Stadtsuperintendent Rolf Domning zusammen mit Nina Paganotto (li.) und Dr. Juliane Arnold (re.)



Hinschauen – Helfen – Handeln – Schutzkonzept vorgestellt

„Prävention gegen sexuellen Missbrauch und Schutzkonzept in der Evangelischen Kirche“ lautete das Thema beim Frühjahrsgespräch des Stadtsuperintendenten. Zahlreiche Journalisten und Journalistinnen begrüßte Rolf Domning auf der Terrasse vor dem Kasino im Haus der Evangelischen Kirche. Die Evangelische Kirche im Rheinland hat einen Handleitungsleitfaden zur Erstellung von Schutzkonzepten in Kirchengemeinden und Kirchenkreisen zur Prävention sexualisierter Gewalt vorgelegt. Der wird in den nächsten Monaten in den vier Kölner Kirchenkreisen diskutiert.

„Ich bin sehr froh, das wir das Thema Schutzkonzept im gesamten Bereich des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region umsetzen werden“, sagte Domning. Der Vorstand des Kirchenverbandes habe sich einstimmig dafür ausgesprochen. Alle hauptamtlich und ehrenamtlich Mitarbeitenden würden entsprechend geschult. „Ziel ist es, Kinder, Jugendliche, aber auch zum Beispiel Seniorinnen und Senioren in unseren kirchlichen Einrichtungen vor Übergriffen zu schützen. Das Schutzkonzept soll sensibilisieren und helfen, Missbrauchsfälle beziehungsweise sexualisierte Gewalt möglichst zu verhindern“, so der Stadtsuperintendent.

Dr. Juliane Arnold, Leiterin der Evangelischen Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region, erinnerte an eine Initiative des Stadtsuperintendenten aus dem Jahr 2010. Domning habe damals alle Opfer von Missbrauch im Bereich der evangelischen Kirche in Köln aufgerufen, sich zu melden. 23 Personen seien diesem Aufruf gefolgt. „Davon waren 14 ehemalige Heimkinder. Zwölf von denen hatten Gewalt erlebt, zwei von ihnen Gewalt und sexuellen Missbrauch. Neun weitere Personen hatten Missbrauch in Kirchengemeinden und anderen Institutionen unserer Kirche erleben müssen“, erklärte Arnold. Das soll in Zukunft mit aller Entschlossenheit verhindert werden. „Hinschauen – Helfen – Handeln“ ist das Motto der Kampagne. Zunächst ist die Erstellung von sexuellen Schutzkonzepten Thema in den Pfarrkonventen. Danach sollen die Kreissynodalvorstände beschließen, dass ein Schutzkonzept erarbeitet werden soll und Haupt- und Ehrenamtliche geschult werden. In jedem Kirchenkreis wird eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, die sich des Themas annimmt.

„Eine breite Beteiligung ist uns dabei wichtig“, so Arnold. Alle Gemeinden und Einrichtungen wie Kitas und Jugendzentren erstellen eine Risikoanalyse, die an die Arbeitsgemeinschaften weitergegeben wird. Danach werden die Schutzkonzepte für die Kirchenkreise formuliert. Neben den Schulungen werden Führungszeugnisse, Selbstverpflichtungserklärungen Beschwerdeverfahren und Notfallpläne vorgeschlagen. „Wichtig ist, dass Personen in Leitungsfunktionen ihre Leitungsverantwortung auch wirklich wahrnehmen“, sagte Arnold. Alle 23 Missbrauchsopfer hätten in den jeweiligen Einrichtungen um Hilfe gebeten, diese aber nicht bekommen. „Das darf nie wieder geschehen.“

Am Ende der Beratungen über die Schutzkonzepte sind die Gemeinden als selbstständige Rechtsträger gefragt. Sie entscheiden über die Konzepte und können diese auch in ihrem Sinne verändern. „Neueste Studien sagen, dass jede vierte Frau und jeder neunte Mann einmal im Leben Opfer von sexueller Gewalt gewesen ist. Wir wollen, dass unsere Gemeinden und Einrichtungen sichere Orte sind“, schloss Arnold.

Nina Paganotto ist Jugendreferentin im Evangelischen Kirchenkreis Köln-Mitte. Sie arbeitet seit 2013 mit der Organisation „Zartbitter“ zusammen, die sich um Missbrauchsopfer kümmert. Gemeinsam wurden dort zwei Poster entwickelt, auf denen typische Szenen von Klassenfahrten oder Ferienfreizeiten zu sehen sind. „Über diese Poster kommen wir mit den Teamern ins Gespräch. Wo und wie entstehen unangenehme Situationen? Wo und wie entstehen Grenzüberschreitungen? Diese Grenzen sind ja sehr individuell“, sagte Paganotto. Dann gehe es für die Teamer darum, gemeinsame Regeln aufzustellen. Da seien Fragen zu klären. Zum Beispiel, wie man mit Pärchenbildungen in der Gruppe umgeht. Wie vermeidet man Ecken, die man schlecht einsehen kann. Wichtig bei Ferienfreizeiten ist die Beschwerdebox, die von allen Hauptamtlichen gemeinsam geöffnet wird, damit keine Beschwerde unter den Tisch fallen kann. Über allem stehe jedoch, so Paganotto, ein Anspruch: „Wie wollen keine Angst verbreiten, sondern Jugendliche stärken.“

Am Ende des Frühjahrsgesprächs warf der Stadtsuperintendent einen Blick in seine persönliche Zukunft. „Ich gehe am 31. Juli des nächsten Jahres in Pension. Im Mai 2019 wählt die Kreissynode Köln-Mitte meinen Nachfolger oder meine Nachfolgerin. Und im Juli des nächsten Jahres wählt die Verbandsvertretung einen neuen Stadtsuperintendenten oder eine Stadtsuperintendentin.“

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann