Pfarrer Oliver Mahn wird in sein Amt in der Melanchthonkirche durch Synodalassessor Rüdiger Penczek eingeführt.



„Habe ich Dir nicht geboten, sei getrost und unverzagt“ – Oliver Mahn als Pfarrer in der Zollstocker Melanchthon-Gemeinde eingeführt

Das Anforderungsprofil

Die Gemeinde hatte eine präzise Vorstellung davon, wie der neue Pfarrer sein sollte. Siegbert Schödel, Vorsitzender des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Zollstock, fasste das Anforderungsprofil noch einmal zusammen: „Er sollte Freude an einer zeitgemäßen Gottesdienstgestaltung haben, konfliktfähig sein und weltoffen sowie wach gegenüber den weltlichen Herausforderungen. Und die Ökumene soll ihm wichtig sein.“

„Du bist der Richtige.“

Und weiter: „Nach der kurzen Zeit Deines Wirkens hier können wir schon sagen: Du kannst zuhören und hast Freude an der Arbeit. Du bist der Richtige.“ Das Lob galt Oliver Mahn, der in der Melanchthonkirche von Synodalassessor Rüdiger Penczek in sein Amt alt Pfarrer der Zollstocker Gemeinde eingeführt wurde. Mahn ist Nachfolger von Gerhard Johenneken, der über 32 Jahr lang Pfarrer an der Melanchthonkirche war.

„Wo ist dein Glaube?”

Penczek stellte in seiner Ansprache die Frage, „ob die Welt da draußen immer verrückter werde“ und verwies beispielhaft auf das Attentat von Halle und den türkischen Einmarsch in Syrien. „Wo ist da Gott?“ Der Glaube an Gott könne zerbrechen. Entscheidend sei das Vertrauen, dass Gott da sei in einer immer verrückteren Welt. „Wer darauf vertraut, dämmert nicht weg, der ist nicht hysterisch, der ist mutig, und hoffentlich macht er den Mund auf.“

Auch er habe Gottes Gegenwart nicht immer, räumte Penczek ein. „Aber ich bekomme sie immer wieder geschenkt.“ Niemand glaube allein, so der Synodalassessor. „Wir glauben alle zusammen.“ Und dann an Oliver Mahn gewandt: „Die Gemeinde, die Konfirmanden und Konfirmandinnen werden Dich immer fragen: Wo ist Dein Glaube? Lebst Du das, was Du glaubst? Die Erwartungen sind oft riesig.“ Darf ein Pfarrer bei Rot über die Straße gehen? „Ein Pfarrer darf das nicht“, erklärte Penczek: „Aber ich tu‘ das, wenn ich es eilig habe.“

Hirte und Schaf

Dem Synodalassessor gefällt das Wort Pastor besser als Pfarrer. Pastor im Sinne von Hirte, der da sei für alle Fragenden, Suchenden und Zweifelnden. „Der Pastor ist beides. Hirte und Schaf. Und die Gemeinde ist die Gemeinschaft der begnadeten Schafe. Wir brauchen einander, wenn wir gefragt werden, wo unser Glaube ist.“

Bei dem eigentlichen Akt der Einführung vermisste Penczek ein Kniekissen. Kein Problem. „Dann segne ich Dich im Namen dessen, der Dir aufrecht stehend den Rücken stärkt.“

Weg aus der Gefangenschaft

In seiner Predigt erinnerte sich Oliver Mahn an seine Ordination in der Antoniterkirche. „Das war ein wichtiger Schritt. Und heute bin ich verantwortlich für eine ganze Gemeinde.“ Mahn predigte über Josua, Kapitel 1. „Das Volk Gottes stand vor einem Wendepunkt.“ Das Geschehen habe seinen Ursprung in der Schöpfungsgeschichte. Gott hatte sein Volk aus der ägyptischen Gefangenschaft befreit. Das Volk hatte sich auf den entbehrungsreichen Weg durch die Wüste gemacht. Moses hatte den Kontakt zu Gott. Er empfing die Tafeln mit den zehn Geboten, musste aber auch mit ansehen, wie das Volk um das goldene Kalb tanzte.

Sei getrost und unverzagt

Josur wurde der Nachfolger von Moses, der vor dem Einzug in das gelobte Land gestorben war, den Josua nun anführen soll. Der habe auf das befestigte Jericho geguckt und an dem Vorhaben gezweifelt. „Habe ich Dir nicht geboten, sei getrost und unverzagt“, habe ihm Gott gesagt. „Damals bei meiner Ordination bin ich wie Josua an eine Grenze gestoßen. Ich habe in so viele erwartungsvollen Augen geblickt.“ Und damals wie heute laute die Frage: „Werde ich den Erwartungen gerecht? So viel Ungewissheit.“

Gottes Zusage

„Habe ich Dir nicht geboten, sei getrost und unverzagt“, das Wort aus Josua, Kapitel 1, war auch der Konfirmationsspruch von Oliver Mahn. „Diese Zusage an Josua gilt allen Menschen. Ich muss die Erwartungen nicht allein erfüllen, die Verantwortung nicht allein tragen. Gott ist dabei. Ich bin nicht allein und muss es nie wieder sein.“ Es gebe vieles, was den Menschen Angst mache. Die Zukunft sei unberechenbar, und diese Ungewissheit ängstige viele. „Ich kann nicht in die Zukunft sehen. Aber ich kann getrost und unverzagt sein.“ Gottes Zusage sei nicht: „Du schaffst alles, ich tue das für Dich. Ich kann aber auf sein Mitsein vertrauen. Dann wird der Blick in die Zukunft vertrauensvoller und mutiger.“

Über Oliver Mahn

Über sein Theologiestudium hinaus hat Oliver Mahn ein Volontariat beim WDR absolviert. Vikariat und Probedienst hat er in der Evangelischen Gemeinde Köln geleistet. Er ist vor kurzem nach Zollstock gezogen, wo er gemeinsam mit seinem Partner lebt.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann