„Girlspace“ goes Thomaskirche

„Girlspace“ goes Thomaskirche

In dieser Woche wurde der neue Medienraum des „Girlspace“ in der evangelischen Thomaskirche mit einem Empfang eröffnet. Vor fast 20 Jahren ging das „Girlspace“ als evangelisches Jugendprojekt mit Fördermitteln des Landes NRW an den Start. Als diese ausliefen, wurde das Projekt in einen gemeinnützigen Verein umgewandelt, das Evangelische Jugendpfarramt übernahm die Geschäftsführung. Ziel war und ist es bis heute, Mädchen und jungen Frauen in einem geschützten Raum Medienkompetenz zu vermitteln.

Nach den Anfängen in der Christuskirche am Friesenplatz fand der Verein eine neue Heimat in den Räumen der Evangelischen Gemeinde Köln im Kapitelhaus in der Südstadt. Das Girlspace-Café und das Büro befanden sich ganz oben im denkmalgeschützten Turm, für Gruppenangebote und Ferienmaßnahmen konnten die Räume der Jugendarbeit genutzt werden. Doch dann der große Schreck vor zwei Jahren, als sich herausstellte, dass das Kapitelhaus nicht mehr neueren Brandschutzbestimmungen genügte und die Räume nicht mehr für Gruppenarbeiten genutzt werden konnten. Vorstand und Team des „Girlspace“ diskutierten und verwarfen die unterschiedlichsten Ausweichmöglichkeiten: Einen Container an der Kartäuserkirche aufstellen, ein Ladenlokal am Severinswall mieten oder das frühere Küsterhaus nutzen. Die Lage schien ziemlich aussichtslos, bis Steffi Asbeck, Mitglied des Vorstandes und Jugendleiterin an der Thomaskirche im Norden der Kölner Innenstadt, ihre Gemeinde ins Spiel brachte.

Deren Schwerpunkt liegt in der Kinder- und Jugendarbeit und da passte das „Girlspace“ mit seiner erfolgreichen Medienarbeit gut hinein. Zwar gab es in der Thomaskirche auch keine Räumlichkeiten in Hülle und Fülle, aber ein selten genutzter Raum konnte für die Gruppenangebote des „Girlspace“ umgestaltet werden. Problemlos durchlief diese Lösung alle notwendigen Gremien. So konnte nach einem anstrengenden Umzug vom fünften Stock des Kapitelhauses in das Untergeschoss der Thomaskirche der neue Medienraum erfolgreich eingeweiht werden. Das gemütliche Sofa passte rein und natürlich der schwere Technikschrank und die acht Computerplätze. Die Kinder der Thomaskirche nahmen den neuen Raum direkt in Beschlag – ausnahmsweise durften zur Einweihung auch mal die Jungs mit dabei sein. Auch Stammgäste aus der Südstadt waren gekommen, um den Umzug gemeinsam zu feiern.

Das Büro des Vereins bleibt zwar in der Südstadt, aber das Team der Thomaskirche freut sich auf eine befruchtende Zusammenarbeit mit dem „Girlspace“. „Die Zusammenarbeit war uns das Allerwichtigste, wir möchten hier Netze knüpfen und voneinander lernen“ sagt Eva Esche, seit 20 Jahren Pfarrerin an der Thomaskirche. Sie freut sich auf das neue medienpädagogische Angebot und auch auf einen kulturübergreifenden Dialog. Schon konkret geplant sind ein Projekt mit Kindergartenkindern und ein Ferienangebot für ältere Mädchen. Aus der zunächst hoffnungslos erscheinenden Lage wurde ein Kooperationsprojekt, dass durchaus über die momentane Interimslösung hinausgehen könnte, so Susanne Hermanns, Vorsitzende des Vereins. „Wir sehen es schon als eine Erweiterung zum Expandieren und nicht als eine Notlösung“.

Froh und glücklich nach dem anstrengenden Umzug und den Zeiten der Unsicherheit sind auch die beiden Leiterinnen des „Girlspace“, Kerstin Venne und Sylvia Klein. Diese Lösung ergab sich quasi nebenbei. Sylvia Klein vertrat Kerstin Venne während deren Elternzeit. Die merkte nach ihrer Rückkehr, dass es doch schwieriger war als gedacht, für den Nachmittagsbereich eine Kinderbetreuung zu organisieren – und so teilen sich beide Frauen nun die Leitung des „Girlspace“. Für Venne eine Lösung, nach der sie sich insgeheim schon länger gesehnt hatte, denn es sei einfach schöner, gemeinsam Projekte zu konzipieren, Ideen zu entwickeln und sich auszutauschen. „Ich denke, das ist nochmal eine Beflügelung unserer Arbeit“.

Beide Leiterinnen arbeiten nicht nur mit ihrem pädagogischen Fachwissen und ihrer Medienkompetenz im „Girlspace“, sondern auch mit viel Herzblut und sind immer offen für Neues und hautnah an den Medien-Themen der Zeit. Für Kerstin Venne liegt der Schwerpunkt ihrer Arbeit darin, kreatives Handwerk mit neuen Medien zu verknüpfen. Ein erfolgreiches Angebot war beispielsweise eine Schneiderwerkstatt in den Ferien, wo die Mädchen nicht nur genäht, sondern im Internet recherchiert und eigene Video-Nähanleitungen ins Netz gestellt haben.

Als neues regelmäßiges Gruppenangebot in der Thomaskirche ist eine Online-Redaktion geplant, wo Mädchen einen Blog erstellen können mit verschiedenen Themen rund um die Internetsicherheit. Es können Videos erstellt werden, kleine Texte und Fotostorys. Beide Leiterinnen des „Girlspace“ freuen sich darauf, neue Mädchen kennen zu lernen, mit ihnen tolle Projekte zu machen und sie damit in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken – und ihnen fast nebenbei auch noch Themen wie Internetsicherheit oder Fake-News näher zu bringen und damit ihre Medienkompetenz zu fördern. Das passt wunderbar zum Wunsch von Pfarrerin Eva Esche, dass Kirche Lebensraum sein solle für alle – alle Kulturen, Kirchenferne wie Kirchennahe und alle dazwischen. Weitere Infos unter www.girlspace.de

Text: Jutta Hölscher
Foto(s): Jutta Hölscher