Finanzen, Campus Kartause, Kirchbautag in Köln und Tauffest am Rhein – Nachrichten von der Verbandsvertretung

Finanzen, Campus Kartause, Kirchbautag in Köln und Tauffest am Rhein – Nachrichten von der Verbandsvertretung

Eine Andacht über die Kunst des Hörens hielt Stadtsuperintendent Bernhard Seiger zum Auftakt der Herbst-Tagung der Verbandsvertretung des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. Dass man sich digital traf, gehört inzwischen zur Normalität allen kirchlichen Lebens. Die steigenden Zahlen der Covid-19-Infektionen hatten dies bedauerlicherweise wieder notwendig gemacht. Pfarrer Seiger sprach über den Psalm 94, Vers 9. „Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören? Der das Auge gemacht hat, sollte der nicht sehen?“ „Was hören wir in diesen bewegten Zeiten? Nachrichten, die uns bedrücken. Echtes Hören ist was anderes als nur Informationen aufnehmen“, erklärte der Stadtsuperintendent. Eine Frage stehe im Mittelpunkt: „Wie hören wir die Stimme Gottes in all dem, was wir täglich hören. In Presbyterien, Leitungsorganen, Synoden und in der Verbandsvertretung. Achtsamkeit kann sensibel machen. Menschen hören, Gott hört. Die Tageslosung aus dem Psalm 94 ist die Zusage, dass Gott unsere eigene Stimme heraushört. Er weiß was wir brauchen.“ Die Kirche Christi sei eine hörende Kirche, die sich etwas sagen lasse und sich verändere.

Gregor Stiels, Vorsitzender des Katholikenausschusses für die Stadt Köln, war als Gast auf der Synode des Verbandes. Bernhard Seiger und er waren sich einig. „In Zukunft wollen nicht ohne einander sein und nicht ohne den anderen denken“, sagte Stiels in einem Grußwort. Seiger stimmte dem ausdrücklich zu.

Vier Themen hatte der Stadtsuperintendent für seinen mündlichen Bericht über das vergangene Jahr ausgewählt. Zunächst erinnerte Bernhard Seiger daran, dass sich der neu gewählte Verbandsvorstand während der ersten Sitzungen nur virtuell treffen konnte. Mittlerweile habe es aber Treffen in Präsenz gegeben, und man habe noch effizienter die Arbeit aufgenommen.

„Am 28. Oktober haben wir die Via Reformata mit Station 5 an der Antoniterkirche eröffnet. Man erfährt immer wieder Neues über die Evangelischen und ihre bewegte Geschichte – über das Leben im Untergrund, über dunkle Zeiten, aber auch über die neuen Freiheiten und die inzwischen anerkannte Rolle in der Kölner Stadtgesellschaft“, berichtete Seiger. Es sei sehr wichtig gewesen, die Perspektive auf dem Zwölf-Stationen-Weg auf die reformatorische Seite von Köln ökumenisch wahrzunehmen. „Ich bin froh, dass das gelungen ist und die Eröffnung ökumenisch mit Stadtdechant Msgr. Robert Kleine, mit der Stadt und der Gemeinde Köln gemeinsam gefeiert werden konnte.“

Am 13. August des kommenden Jahres feiern die evangelischen Christinnen und Christen ein Tauffest am Rheinufer nördlich vom Tanzbrunnen. „Wir planen ein fröhliches, buntes Fest mit viel Musik und Mitgestaltung. Wir hoffen darauf, dass viele Gemeinden mitmachen und Taufen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen dort feiern. Unsere Gäste sollen erleben: Wir sind viele Menschen, die zur Kirche Jesu Christi gehören wollen. Wir sind als Kirche da für Familien, so wie sie sind, für Alleinerziehende und Patchworkfamilien. Es soll spürbar werden: Uns verbindet, dass wir im Lebensraum Gottes als Kinder Gottes Erfahrungen machen, getauft werden und den Segen Gottes empfangen wollen“, warb der Stadtsuperintendent für die Teilnahme an dem Fest. „Die Täuflinge und ihre Familien werden in kleinen Gruppen vorbereitet und im besten Fall von Pfarrerinnen und Pfarrern ihrer Gemeinde am Rheinufer getauft. Sie werden mit dem Tauffest unvergessliche Erinnerungen verbinden. Nach den ersten Rückmeldungen zeichnet sich schon ab, dass mehr als die Hälfte unserer Gemeinden an dem Projekt teilnehmen wird.“

