Mit jeder Menge Humor präsentierten Harald Schmidt und Andreas Meisner Weihnachtslieder und Anekdoten im Altenberger Dom



Harald Schmidt im Altenberger Dom: Bei einem „O du fröhliche“ in dieser Lautstärke kann jeder Agnostiker einpacken

Andreas Meisner gab alles. Und Harald Schmidt wusste das zu würdigen: „Bei einem ‚O du fröhliche‘ in dieser Lautstärke kann jeder Agnostiker einpacken“, merkte ehemalige Late-Night-Talker und Altmeister des feinen Humors an, nachdem die letzten Töne des bekannten Weihnachtsliedes verklungen waren. Unter dem Motto „Tauet Himmel den Gerechten“ moderierte Schmidt ein adventliches Konzert im Altenberger Dom. Kirchenmusikdirektor Meisner spielte die Klais-Orgel. „Kommen Sie ruhig nach vorn. Hier ist noch ein bisschen Platz. Ganz vorne zu sitzen, ist ja das Privileg derjenigen, die zu spät kommen“, begrüßte Schmidt ein Paar, das kurz nach Beginn des Konzertes im Dom eintraf. „Und seien Sie nächstes Mal besser pünktlich. Dann müssen Sie sich auch nicht zum Gespött eines abgehalfterten Vorabend-Komikers machen.“

Der Moderator bedauerte, dass viele Traditionen verschwänden, die christlich geprägt seien. „Neulich war ich bei einem Martinszug, da musste St. Martin zu Fuß gehen. Das Pferd war bei einem Castor-Transport, als Polizeipferd.“ Für manche Eltern sei es ein Schock, wenn ihr Kind im dritten Jahr hintereinander im Krippenspiel ein Schaf darstelle. „Klar kann nicht jeder Maria und Josef sein. Und die Hirten sieht man in der Regel nicht. Engel ist nicht schlecht. Da hat man die ganze Zeit das Mikro. Aber die beste Rolle ist aus meiner Sicht die des Wirts in der Herberge. Wie der das Paar barsch abweist: Diese Härte und Klarheit gibt es ja heutzutage im wirklichen Leben nicht mehr.“

Dann war es Zeit für Musik. Eine Besucherin durfte sich ein Lied wünschen und kurz darauf hallte „Maria durch ein Dornwald ging“ durch den imposanten Altenberger Dom. Und dann versagte das Instrument. Nicht ganz, aber die S-Taste klemmte. Er müsse improvisieren, entgegnete Meisner auf die Frage Schmidts, ob es denn ohne „S“ gehe. Musste. Und ging ganz ausgezeichnet. Der Kirchenmusikdirektor erntete Bewunderung vom Entertainer, der als Jugendlicher immerhin die C-Prüfung an der Kirchenmusikschule in Rottach/Neckar bestanden hatte. Er kennt sich mit dem Orgelspiel also sehr gut aus und fachsimpelte mit Meisner, ob D-Dur für „O du fröhliche“ die richtige Tonart sei. „In der neueren evangelischen Version haben wir von E-Dur auf D-Dur gewechselt“, berichtete Meisner: „D-Dur gilt als strahlend, festlich und männlich. Damit befeuere ich jetzt hoffentlich nicht die Gender-Diskussion.“ Ob es denn auch transsexuelle Tonarten gebe, wollte Schmidt wissen. Ihm sei keine bekannt, antwortete Meisner. Die Ex-Gattin eines ehemaligen Bundespräsidenten habe sich bei der Aufführung eines Weihnachtsoratoriums in den Dirigenten verliebt. In solchen Fällen müssen man professionell seriös bleiben, erklärte Meisner, der erst kürzlich das komplette Oratorium von Bach mit Orchester aufgeführt hat.

Ob er einen Lieblings-Choral habe, fragte Schmidt. „Ja, ‚Und seid ihr wohl gerochen‘. Wobei gerochen in diesem Fall von rächen kommt“, sagte der Kirchenmusikdirektor. „Ja, ja“, war Schmidt als Entertainer in seinem Element: „Ich bin auch jahrelang mit dem Kalauer vom Choral der Nivea-Belegschaft unterwegs gewesen: ‚Warum sollt ich mich denn cremen?‘“ Nachdem die Versammlung von Meisner begleitet „Ich steh an Deiner Krippen hier“ angestimmt hatte, erzählte der Moderator aus seiner Zeit als buchbarer Nikolaus. Pro Auftritt habe es zehn Mark gegeben. Und in aller Regel „ein Schnäpsle“.  Nur nicht beim Schuldirektor aus Nürtingen, dem Herkunftsort von Schmidt. „Da hat es immer ewig gedauert. Vier Kinder, jedes Kind ein Gedicht. Dann Musik. Zu viert und jedes Kind einzeln.“ Da war es bei einer alleinerziehenden Frau im Alter des Nikolauses ungleich angenehmer. Auch wenn der „heilige Mann“ heftige Schelte von seiner Mutter bekommen hat, als er frühmorgens leicht taumelnd zu Hause aufschlug. So reihte sich Anekdote an Anekdote und Lied an Lied. Und urplötzlich rief Schmidt zum letzten Lied auf. „Auf meiner Uhr ist es sieben Rubine vor sechs Diamanten. Und wir geben keine Zugaben. Wir sind ja nicht in der Provinz.“

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann