Friedrich Knäpper freut sich mit der Evangelischen Kirchengemeinden Hürth über die „Pastor-Mader-Straße“
"Pastor-Mader-Straße": Friedrich Knäpper ist froh über das Straßenschild.

Friedrich Knäpper freut sich mit der Evangelischen Kirchengemeinden Hürth über die „Pastor-Mader-Straße“

Beharrlichkeit kann zum Erfolg führen – Friedrich Knäpper kann davon ein Lied singen. Er musste für ein Herzens-Projekt 14 Jahre aufbringen: Denn als Pastor Paul Mader im Mai 2006 verstarb, beschloss die Gemeindeleitung der Evangelischen Kirchengemeinden Hürth, dass nach Mader eine Straße im Stadtteil benannt werden sollte – er hatte lange Zeit in Hürth-Efferen gewirkt. Knäpper wurde im gleichen Jahr federführend mit der Umsetzung betraut, mit Unterstützung des 2020 verstorbenen Pfarrers Thomas Hennig. Aber erst seit April 2020 steht das mit Pastor Paul Mader bezeichnete Straßenschild im Neubaugebiet Efferen-West. Voraussichtlich in naher Zukunft wird es mithilfe des Heimat- und Kulturvereins Hürth e.V. um ein Unterschild ergänzt: „Paul Mader 1917 – 2006, 1. evangelischer Pastor der Friedenskirche Efferen 1953 – 1982“.

Paul Mader schloss seine Ausbildung als Diakon 1946 ab

Geboren 1917 in Witten, wuchs Paul Mader in Oberhausen auf. Seine 1935 begonnene und durch Kriegsteilnahme als Sanitäter unterbrochene Ausbildung in der Duisburger Diakonenanstalt schloss er 1946 ab. Schon gut einen Monat später kümmerte sich der frischgebackene Diakon in der Kirchengemeinde Köln-Lindenthal auch um deren Predigtstelle Efferen-Stotzheim. Denn erst seit Anfang 1957 gehören die Evangelischen in Efferen sowie allen weiteren Orten der damaligen Großgemeinde Hürth der neu gegründeten Evangelischen Kirchengemeinde Hürth an. Zu diesem Zeitpunkt stand die von Mader mitinitiierte evangelische Kirche im durch „Flüchtlinge, Vertriebene und zugezogene Industriearbeiterfamilien“ merklich angewachsenen Efferen schon gut drei Jahre.

Einweihung von Gemeindehaus und Kirche

In einem ersten Schritt hatte man im Juli 1952 die Einweihung eines Gemeindehauses an der heutigen Martin-Luther-Straße gefeiert. Der 35 qm kleine Raum diente den über 1200 Evangelischen im Ort als Gottesdienststätte, Jugendheim und Gemeindesaal. Verbunden war die Indienstnahme mit der Grundsteinlegung für den angrenzenden Kirchenbau. „Wir waren eine begeisterte Gruppe“, erinnerte sich Mader gerne an die große Freiwilligenschar. Weitgehend ihren fleißigen Händen habe sich die rasche Erstellung des Rohbaus verdankt. Auch der Theologe, der inzwischen über eine Zusatzausbildung zum Pastor verfügte, schonte sich nicht. Ein fallender Mörtelkasten brach ihm den linken Unterarm. Am 4. Advent 1953 erfolgte die Einweihung der Evangelischen Kirche Efferen. Den Namen Friedenskirche trägt sie erst mit Fertigstellung ihres Erweiterungsbaus 1994.

Mader wird als ruhig, bescheiden, ausgeglichen, freundlich und humorvoll  beschrieben

In einem Festgottesdienst an Christi Himmelfahrt 1982 verabschiedete die Gemeinde Mader in den Ruhestand. Auf der anschließenden Feier stellte Mader jedoch augenzwinkernd fest, dass die Verabschiedung „misslungen“ sei. Damit ging er auf den landeskirchenamtlichen Beschluss ein, sein Dienstverhältnis bis zur Wahl eines Nachfolgers zu verlängern. Nachfolger Thomas Hennig kam allerdings erst 1983 nach Efferen. Hennig, der bis zur Pensionierung 2019 dort amtierte, stellt in seinem Nachruf auf Mader 2006 fest, dass dessen Ruhestand sehr lange eher ein Unruhe-Stand gewesen sei. „Er hielt weiter Gottesdienste, leitete mit seiner Frau Renate Seniorenfreizeiten und Diakonietreffen und brachte sich im Gemeindeleben ein.“

Hennig beschreibt Mader als „ruhig, bescheiden, ausgeglichen, freundlich, humorvoll, aufgeschlossen für alle Trends und Fragen in Kirche und Gesellschaft“. Mit dessen Tod habe die Hürther evangelische Kirchengemeinde „einen ganz wichtigen Menschen verloren“.

„Paul Mader und seine zweite Frau Renate erfreuten sich in der Gemeinde einer außerordentlichen Beliebtheit“, sagt Knäpper. Das Vorhaben der Straßenwidmung sei gut angelaufen. Er habe den Wunsch der Gemeinde informell dem damaligen Bürgermeister Walther Boecker vorgetragen. Und dabei einfließen lassen, dass es bereits mehrere Straßen in Hürth gebe, die nach katholischen Pfarrern benannt seien. Die schriftliche Antwort des Stadtoberhauptes, dass man den Vorschlag gerne aufgreifen werde, sei rasch eingegangen. Zuversichtlich habe sich dann Pfarrer Thomas Hennig mit einem offiziellen Antrag an die Stadtverwaltung gewandt.

Gang durch die Instanzen mit gutem Ergebnis

Damit habe das langjährige Warten begonnen, sagt Knäpper. Dabei erfuhr er etwa, dass der Sterbetag eines Straßennamen-Gebers mindestens fünf Jahre zurückliegen müsse. Und dass die obligatorische Überprüfung der namensgebenden Person insbesondere ihres Verhaltens im NS-Regime und Zweiten Weltkrieg keine belastenden Auffälligkeiten aufweisen dürfe. Auf dem Weg durch die Instanzen setzte sich Knäpper beispielsweise in Verbindung mit dem Historiker Dr. Manfred Faust, über Jahrzehnte Leiter des städtischen Archivs. Auch andere hätten sich stark gemacht für die Verwirklichung des Anliegens.

Knäpper zeigt sich erleichtert und froh darüber, dass 2019 der Ratsbeschluss gefasst und das Schild im April 2020 in einem Efferener Neubaugebiet aufgestellt worden sei. Jedoch bedauert er, dass man das ursprüngliche Ziel verfehlt habe, nämlich das Schild noch zu Lebzeiten von Maders Witwe enthüllen zu können.

Knäpper freut sich besonders, dass in Efferen nun die Pastor-Giesen-Straße und Pastor-Mader-Straße nicht weit voneinander entfernt liegen. Diese räumliche Nähe drücke gewissermaßen das große Vertrauensverhältnis aus, das Mader und der von 1959 bis 1982 amtierende katholische Pfarrer Paul Giesen miteinander pflegten, meint er. Die Nähe der beiden Straßen verweise insgesamt auf die gelebte Ökumene der evangelischen und katholischen Christ*innen im Hürther Stadtteil.

 

Friedrich Knäpper – mehr Infos

Von 1996 bis 2012 gehörte Friedrich Knäpper dem Presbyterium der Evangelischen Matthäus-Kirchengemeinde Hürth (seit 2015 wieder Evangelische Kirchengemeinde Hürth) an, zuletzt als Kirchmeister.

Text: Engelbert Broich/APK
Foto(s): APK