Deutliche Worte fand Bernhard Seiger für die Genehmigung des Muezzin-Rufes durch die Stadtverwaltung unter Federführung von Oberbürgermeisterin Henriette Reker. „Für die evangelische Kirche vertrete ich die Position, dass die Muslime in unserer Stadt selbstverständlich das Recht haben, ihren Glauben öffentlich zu leben. Das versteht sich auf der Grundlage der Religionsfreiheit, die das Grundgesetz garantiert, und das versteht sich aus Respekt vor den vielen Menschen, zu deren Leben und Identität die Ausübung ihrer Religion, in dem Fall des Islam, gehört.“ Für die Kritiker hat er wenig Verständnis: „Es wird mit der Unfreiheit der Christinnen und Christen in muslimisch geprägten Ländern wie der Türkei und dem Irak argumentiert. Es ist wahr, christliche Minderheiten werden zum Beispiel in vielen Ländern des Nahen Ostens unterdrückt, bedroht und verfolgt. Das erfüllt uns in der internationalen Ökumene mit großer Sorge, und hier ist unsere Stimme und unser Eintreten für unsere Glaubensgeschwister wichtig. Es macht aber überhaupt keinen Sinn, Religionsbeschränkungen in der Bundesrepublik damit zu begründen, dass zum Beispiel in der Türkei keine Kirchen gebaut werden dürfen. Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht, ein hohes Gut und sie sollte in allen Ländern herrschen. Das ist eine Haltung, die weltweit Standard sein sollte. Wir können in unserem Land so leben, dass Religionen respektvoll miteinander leben und dies als Beitrag zum Frieden beispielgebend vertreten. Wir können uns aber nicht von Irrtümern anderer abhängig machen.“ Nachdenken müsse man intensiv über die Frage: „Welche Rolle spielt Religion in der modernen, pluralen und ausdifferenzierten Gesellschaft? Das Zusammenwirken der Religionen ist Teil der Lösung des komplizierten Zusammenlebens in einer dynamischen Gesellschaft, es ist nicht Teil des Problems, wie manche denken.“

Lothar Ebert, Vorsitzender des Beratungsausschusses für Haushalts- und Finanzfragen, stellte den Jahresabschluss für 2020 und den Haushalt für 2022 vor. Bei einer Bilanzsumme in Höhe von 111.585.129 Euro ergibt sich für 2020 ein Fehlbetrag in Höhe von 2.605.239 Euro. Dieser Fehlbetrag wird mit dem Gewinnvortrag aus 2019 in Höhe von 1.890.378 Euro verrechnet und durch eine Rücklagen-Entnahme in Höhe von 714.861,26 Euro aus der Allgemeinen Ausgleichsrücklage ausgeglichen. Für das Jahr 2022 rechnet Lothar Ebert mit Netto-Kirchensteueraufkommen in Höhe von 93.213.486 Euro. Nach Abzug aller Umlagen stehen 42.071.897 Euro als Verteilsumme für die Gemeinden zur Verfügung. Nach Abzug der Mittel für die Kirchenkreise verbleiben 39.608.303 Euro. Somit erhalten die Gemeinden bei 261.685 Gemeindegliedern 160 Euro pro Kopf, 2021 waren es 155 Euro. Lothar Ebert plant im kommenden Jahr eine Rücklagenzuführung in Höhe von rund 4 Mio. Euro bei gleichzeitigen Rücklagenentnahmen in Höhe von 712.545 Euro. Unter diesen Voraussetzungen soll der Haushalt für 2022 ausgeglichen sein.

Die Kosten für den Neubau des Campus Kartause wurden mit dem Abschluss der „Leistungsphase 3 Entwurfsplanung inklusive Kostenberechnung“ korrigiert. Im Moment rechnet der Kirchenverband mit rund 56,5 Millionen Euro Baukosten. Dabei handelt es sich um eine Hochrechnung mit einem Korridor von plus bis minus 20 Prozent. Um bei steigenden Baukosten eine Erhöhung der Eigenkapitalquote des Verbandes zu verhindern, werden derzeit mehrere Möglichkeiten geprüft. Dazu zählen die Einwerbung weiterer EU-Fördermittel, die Reduzierung des Investitionsvolumens und die Erhöhung des Anteils vermietbarer Flächen. Auch die Aufnahme von Krediten wird geprüft. Bernhard Seiger ging auf die Baukostensteigerung von rund sieben Millionen Euro gegenüber früheren Schätzungen ein. „Das ist ein Problem, das wir sehr ernst nehmen. Entweder müssen wir am Projekt etwas ändern oder an der Finanzierung.“ Aus seiner Sicht ist es dringend geboten, externe Expertise ins Boot zu holen, wie es gegenwärtig geschieht, um über die Weiterentwicklung des Projektes fachlich gut beraten zu können. Zu Details des Projektes und der Finanzierung wurden von den Mitgliedern der Verbandsvertretung differenzierte Fragen gestellt. Die Antworten wurden von Projektsteuerer Wolf Schlünz und dem Finanzierungsfachmann Matthias Koss sowie Vorstandsmitgliedern gegeben.

