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„Ich wünsche Euch, dass Ihr in Freuden auszieht und in Frieden geleitet werdet“ – Letzte Synode Köln-Mitte blickt in die Zukunft

Die „Schätze und Werte“ des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Mitte standen im Fokus der Herbstsynode – der letzten Synode des Kirchenkreises – am Wochenende in der Kölner Südstadt. Vor 61 Jahren gegründet, wird der Kirchenkreis Ende des Jahres mit den beiden Kölner Nachbarkirchenkreisen zum Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch fusionieren. Seine Konzepte und Erfahrungen bringt er mit in die künftige Arbeit ein.

Gottesdienst, Predigt und Grußworte zum Auftakt

Zum Auftaktgottesdienst trafen sich die Delegierten der Herbstsynode in der Kartäuserkirche. Die Liturgie gestaltete ein Team aus der Gemeinde Klettenberg. Superintendentin Susanne Beuth, die zum Jahresende in den Ruhestand geht, hielt die Predigt und erinnerte dabei an ihre erste Synodenpredigt vor 30 Jahren. Sie verband persönliche Erfahrungen mit einem Appell an eine Kultur des Zuhörens. Ausgangspunkt war ein Vers aus dem Jakobusbrief, der sie schon in ihrer Antrittspredigt begleitet hatte: „Ein guter Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.“

Superintendentin Susanne Beuth

Susanne Beuth schilderte eine Sitzung in der afrikanischen Partnerschaftsorganisation, in der ein schwerer Konflikt ohne Verletzungen mit einer gemeinsamen Entscheidung gelöst wurde: „Niemand wurde persönlich angegriffen oder lächerlich gemacht.“ Dieses Beispiel habe ihr gezeigt, dass kirchliche Gremienkultur auch anders als gewohnt sein kann und damit veränderbar und verbesserungsfähig sei. Mit Blick auf aktuelle Herausforderungen betonte sie, dass echte Beteiligung eine Haltung brauche: „Partizipation kann nämlich nur funktionieren, wenn wir auch Selbstdisziplin üben.“ Dabei könne auch das Awareness-Konzept helfen, das auf der Synode erprobt wurde. Zum Schluss rief die Superintendentin dazu auf, achtsam miteinander umzugehen und die globale Perspektive mit den vielen internationalen Partnerschaften der Kirche nicht aus dem Blick zu verlieren.

Oberkirchenrätin Dr. Wibke Janssen erinnerte in ihrem Grußwort an eine Szene aus ihrer Zeit als Schulpfarrerin: Damals fuhren die Abiturientinnen und Abiturienten durch ein Spalier der Mitschülerinnen und Mitschüler – begleitet vom Lied „The Final Countdown“. In diesem Lied geht es um eine Reise ins Ungewisse und die Hoffnung trotz Unsicherheit. Die Oberkirchenrätin lobte den Kirchenkreis für seine Zukunftsorientierung in der Situation des Abschieds: „Wo sind die Menschen heute? Was brauchen sie – und was nicht?“ Abschließend ermutigte sie: „Ich wünsche Euch, dass Ihr in Freuden auszieht und in Frieden geleitet werdet.“

Vielfalt als Prinzip: Bericht der Superintendentin

Synodalassessorin Miriam Haseleu und Superintendentin Susanne Beuth

Unter das Jesus-Wort „In meinem Haus sind viele Wohnungen“ stellte Susanne Beuth ihren Bericht, den sie gemeinsam mit Synodalassessorin Miriam Haseleu vortrug. „Viele Wohnungen“ stehen sinnbildlich für die unterschiedlichen Schwerpunkte der sechs Gemeinden im Kirchenkreis. Es gebe aber auch „besondere Wohnungen“. Beuth nannte als Beispiel die „Queere Kirche“, die nach fast dreijähriger Erprobung als siebte Gemeinde mit eigenen, überparochialen Formaten verstanden werden könne. Leider sei sie weiterhin Ziel von Anfeindungen, Hass-Demonstrationen und Beschwerden. Umso wichtiger sei das Engagement von Pfarrer Tim Lahr, der sich mutig und reflektiert – auch auf Social Media – positioniere. Haseleu betonte, dass der Erprobungsraum „Queere Kirche“ auch im neuen Kirchenkreis weitergeführt werde, um „als evangelische Kirche weiterhin klar gegen Hetze und Ausgrenzung“ zu stehen. Ebenfalls zum Kirchenkreis gehört der kirchenentwicklerische Prozess „hier+weiter“, der eine neue Zusammenarbeit von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen aus Ortsgemeinden und Funktionsgemeinden (z.B. Melanchthon-Akademie, ESG, Seelsorgebereiche und Diakonisches Werk) ermöglicht und viele Projekte insbesondere für jüngere und noch kirchenferne Menschen entstehen lässt.

Auch auf den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Köln ging die Superintendentin ein. Die Kirche stelle Grundstücke für Wohnungsbau zur Verfügung – etwa am Campus Kartause – und errichte selbst Wohnraum, wo möglich. Im Rahmen des Projekts „Zuflucht – Zentrum für Kirchenasyl Köln“ können jeweils zehn akut gefährdete Geflüchtete gleichzeitig sicher untergebracht werden. Dank Fördermitteln der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) in Höhe von 20.000 Euro und einem Synodalbeschluss über zusätzliche 10.000 Euro bleibt die Hilfe bestehen.

