vorzeigeprojekt im Bereich des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. Als Ort der Begegnung, „wie das Forum in der Antike“, so Knizia, soll das neue Zentrum Menschen aller Generationen zusammenbringen. „Es soll Harmonie ausstrahlen, um sich darin wohl zu fühlen, aber auch anregend sein, um darin kreativ tätig zu werden“, schwärmte Architekt Dirk Harms, der mit seinen Partnern Kirsten Schou-Harms und Armin Meurer das Vorhaben planerisch begleitet.

Finanzierung aus eigener Kraft ohne Kredite
Als das Vorhaben Anfang des neuen Jahrtausends in den Köpfen reifte, wurde schnell klar, dass eine einfache Modernisierung des Gemeindezentrums nicht ausreichen würde. „Werner Koch, unser stellvertretender Presbyteriumsvorsitzender, hat eine umfassende demografische Analyse vorgelegt, die gezeigt hat, dass sich die bisherigen Gemeindestrukturen stark verändern werden“, erklärte Knizia. Daraufhin wurde das Konzept eines Mehrgenerationenhauses entwickelt, dass nicht nur als Treffpunkt für die Gemeindeglieder, sondern als kommunikativer Ort für alle Bürger ausgelegt ist. Ein weiterer Baustein im Konzept war das frühere Grundstück der Gemeinde neben der Jubilate-Kirche. Um den Neubau zu stemmen, musste die Gemeinde das Areal verkaufen. Erworben hat es die Antoniter Siedlungsgesellschaft (ASG), die dort Wohnhäuser inklusive Demenzbereich errichtet. Zwischen dieser neuen Siedlung und dem Forum soll es intensive Beziehungen geben, beide zusammen mit der Jubilate-Kirche, gruppiert um einen Kirchhof, ein stimmiges Ensemble bilden. Und nicht zuletzt hat der Verkauf des Grundstücks dazu geführt, dass das 1,3 Millionen Euro teure Neubauprojekt „ohne Schuldenaufnahme aus eigener Kraft realisiert werden kann“, betonte Pfarrer Knizia.

Barrierefrei dank gläsernem Aufzug
675 Quadratmeter, verteilt auf zwei Ebenen, stehen in dem Jubilate-Forum zur Verfügung. Dort werden ein großer Gemeindesaal, der durch ein eigenes Zeltdach optisch hervorgehoben wird, mehrere Büros, Seminarräume und ein Clubraum mit Theke untergebracht. Der erste Stock des Forums liegt auf gleicher Höhe mit der denkmalgeschützten Kirche und setzt mit seinen roten Wänden Akzente. Mit der Kirche selbst ist er über einen Durchgang verbunden. Von der unteren Grundstücksgrenze an der Straße Auf dem Korb sind es aber gut zehn Meter Höhenunterschied bis zum ersten Stock. Die sollen durch einen gläsernen Aufzug überwunden werden, von dem aus ein Steg direkt ins Forum führt. Somit ist auch das Kriterium der Barrierefreiheit erfüllt, denn bis zum Aufzug steigen Korbstraße und die Straße Auf dem Korb noch moderat an und können auch von älteren und beeinträchtigten Menschen bewältigt werden. Erst danach, bis zur Kirche hinauf, ist die Steigung deutlich steiler. „Dieser Aufzug schmiegt sich aber gleichsam an den Hügel an und beeinträchtigt auch nicht die Sichtbeziehungen zur Kirche“, erklärte Architektin Kisten Schou-Harms. Die Jubilate-Kirche bleibt auch optisch das Zentrum auf dem Hügel.

Unterstützung durch den Evangelischen Kirchenverband
Nachdem die Vorbereitungen und Planungen mehrere Jahre gedauert haben, geht die eigentliche Bauphase zügig voran. Anfang Mai fand der erste Spatenstich statt, nach der Grundsteinlegung ist das Richtfest bereits für Juli terminiert. Und Anfang 2011, da sind sich die Beteiligten sicher, kann das neue Jubilate-Forum bezogen werden. „Der Herr selbst muss das Haus bauen“, zitierte Knizia bei der Grundsteinlegung den Psalm 121 und dankte vor allem dem früheren Stadtsuperintendenten Ernst Fey, der das Projekt immer unterstützt hat, und der Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch, Pfarrerin Andrea Vogel, die nach ihrer Amtsübernahme für die nötige Kontinuität bei dem Vorhaben gesorgt hat. Beide waren bei der Grundsteinlegung ebenso anwesend wie die beiden ASG-Geschäftsführer Guido Stephan und Wolfgang Stenzel. Ihr Vorhaben, 28 barrierefreie Wohnungen und eine Wohngemeinschaft für bis zu acht Menschen mit Demenzerkrankung zu errichten, ist noch nicht so weit wie das Jubilate-Forum, doch auch dort wird das Frühjahr 2011 als Ziel angepeilt. Die zwischen 60 und 130 Quadratmeter großen Wohnungen und das Forum werden über eine gemeinsame Heizungsanlage versorgt, Solarenergie soll den Energiebedarf aller Neubauten zu einem Teil abdecken. Und während vielleicht schon im nächsten Sommer Kinder auf dem begrünten Kirchhof spielen, treffen sich Eltern und Großeltern im Jubilate-Forum zu gemeinschaftlichen Aktivitäten. Eine Vision, die in Lindlar nicht mehr weit von der Realität entfernt ist.

Text: Jörg Fleischer
Foto(s): Fleischer