„Ihr könnt die Welt ändern!“ Zehn junge Christen wurden am Rhein konfirmiert
Pfarrer Hans Mörtter konfirmiert am Rhein

„Ihr könnt die Welt ändern!“ Zehn junge Christen wurden am Rhein konfirmiert

Unter einem strahlend blauen Himmel wurden am 13. Juni 2021 zehn Konfirmandinnen und Konfirmanden direkt am Rheinufer konfirmiert: im Rheinpark, unweit des Messegeländes in Köln-Deutz, am Stromkilometer 689,5. Schon seit 2016 wird hier jährlich eine Rheintaufe gefeiert, mittlerweile ein fester Termin im Gemeindeleben der Kölner Kartäuser- und Lutherkirche.

 

Corona macht kreativ

Angesichts der Pandemie-Bedingungen 2020 entstand die Überlegung, dass dieser Ort direkt am Rhein auch eine gute Alternative für die Konfirmation der beiden Gemeindebezirke sein könnte. Nach guten Erfahrungen im vergangenen Jahr feiern diese auch 2021 hier ihre Konfirmation: am 13. Juni und in einem zweiten Schwung am 5. September.

Etwa ab 10 Uhr füllte sich langsam das weitläufige, zum Rhein abfallende Gelände, auf dem es sich die Familien der Konfirmandinnen und Konfirmanden sowie deren Gäste zwischen Rheinkieseln und Wiesenflächen in kleinen Gruppen auf Stühlen oder auf Decken sitzend gemütlich machten. Mit dem Tragen der Schutzmasken und entsprechend großen Abständen zwischen den einzelnen Familiengruppen war der Gottesdienst unter freiem Himmel konform mit den Corona-Schutzregeln organisiert.

 

Das ist euer Gottesdienst

Den Gottesdienst gestalteten die Pfarrer Mathias Bonhoeffer, Hans Mörtter, Dr. Martin Gröger und die Jugendmitarbeiterin Johanna Biehl

Um 11 Uhr begann der Gottesdienst, gestaltet von den Pfarrern Mathias Bonhoeffer, Hans Mörtter, Dr. Martin Gröger und der Jugendmitarbeiterin Johanna Biehl. Für einen lebendigen Charakter sorgten Kantor Thomas Frerichs (Piano) und Burkhard Müller (Saxophon) mit einer ansteckenden musikalischen Begleitung und Liedern zum Mitsingen. Der Funke sprang schnell auf die etwa 200 Teilnehmenden über. Auch Spaziergängerinnen und Spaziergänger im Rheinpark blieben länger stehen, um die fröhlich-festliche Stimmung mitzuerleben.

„Wir freuen uns, dass ihr da seid!“, begrüßten die Pfarrer die Anwesenden: „Die Sonne scheint, Musik ist auch da, wir können Gottesdienst feiern!“ Und an die Konfirmandinnen und Konfirmanden Ronja, Silas B., Silas N., Paul, Lindsay, Joschua, Jonathan, Gerrit, Felix und Mila gewandt: „Das ist euer Gottesdienst!“ Auch wenn das Jahr 2020 unter den Pandemie-Bedingungen „ein komisches Jahr“ gewesen sei, solle dieser Tag für sie ein guter Abschluss der „Konfi-Zeit“ und noch mehr ein guter Start ins kommende Leben sein.

 

Gottes Geist verbindet uns alle

Nach Psalm 118, „Dies ist der Tag, den Gott gemacht hat“, und dem motivierenden Lied „Sing and pray!“ folgte die Lesung aus dem Lukasevangelium (Lk 11,9 ff.): „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“ Die Lesung machte Pfarrer Hans Mörtter zur Grundlage seiner Ansprache, die er als starken Appell direkt an die Konfirmandinnen und Konfirmanden richtete: „Gottes Geist lebt, in jedem Atemzug, den wir tun. Er verbindet uns alle!“

