Aus Sommerlagern sind Camps geworden. Aber in einem Punkt sind sie sich ähnlich geblieben: Hier geht es um mehr als ums Chillen.



Glaube für Einsteiger: Sonntage sinnvoll nutzen

Friedrich Naumann, liberaler Sozialpolitiker und evangelischer Theologe (1860–-1919), forderte die Kirchen auf, den Arbeitern Angebote für eine „geläuterte Freizeit“ zu machen. Freizeit sei auch eine geistige Erholungszeit, zu wertvoll, um sie sinnlos zu vertun.

Naumann schwebten Beschäftigungen vor, die Geist und Seele bereicherten. Die Empfehlung, Freizeit nicht mit Müßiggang zu verwechseln, sie nicht als „leere“, sondern als „erfüllte“ Zeit zu verstehen, ist so alt wie Judentum und Christentum.

„Sinnvolle Zeit“

Was sind sinnvoll verbrachte Sonntage, was ist sinnvoll verbrachte Frei- und Urlaubszeit? Einfach abschalten? Chillen? Nichts tun? Oder etwas anderes tun als werktags? Und was?

Die Freizeitindustrie empfiehlt, etwas Besonderes zu erleben, eine Herausforderung zu bestehen, etwas Riskantes zu wagen. „Dieselbe Hast, die die Arbeitswelt prägt, ist nicht selten auch in der Freizeit weiter bestimmend“, mahnt der aktuelle „Evangelische Erwachsenenkatechismus“ und spricht von „angestrengter Fröhlichkeit und Zerstreuung“.

Hier geht es um mehr, als um’s Chillen

Niemand praktiziert das religiöse Arbeitsverbot am Sabbat so konsequent wie ultraorthodoxe Juden. Sie spielen nicht Fußball, unternehmen keine Paddeltour, kochen kein mehrgängiges Menü. Ihnen würde es nie einfallen, am Sabbat größere Strecken zu gehen, Schweres zu tragen, im Haushalt oder im Garten zu arbeiten. Ja, nicht einmal einen Knoten zu binden oder zwei Buchstaben zu schreiben.

Christen können manches von ihnen lernen: Am Sonntag die Uhr anhalten, um den Kopf frei zu bekommen. Die Routine und Last des Alltags abstreifen und Dinge tun, die sonst selten möglich sind: Die Natur beobachten, sich in die Gedankenwelt anderer Menschen vertiefen, sich auf sich selbst und seinen Glauben zu besinnen.

In der kirchlichen Jugendarbeit hat ein ältliches Wort überlebt: Die Rüstzeit. Jugendliche verbringen ihre Zeit miteinander, sprechen, singen, beten. Medien und Methoden haben sich gewandelt, aus Sommerlagern sind Camps geworden. Aber in einem Punkt sind sie sich ähnlich geblieben: Hier geht es um mehr, als um’s Chillen.

Text: Eduard Kopp - Aus: "chrismon", das evangelische Monatsmagazin der Evangelischen Kirche - www.gemeindebrief.de
Foto(s): Thorsten Levin