„Mut baut Zukunft“ lautet das Motto des Kirchbautags 2022, der vom 8. bis 11. September in Köln stattfindet. Normalerweise alle drei Jahre treffen sich unter der Regie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) etwa 500 Architektinnen und Architekten, Theologinnen und Theologen, bildende Künstlerinnen und Künstler und anderen Personen, die sich für den evangelischen Kirchenbau besonders engagieren und für die Entwicklung des kirchlichen Bauens und der Kunst mitverantwortlich zeichnen. In Referaten und Diskussionen werden die aktuellen Fragen des Kirchenbaus und der Kunst behandelt und anhand von aktuellen Projekten gezeigt. Die Idee, einen Kirchbautag in Köln auszurichten, entstand durch die auch überregional wahrgenommene richtungsweisende Neubautätigkeit der evangelischen Gemeinden in der Region. Die leitende Landeskirchenbaudirektorin Gudrun Gotthard erläuterte der Verbandsvertretung die Ideen für Köln. „Es geht um die Wahrnehmung und Wertschätzung der lokalen Projekte vor Ort. Impulse strahlen in andere Landeskirchen aus. Es handelt sich um eine Mischung aus Kirchentag und kreativem Fachkongress“, sagte Gotthard. „Wir wollen eine Drehscheibe zwischen Theologinnen und Theologen und Architektinnen und Architekten sein.“

In einem weiteren Tagesordnungspunkt stellte Stadtsuperintendent Bernhard Seiger eine Dokumentation vor, aus der hervorgeht, wo und wie die Liegenschaftsverwaltung des Kirchenverbandes ihrer ökologischen Verantwortung gerecht wird. Darin kann man lesen, dass die Räume des Verbandes mit Fernwärme geheizt werden. Einsparungen möchte man in Zukunft unter anderem mit dem Einbau zentraler Heizungsventile und der Prüfung der Nacht- und Wochenendabsenkungen erzielen. Geprüft wird auch die Regenwassernutzung bei der Gartenbewässerung und den WC-Spülungen. Den Mitarbeitenden des Verbandes wird ein Job-Ticket angeboten und es steht ein Dienstfahrrad für innerstädtische Dienstgänge zur Verfügung. Der Dienstwagen des Stadtsuperintendenten wurde abgeschafft. Außerdem sollen zwei Tankstellen für E-Autos auf dem Verbandsgelände eingerichtet werden. Auch die Digitalisierung wird vorangetrieben, um noch mehr Papier einzusparen. Die Flachdächer der Verbandsgebäude sind teilweise begrünt. Rasenflächen will teilweise man in Wildblumenwiesen umwandeln, damit die Bienen, die in ihren Stöcken auf dem Verbandsgelände leben, abwechslungsreichen Nektar finden.

Neben diesen vielen Themen arbeitet der Evangelische Kirchenverband auch an einer neuen Satzung. Die Ansätze für diese neue Arbeitsgrundlage wurden in Grundzügen vorgestellt und diskutiert. Aufgrund des 2013 in Kraft getretenen Verwaltungsstrukturgesetzes und des 2019 in Kraft getretenen Verbandsgesetzes muss die Verbandssatzung neu gefasst werden. Die neue Verbandssatzung soll möglichst in einem Jahr beschlossen werden, im Sommer 2022 wird es auf der nächsten Sitzung der Verbandsvertretung dazu weitere Vorschläge und Impulse geben.

Personalia:
Jörg Schröder aus der Brückenschlag-Gemeinde Köln Flittard/Stammheim wurde in den Beratungsausschuss für Haushalts- und Finanzfragen gewählt.
Dipl. Ing. Kovith Ly-Thode ist künftig Mitglied im Beratungsausschuss für Bau- und Liegenschaftsfragen.

Stichwort Verbandsvertretung:
Die Verbandsvertretung ist das Leitungsorgan des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region mit seinen 56 Gemeinden und 261.685 Gemeindegliedern  im Rhein-Erft-Kreis, in Köln, im Rheinisch-Bergischen Kreis und im Oberbergischen Kreis in den vier Kölner Kirchenkreisen. Zu den Aufgaben der Delegierten gehören beispielsweise der Beschluss des Haushalts und die Wahl des Stadtsuperintendenten. Die Verbandsvertretung tagt zweimal im Jahr und wird von Stadtsuperintendent Bernhard Seiger geleitet.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmannan Rahmann / APK