Er erinnerte die „Konfis“ an einen gemeinsamen Besuch im besetzten Haus in der Marktstraße 10 am Kölner Großmarkt. Obdachlose hatten sich im März 2020 dieses leerstehende Haus genommen. Nach dem Abriss des maroden Gebäudes wechselte das von Hans Mörtter tatkräftig unterstützte Projekt „OMZ“ („Obdachlose mit Zukunft“) in ein anderes Haus in der Gummersbacher Straße 25 in Deutz, das die Stadt Köln den ungefähr fünfzig Obdachlosen als Alternative zum Wohnen und Arbeiten zur Verfügung stellte. „Was ihr dort gesehen und von den Obdachlosen erfahren haben“, unterstrich der Pfarrer, „hat etwas zu tun mit eurer Konfirmation“: „Es geht um das Bekenntnis, die freie Sicht.“

 

Auf, dass ihr wach und hell seid

Rosen zum Segen für die Konfirmandinnen und Konfirmanden

Bezugnehmend auf ein von den Obdachlosen errichtetes Baumhaus, das bei den städtischen Ämtern Widerspruch hervorrief, erinnerte er an die Lesung „Klopfet an, so wird euch aufgetan“: Die Türen seien nie verschlossen, vor denen wir stehen. Wenn wir unsere Lebensweise änderten, sei Zukunft möglich. Er ermutigte die Konfirmandinnen und Konfirmanden, „Teil einer anderen Zukunft“ zu werden, „in der ihr den Atem eurer Seele spürt, den göttlichen Atem, und wisst: ihr könnt die Welt ändern!“ Menschsein sei ein ständiger Prozess. Fakt sei: „Alles ist möglich dem und der, der und die glaubt!“

Nach einem Lied folgten die Taufe eines der Konfirmanden und danach die Konfirmation. Die zehn Mädchen und Jungen traten nacheinander vor und empfingen von den drei Pfarrern, die sich abwechselten, den persönlichen Konfirmationsspruch und den Segen für ihren Lebensweg. Dazu erhielten sie ihre Konfirmations-Urkunde, eine rote Rose und einen „materialisierten“ Engel.

 

Am Ziel eines gemeinsamen Weges

Für die Kinder- und Jugendarbeit der Evangelischen Gemeinde Köln wandte sich Johanna Biehl an die jungen Erwachsenen und verlas einen Brief ihrer Mitarbeiterin Christina Kugelmeier-Heinrichs aus der Elternzeit: Die Konfirmation sei ihre bewusste Entscheidung, „das Ziel und der Höhepunkt eines gemeinsamen Weges“. In der Vorbereitungszeit unter Pandemie-Bedingungen hätten sie trotz vieler Änderungen und Unklarheiten das Beste aus der Situation gemacht. Dem ehrenamtlichen „Konfi-Team“ und allen Konfirmandinnen und Konfirmanden sprach sie für den gemeinsamen Weg ihren Dank aus und wünschte ihnen für die Zukunft Gottes Segen.

Johanna Biehl ergänzte: „Wow, was für ein Schritt! Ein großer Schritt in das Erwachsensein.“ Für diese spannende und aufregende Zeit wünschten sie und Christina Kugelmeier-Heinrichs den jungen Erwachsenen „Inspiration, Mut und Kraft, auch mal holprige Wege zu gehen und Hürden zu meistern“. Auch in der Zukunft fänden sie bei ihnen „immer ein offenes Ohr und eine offene Tür“. Bei den Eltern, Paten, Patinnen, Verwandten und Freunden bedankten sich die Jugendmitarbeiterinnen dafür, „dass sie diese tollen jungen Menschen in unsere Gemeinde gebracht haben. Haben Sie Vertrauen in ihre Kinder. Die sind große Klasse!“

Familien und Freunde der zehn Konfirmandinnen und Konfirmanden am Rheinufer

Nach Fürbitten, Vaterunser und Segen blieben viele Konfirmandinnen und Konfirmanden noch mit ihren Familien und Freunden zusammen, um die Atmosphäre am Rhein zu genießen. Hier, am Stromkilometer 689,5, werden am 20.06.2021 um 11 Uhr sechs Täuflinge von den Pfarrern Bonhoeffer und Gröger im Rhein getauft werden. Der zweite Teil der Rheinkonfirmation wird ebenfalls hier gefeiert, am 05.09.2021. Die Anwesenden wurden eingeladen, auch den Gottesdienst im September mitzufeiern.

Text: Manfred Loevenich
Foto(s): Manfred Loevenich