Anja Vollendorf

Anja Vollendorf predigte in der Kölner Antoniterkirche zum 70-jährigen Bestehen des Ökumenischen Rates der Kirchen



„Friede ergibt sich nie einfach so, er muss erlernt werden“: Antje Vollendorf zum Jubiläum 70 Jahre Ökumenischer Rat der Kirchen

„Was feiern wir da eigentlich?“, fragt Pfarrerin Anja Vollendorf anlässlich des Jubiläums 70 Jahre Ökumenischer Rat der Kirchen (ÖRK) in der Kölner Antoniterkirche. Die Kirchenrätin der Evangelischen Kirche im Rheinland erklärt im Ökumenischen Abendgebet, was es mit dem ÖRK auf sich hat: Sie ist eine Gemeinschaft der Kirchen weltweit, 1948 in Amsterdam gegründet, „ mit dem Blick für die Einheit der Kirchen im Glauben.“ Im ÖRK spiegele sich das, „was die Christenheit jeweils bewegt“. Die Gemeinschaft, zu der 350 Mitgliedskirchen gehören, befinde sich dabei immer auf der Suche nach Gerechtigkeit. „Die Zeichen der Zeit spiegeln sich wider in diesem Begegnungsraum“, weiß Vollendorf.

Neue Akzente alle sechs bis sieben Jahre
Zu Beginn spielte die Auseinandersetzung mit Faschismus und Kommunismus eine große Rolle im ÖRK, so Vollendorf. Hinzu kamen der Kampf gegen Rassismus, die Arbeit für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und der Widerstand gegen das Patriarchat, die Armut und den Einsatz von Massenvernichtungsmitteln. „Alle sechs bis sieben Jahre setzt eine Vollversammlung bestimmte Akzente und mit dabei sind auch Vertretende der römisch-katholischen Kirche, die mit ihrem Status als Beobachterin im ÖRK interessante theologische Lehrgespräche einbringt“, erklärt die Kirchenrätin der Abteilung „Theologie und Ökumene“. In heutiger Zeit lade der ÖRK ein, den Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens miteinander zu gehen. „Es wird besonders das Hören auf die Menschen hervorgehoben, die von den Rändern der Gesellschaft kommen.“

Versöhnung bewusst einüben
In ihrer Predigt zitiert Anja Vollendorf den Ökumenischen Rat der Kirchen, der 1948 in Amsterdam erklärte: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.“ Auch die Evangelische Kirche im Rheinland habe in diesem Jahr ein Friedenswort verabschiedet: „Es will Atomwaffen abschaffen und Rüstungsexporte verhindern.“ Das Friedenswort der rheinischen Kirche fordere auch, Krieg und Gewalt zu überwinden und den Weg zum Ausgleich und zur Versöhnung bewusst einzuüben. „Das Friedenswort wagt es, Kirchen aufzufordern, einmal zu erklären, dass sie auf dem Weg zum gerechten Frieden ist“, so Vollendorf. „Es tut es mit dieser Vorsicht, weil wir schließlich wissen, dass Kirche in ihrer Geschichte nun wahrlich eben nicht immer auf diesem Weg gelaufen ist“, fährt sie fort.

Friedvolle Beziehungen zur Mitwelt
„Friede ergibt sich nie einfach so“, meint die Theologin und sagt: „Friede muss erlernt werden. Es gibt viele friedenspädagogische Ansätze und Lehrentwürfe, die aus den Schubladen herausgeholt werden können. Kinder können lernen, wie Krieg verlernt werden kann. Jede Generation neu. Auch Kinder, die neu aus anderen Kulturen hinzukommen, werden mitgenommen auf einen Weg des Friedens. Was das hebräische Wort für Frieden und noch viel mehr ist, Schalom, soll unsere Zukunft sein. Dieser Schalom Gottes bringt friedvolle Beziehungen zu Gott, zu unseren Mitmenschen, zu unserer Mitwelt.“

Das Ökumenische Abendgebet:
Seit 1990 ist Anne Geburtig aktiv in der Vorbereitung des Ökumenischen Abendgebets an der Kölner Antoniterkirche beteiligt. Es wird dort an jedem letzten Sonntag im Monat gefeiert. Zum jüngsten Abendgebet erklärt sie: „Inhaltlich war es wichtig, dass die besondere Bedeutung des ÖRK mit seinen vielfältigen Aufgaben zur Sprache kommt. Besonders der ökumenische Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.“ Das sei auch in den Gebeten und den Liedern von Flötistin Doris Mäsgen und Organist Roland Westphal zu spüren gewesen.

Jedes Abendgebet steht unter einem bestimmten Thema und Bibelvers und wird durch Worte, Zeichenhandlung und Musik entfaltet. Als Zeichen der Gemeinschaft und Verbundenheit, treffen sich alle im Altarraum zu einem Kreis. Hier wird das Abendgebet mit Fürbitten, Vaterunser und Segen beendet. Vorbereitet wird es von einer kleinen Gruppe, die sich speziell zum jeweiligen Thema zusammenfindet. Anne Geburtig: „Das Ökumenische Abendgebet lebt von der Begegnung der Menschen, die den Austausch mit anderen ökumenischen Kreisen suchen.“

Ökumenisches Abendgebet im September
Sonntag, 30. September, 18 Uhr
Antoniterkirche, Schildergasse 57, 50667 Köln
Mit dem Internationalen Konvent Christlicher Gemeinden in Köln (IKCGK)
Predigt: Pastor Elia Daoud, Arabische Gemeinde Bonn
Musik: Gospelchor von der Redeemed Christian Church of God

Text: Angelika Knapic
Foto(s): Anna Neumann