Gottesdienst und Gesprächsangebote für Flutopfer in Erftstadt

Gottesdienst und Gesprächsangebote für Flutopfer in Erftstadt

Viele Menschen sind von der  Flutkatastrophe an Erft, Ahr und anderen Flüssen betroffen, andere haben sich bei der Soforthilfe engagiert. Geholfen wurde spontan, vom ganzem Herzen und mit aller Kraft. Das Ausmaß der Zerstörung wurde erst später sichtbar – und hat Spuren auf der Seele hinterlassen. Damit das zur Sprache gebracht werden und mit anderen geteilt werden kann, bietet die Evangelische Kirchengemeinde Brühl einen Gesprächsraum an: „Was die Flut übriggelassen hat“. Man kann ohne Anmeldung dazu kommen, erzählen und zuhören, mitreden oder schweigen. Die beiden nächsten Termine sind am Donnerstag, 28. Oktober 2021, und am Donnerstag, 18. November 2021, jeweils um 19 Uhr im Jugendheim, Mayersweg 7.

Angebote für Kinder des Kirchenkreises Lechenich

„Im Moment gibt es Angebote für Kinder vom Jugendpfarramt und der Jugendmitarbeiterin Siggi Schneider vom Kirchenkreis Köln-Süd, z. B. eine Fahrt ins Phantasialand in den Ferien, und es gibt ein Kinderferienangebot für Grundschulkinder im Gemeindehaus, dass sie einfach mal etwas anderes sehen und erleben können, so dass die Flutkatastrophe und ihre Folgen nicht mehr so im Vordergrund stehen“, sagt Pfarrerin Sabine Pankoke der Evangelischen Kirchengemeinde Lechenich. „Wir planen auch ab November Gesprächsabende für die von der Flut betroffenen Menschen, um das zu verarbeiten, was man erlebt und verloren hat und die Gefühle aufzuarbeiten, die da hochgekommen sind. Man merkt, dass die Leute so langsam wieder ins Alltagsleben hinein kommen. Die ersten Wochen waren sehr geprägt von Handwerksarbeiten und Aufräumen. Jetzt kommen die Menschen zur Ruhe und können durchatmen und es wird ihnen langsam erst bewusst, was sie alles erlebt haben. Wir sind gerade dabei die Termine festzumachen, wir wollen nämlich in der ganzen Region Gesprächsabende anbieten.“

Ökumenischer Gottesdienst zur Flutkatastrophe

Ganz im Zeichen der Flutkatastrophe stand denn auch der ökumenische Gottesdienst zur Flutkatastrophe, der Anfang Oktober auf dem Bauernhof der Familie Schumacher unter großer Beteiligung gefeiert wurde. Die katholischen und evangelischen Gemeinden der Stadt Lechenich hatten eingeladen. „Der Gottesdienst hat unter großen Anteilnahme stattgefunden. Es waren sehr viele Menschen dort. Es waren auch viele Hilfskräfte da, Johanniter und Malteser. Es kamen Betroffene, Feuerwehrmann und Notfallseelsorger zu Wort und haben von ihren Erlebnissen berichtet. Es war auch große Dankbarkeit da, dass man gerettet worden ist, dass die Nachbarschaftshilfe so gut funktioniert hat, dass man sich gegenseitig geholfen hat und plötzlich mit Menschen geredet hat, mit denen man vorher nur ein Wort gewechselt hat – es gab einen unheimlichen Zusammenhalt in den Orten“, berichtet Pfarrerin Sabine Pankoke. Es ging auch um einen Austausch der Erlebnisse: „Ein Mann berichtete zum Beispiel, dass er zwei Wochen nur gearbeitet hat, geholfen hat und keine Müdigkeit verspürt hat – er hat nur funktioniert. Danach war er unheimlich müde und erschöpft“, erzählt Pfarrerin Sabine Pankoke.

„Wir haben mit Symbolen vor Augen geführt, was die Menschen verloren haben. Der Erste-Hilfe Koffer stand für das Krankenhaus, das überflutet wurde, und das immer noch nicht wieder im Einsatz ist. Es wurde ein Wintermantel nach vorne gebracht, denn die Wintersachen waren bei vielen Menschen im Keller, und nun sind sie alle zerstört“, sagt Pfarrerin Sabine Pankoke. „Ein Laptop stand für die Büros in den Kellern, und Waschmittel für die Waschmaschinen. Spielsachen von den Kindern, Schultüten und Laternen werden ja oftmals ebenfalls im Keller aufbewahrt. Das wollten wir bewusst machen.“ Es wurde aber auch nach vorne geschaut: „Wir haben darauf geblickt, was an Hilfe da war, und dass man darauf vertrauen kann, wenn man in Not gerät, dass Hilfe kommt. Die ökumenische Zusammenarbeit ist generell sehr gewachsen – auch unabhängig von dem Gottesdienst“, berichtet Pfarrerin Sabine Pankoke.

Text: APK
Foto(s): Robert Boecker