Die EKiR plant, die Studierendengemeinden als landeskirchliche Aufgabe aufzugeben. Haseleu sieht darin Herausforderung und Chance zugleich: Gemeinsam mit dem Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch und dem Evangelischen Kirchenverband Köln und Region sollen neue, zeitgemäße Strukturen für Studierende und junge Erwachsene geschaffen werden.

Awareness-Konzept und Machtkritik

Zu Beginn der Synode stellten die Pfarrerinnen Dr. Dorit Felsch und Mareike Maeggi das Awareness-Konzept vor. Es zielt auf Achtsamkeit, Rücksichtnahme und die Reduktion von Machtgefällen, etwa zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen. Die Synode beschloss die Empfehlung, das Konzept in den neuen Kirchenkreis zu übernehmen.

Innovation durch Vertrauen

Vikarin Lisa Kluge und Pfarrer Daniel Phan

Vikarin Lisa Kluge und Pfarrer Daniel Phan berichteten vom Kirchenentwicklungs-Prozess „hier+weiter“. Die Website sei „ein Knaller“, so Phan – auch über soziale Medien habe man Menschen zwischen 25 und 35 erreicht, die keinen Kontakt zur Ortsgemeinde hatten. Unterschiedlichste Formate sind denkbar. Jeder und jede sei eingeladen, Projektideen einzubringen. Pfarrer Christoph Rollbühler betonte: „hier+weiter“ sei kein Projekt, sondern ein Prozess, der herkömmliche kirchliche Logik ablösen solle. Auch Miriam Haseleu forderte mehr Innovation: Pfarrerinnen und Pfarrer müssten bereit sein, neue Wege zu gehen, Aufgaben abzugeben und eigene Schwächen zu erkennen. Ziel sei, Menschen zusammenzubringen, die sich sonst nicht begegnet wären.

Aufarbeitung sexualisierter Gewalt

Pfarrer Christoph Rollbühler berichtete über die Aufarbeitung eines Falls sexualisierter Gewalt durch einen Pfarrer in den 1990er-Jahren in der Evangelischen Gemeinde Köln. Eine vom Landeskirchenamt und Kirchenkreis beauftragte Studie der Universität Wuppertal arbeitet diesen Fall exemplarisch auf. Eine Pressekonferenz ist für Januar 2026 angekündigt. Superintendentin Susanne Beuth berichtete, dass pensionierte Polizisten und Archivare die Personalakten des Kirchenkreises Köln-Mitte und seiner Gemeinden sichten – bisher ohne die Aufdeckung noch unbekannter Fälle. Die Landeskirche priorisiere für die Aufarbeitung dann Fälle mit strafrechtlicher Relevanz vor einer Verjährung und mit großer Bedeutung für Betroffene.

Georg-Fritze-Gedächtnisgabe 2026 für HennaMond und Beschluss zu Solidarität und zur Segnung liebender Menschen

Die Georg-Fritze-Gedächtnisgabe geht im kommenden Jahr an den Verein HennaMond, der sich für Betroffene von familiärer Gewalt, Zwangsheirat, sexualisierter Gewalt und Genitalverstümmelung einsetzt. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert.

Außerdem beschloss die Synode, dass alle Menschen, die den Segen für ihre in Liebe und Verantwortung geführte Beziehung erbitten, ihn auch erhalten sollen. Die Synode solidarisierte sich mit Pfarrerin Lena Müller, Pfarrer Tim Lahr und allen Gemeinden, die Ziel rechter Hetze werden, und bat die Landessynode der EKiR, diesen Beschluss zu übernehmen. Den Wortlaut des Beschlusses lesen Sie hier.

Finanzen, Verantwortung und Beschlüsse

Die Synode entlastete einstimmig alle an den Haushaltsabschlüssen 2022 und 2023 beteiligten Personen. Der Jahresabschluss 2024 wurde mit einer Bilanzsumme von 3.430.505 Euro und einem negativen Ergebnis von 133.711 Euro zur Kenntnis genommen. Grund für das negative Ergebnis sind allein Rückstellungen für die Fortführung von Kirchenkreisprojekten im Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch.

Abschied von Susanne Beuth – und ein Blick nach vorn

Zum Abschluss verabschiedete Superintendentin Beuth alle, die nicht mehr an der neuen Synode teilnehmen werden, und dankte den Mitarbeitenden der Verwaltung. Auch für sie selbst war es die letzte Synode: Mit Jahresende tritt sie in den Ruhestand. Synodalassessorin Miriam Haseleu würdigte Beuths Engagement in rund 70 Synoden, davon 13 als Superintendentin – auch in den schwierigen Jahren der Corona-Pandemie. „Dafür und für all das, was Du an Raum gegeben hast, an Begleitung ermöglicht hast, an Solidarität gelebt hast, danken wir Dir von Herzen.“ Mit stehendem Applaus wurde Susanne Beuth verabschiedet. Die konstituierende Sitzung der neuen Synode ist für den 28. Februar 2026 in Bergheim geplant.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann / APK